?i,t!^:^.,>^ r "i^i -^%^ '^j(f^ ^•'v.^ ^ w? :^#-'S ^,.^4 ■■£t»»äk^' THE UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY 580.5 05 V. 13 <^c^}—~-—-~ — '■ — ' Oesterreichisclie Botanische Zeitschrift. (Oesterr. botanisehes ^ocheoblatt.) Gemeinnütziges Organ für Boliuiik und Bolaoiker, Gärtner, Ockonomen, forslmänner, Aerzle, Apotheker und Techniker. Redigirt vuad Heraiasgegeben von Dr. Alex. Skofitz. 1863. AViEisr. Verlag von C. Gerold. m^^s- ■■% Oesterreichische BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. Gremeinnütziges Organ für Botanik uud Botaniker, («ärtner, Oekonomen, Forstmänner, Aerzte, Apotlieker und Techniker. Mit Or-lsizx jal - DBoitr Äsen Alefeld, Bayer, Benlzel - Stcriiaii , Celakowsky, Colin, Ebner, Engler, Grundl, Hegelmaier, Heldreicb, Hinterliiiber, llohenacker, liolzinger, llulcr, Janka, Josch, Junger, Juratzka, Kanitz, Keck, Kerncr Ant., Kerner Jos., Körnicke, Krasan, Krzisch, Lagger, Landerer, Leouhardi, Loser, Luerssen, Makowsky, Maly, Milde, Monbeira, Müller, Nave, Pavai, Pichler, ReichardI, Sauler, Schideck, Schiller, Schneller, Schur, Scliweinfurlb, Senoner, Sieffek, Tomraasini, üechlritz, Vulpius, Wawra, Wiesner, Woldrich, Zukal, Zwanziger. Redieirt D^ Alexander Skofitz, Magistor ilor Pharraacie, der kais. Leop. Carol. Akademie der Naturforscher und melirorer Gelehrtea - Gesellschaften Mitglied. XIII. Jahrgang;. (Mit 3 Lithographien.) Wien 1863, Verlas von C. Gerold. Druck voa C. üeberrentor in Wien. OS v,/3 Oesterreichische BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. Gemeinnütziges Organ für Die agterreicbische Exemplare, botanisclie Zeitschrift Rnfoilik nilll RAfailllfai* die frei durch die Post be- erscheint nOiaUlK Una DOldUlHer, zogen werden soUen, sind den Ersten jeden Monats. blos bei der Redaktion Man pränumerirt auf selbe GärlnCr, OckonOIDeD, ForSlllläüIier, AerZle, Orieden.N.SSI.Wiai) mit 9 fl. S5 Kr. Oest. w. ' ' ^ ) '•»'•"•'v, ^^ pranumenren. i3 Thlr. 10 Ngr.J 1 ,1 1 ] T I '1 Im Wege des ganzjährig, oder ApOllieker Ulld leCillllker. Buchhandeis übernimmt mit 9 II. «3 kr.Oest. W. I Pränumeration halbjährig. C. Gerold's Sobu Inserate in Wien, die ganze Petitzeile "KTo 1 "* ^^^ ^^^® übrigen lOkr. Oest. W. XU =' Xi Buchhandlungen. XIII. Jahrgang. WIM. Jänner 1863. INHAIaT : Ludwig Haynald. — Neue Pflanzenarten. Von Dr. Wa'wra. — Beiträge zur Malvaceen- kunde. Von Dr. AI ef el d. — JBerg Pilis. Von Grundl. — Correspondenz. Von Dr. Milde, Dr. Krzisch, Engler, Keck, Juratzka, Dr. Hohenacker. — Personalnotizen. — Vereine, Gesellschaften, Anstalten. — Liierarisches. — Botanischer Tauschverein. — Bitte. — Correspondenz der Redaktion. — Inserat. Oallerie österreichischer Botaniker. VI. Ludwig Haynald. (Mit einem Porträt, lithogr. von E. Kaiser.) JjLaynald wurde zu Szecseny, einem Marktflecken des Neograder Conütates, am 3. Oktober 1816 geboren. Sein wissenschaftlich gebildeter Vater hegte auch grosses Interesse für die Naturwissen- schaften, er beschäftigte sich in seinen freien Stunden mit Botanik und Lepidopterologie und wusste die Neigung seiner Kinder schon frühzeitig dem Naturstudium zuzuwenden, sowie er überhaupt der Erziehung derselben die grösste Sorgfalt widmete, auch ihre Studien, begünstigt von glücklichen Verhältnissen, stets und allenthalben überwachte. So geschah es, dass Haynald, während er noch die Elementar- klassen in seinem Geburtsorte bis zum Jahre 1824 besuchte, und später, als er in Waizen und Pesth die ersten Jahrgänge des Gymna- siums absolvirte, sich bereits unter väterlicher Anleitung kleine Sammlungen von Naturgegenständen zusammenstellte. Eine beson- dere Vorliebe jedoch fühlte Haynald für die Pflanzenwelt, und schon im Jahre 1826, mit Galanlhus nivalis beginnend, legte er sein Oesierr. botan. Zeitschrift 1. Heft IS11.3. 1 512000 erstes Herbarium an, wobei er sich mit einem einzigen botanischen Werke („Diöszegi-Fazekas. Mag-yar Füvesz-Konyv", in Debrezi« erscliienen) zu behelfen wusste. Jene damals gesammelten Pflanzen befinden sicli noch in dem dermaligen grossen Herbarium des Bischof Haynald als Repräsentanten des botanischen Fleisses eines zehn- jährigen Kindes. Nur zu bald für die Neigung Haynald's wurde dessen bota- nische Thätigkeit, wenn auch nicht gänzlich aufgehoben, so doch bedeutend beschränkt und zwar von Seite seines Vaters selbst, der im Jahre 1827 sämmtliche von Haynald gesammelte Pflanzen in Verwahrung nahm, als bei dem sich immer steigernden Eifer des Knaben zur Botanik , eine Vernachlässigung der Berufsstudien zu befürchten stand. Inzwischen excellirte Haynald als Gymnasialschüler und wurde in Folge dessen von weiland Primas Kardinal Alexander von Rudnay nach Gran genommen, wo er bei den Benediktinern die sechste Gymnasialklasse studirte. Unter den Anspielen des- selben Kirchenfürsten horte er die philosophischen Studien zu Pressbiirg und Tyrnau und wurde als Theologe dem Pazmaneum in Wien einverleibt; eine der grössten Auszeichnungen , deren ein ungarischer Kleriker überhaupt theilhaftig w^erden kann. Im Frin- taneum bei den Augustinern in Wien bereitete sich Haynald zu seinen Rigorosen vor und wurde sodann, im Jahre 1840, an der Universität Wien zum Doktor der Theologie promovirt, nachdem er schon einige Jahre früher die Priesterweihe erhalten hatte. Im Jahre 1841 kehrte Dr. Haynald nach Ungarn zurück, wo er anfänglich durch sechs Monate als Kaplan zu Pesth und durch weitere sieben Monate als solcher in Ofen fungirte. Aber schon ein Jahr später bekleidete ^r als Professor die Lehrkanzel der theologischen Encyclopädie in Gran. Zu dieser Zeit, in den Jahren 1845 und 1846 benützte er die Ferien zu grösseren Reisen durch Deutschland, Belgien, England , Frankreich und die Schweiz. Nach dem Tode des Fürstprimas Kopäcsy, welcher im Jahre 1847 starb, ist Haynald Sekretär des Graner General- Vicariats , später aber Kanzler des Graner Erzbisthums geworden, in welche Zeit auch seine Ernennung zum k. k. Titular-Hofkaplan fällt. Bei der Installirung des jetzigen Primas wurde Haynald zum erzbischoflichen Kanzlei- Direktor und am 9. September 1851 zum Coadjutor mit Nachfolge- recht des greisen Nikolaus von Kovacs, Bischofs von Siebenbürgen ernannt. Am 15. August 1852 zum Bischof von Hebron i. p. c. consecrirt, begab sich Haynald bald nach seiner bischöflichen Weihe nach Karlsburg, um das Coadjutorsamt anzutreten, als der schon am 15. Oktober erfolgte Tod seines Bischofs ilm auf den Thron des siebenbürgischen Bisthums setzte. Im Jahre 1854 ernannte S. M. der Kaiser den Bischof zum wirklichen geheimen Rath. Die schweren bischöflichen Berufspflichten einerseits und eine durch seine hohe geistliche Stellung bedingte Zurückgezogen- heit andererseits weckten in Bischof Haynald den Drang nach einer einer entsprechenden Erholung. Geleitet von seinen umfangreichen Kenntnissen, vielleicht auch von den Jedem so theuern Erinnerungen an die glücklichen Jahre der frühen Jugend , suchte und fand Heyn ald jene Erholung in einem gründlich betriebenen Studium der Botanik. Allein wie karg selbst diese Zerstreuung (wenn man die ernste Pflege einer Wissenschaft wohl so nennen darf) dem von ßerufsgeschäften übermässig in Anspruch genommenen Bischöfe ^ttgemessen ist, erhellet aus der nachfolgenden Stelle eines Schrei- bens an den Redakteur der botanischen Zeitschrift, als derselbe Haynald's gediegene botanische Kenntnisse im Interesse der Wissenschaft und seines Journales verwerthen wollte und den hohen Botaniker zu wissenschaftlichen Beiträgen für das letztere einlud, worauf der Bischof, datirt vom 4. Mai 1855, antwortete: „Ihr reich- haltiges Blatt mit Artikeln bedenken ? ! Post exactos tyrocinii episco- palis annos würde ich mich wohl daran betheiligen, — aber jetzt gehört noch alle meine Zeit und Tinte der Kirche und dem Staate — mir und meiner lieben Botanik kaum dann und wann ein erspartes Stündchen in dunkler Nacht." Wie aus diesen Worten zu entnehmen , verblieben seinem .Studium der Botanik nur einige Nachtstunden und diese gewiss nur in den Wintermonaten. Günstiger dagegen seiner Vorliebe zu den Pflanzen erwiesen sich bisher des hohen Priesters Berufspflichten im Sommer, denn die während einer zehnjährigen Anitsthätigkeit nach allen Richtungen unternommenen zahlreichen Pastoralreisen führten ihn auch nach aUen Gegenden Siebenbürgens, sie machten ihn mit den herrlichen Thälern und blumenreichen Bergen des in naturwissenschaftlichen Beziehungen so sehr interessanten Landes vertraut und gaben ihm die erwünschte Gelegenheit die lieblichen Kinder Florens auf und an den Wegen seines bischöflichen Wirkens zu pflücken. Freilich wurden diese Wege den Pflanzen zu Liebe mit- unter auch verlängert, denn angelangt bei einer botanisch wichtigen Lokalität Hess Bischof Haynald nicht selten seinen Reisewagen die gerade Strasse ziehen, während er selbst botanisirend auf Um- wegen so manchen Berg überschritt, manches Thal durchzog oder Wälder, Fluren, Auen und Sümpfe durchforschte. Die dabei gewon- nene Pflanzen - Ausbeute wurde ausserdem noch alljährlich durch einzelne grössere Exkursionen auf die blumenreichen Alpen Sieben- bürgens ergänzt. Doch nicht allein in Siebenbürgen und bei sich darbietender Gelegenheit in Ungarn sammelte Haynald, im Gegeniheile auf keiner seiner vielen Reisen vergass er der Pflanzen und brachte aus allen von ihm bereisten Ländern selbst gesammelte Vertreter ihrer Floren mit. So namentlich aus Italien, das er im Laufe von vier Jahren zweimal besuchte. Das erstemal im Jahre 1859, wo er sowohl das Festland als auch Sicilien botanisch bereiste, dabei die ihm sehr viel Genuss verschafl'ende Bekanntschaft von-Gussone in Neapel, Todaro in Palermo und Tommasini in Triest machte und eine reiche Ausbeute an Pflanzen, namentlich an sicilianischen, 1 * heimführte. Seine zweite Reise nach Italien unternahm Bisehof Haynald im Sommer 1862 und botanisirte dabei hauptsächlich in der Umgegend von Rom, in welcher Stadt er durch einige Zeit verweilte und zwar als Mitglied der Versammlung des gesammten Weltepiskopats, an deren Arbeiten er sich eifrig betheiligte, oder, wie es die politischen Blatter jener Tage berichteten , sich an den Vorgängen der Versammlung auf eine hervorragende Weise bethä- tigte. Während dieser Zeit wurde Haynald auch mit dem Pharma- ceuten RoUi, der ersten botanischen Celebrität Rom's bekannt. Im Jahre 1861 sammelte der Bischof bei Teplitz in Bölimen, häufig in Gesellschaft zweier anderer ebenfalls in jenem Badeorte anwesender nichtiger Botaniker, des biederen Dechantes Karl, einer sehr liebenswürdigen Persönlichkeit und des Pfarrers Hampl, eines ausgezeichneten Kenners der Teplitzer Lokalflora Auf diese Weise brachte Haynald schon mit selbst gesam- melten Pflanzen ein bedeutendes Herbarium zusammen, zu welchem wohl die Flora von Siebenbürgen und Ungarn das meiste Contin- gent lieferte, dem es aber auch nicht an einer würdigen Vertretung anderer selbst ausländischer Florengebiete fehlte. Eine erhebliche Vergrösserung erhielt dieses ursprüngliche Herbarium durch den Ankauf der von Dr. Heuffel nachgelassenen Sammlung, in welcher sich zwar die universale Flora durch ihren Umfang und durch Originalexemplare der ersten botanischen Autoritäten Europa's aus- zeichnet, dagegen sich die Flora des Banates leider sehr defectiös erwies, indem ihr eben die kritischen Pflanzen fehlen, welche Lückenhaftigkeit eine natürliche Folge der von Heuffel geübten Freigebigkeit sein dürfte. Ferner befinden sich dem Herbarium Haynald's einverleibt die von Kovats in früheren Jahren heraus- gegebenen Centurien österreichischer Pflanzen und Dr. Raben- tiorst's Kryptogamen-Sammlungen. Durch zahlreiche Verbindungen mit anderen Botanikern wurde das Herbarium ebenfalls erweitert und mit Original-Exemplaren bereichert, so von Czetz, Dohle r, Fuss, Gärtner, Gussone, Heufler, Hinte röcker, Huguenin, Jabornegg, Janka, Lagger, Oberleitner, Pappa-Fava, Pittoni, Recker, Rolli, Skofitz, Todaro, Wolff und vielen andern. Stets aber war Bischof Haynald auch bereit, ihm zuge- kommene Pflahzensendungen auf die liberalste Weise mit sonst sehr schwer zu erlangenden siebenbürgischen Pflanzen zu erwiedern. Die botanische Bibliothek Haynald's entspricht vollkommen der grossen Vorliebe zur Wissenschaft und den ausgedehnten botanischen Kenntnissen ihres Besitzers. Sie umfasst die besten und kostbarsten Werke über alle Zweige der Botanik. Zu Ehren unseres hohen Botanikers wurden einige neu auf- gestellten Pflanzenarten mit seinem Namen bezeichnet, so nannte Janka eine Anthemis: A. Hat/na Idi (Oesterr. botan. Wochenblatt, 1856, Seife 1), Schur eine Sesleria : S. Haynaldiatia (Zool.-botan. Ver. 1856, Seile 207), Heuffel ein Colchicum: C Haynaldi (Oesterr. botan. Zeitschrift , 1858. Seite i;}5. He uff. FI. Ban. Seite 177), endlich Stur eine Draba: D. Haynaldi (Oesterr botan. Zeitschrift 1861, Seite 186). Der Name Haynald wurde in unsern politischen Krisen der letzten Jahre, das ist seitdem 20. Oiitober 1860, oft genannt, und wo gibt es einen in solcher Sphäre beachteten Namen, der nicht ebenso oft verklärt als angefeindet worden wäre; preiswürdig aber der- jenige , dessen vollste Ehrenhaftigkeit in den leidenschaftlichen Ergiessungen politischen Haders von allen Parteien anerkannt wird, von keiner angegriflen viel weniger bemakelt werden kann. Hay- nald's politische Thätigkeit begann in den die ersten Regungen des neu erwachten konstitutionellen Lebens in Siebenbürgen bildenden Konferenzen zu Karlsburg, welche auf höchste Anregung in seiner bischöflichen Residenz im Februar 1861 abgehalten wurden. Sie fand eine glänzende Fortsetzung ^uf dem ungarischen Landtage, wo Haynald in einer vielbesprochenen siebenviertel-stündigen Rede mit dem Wahlspruche „Loyalität gegen die Dynastie, Festhalten an der gesetzlichen Basis des Thrones und des konstitutionellen Lebens und Bekämpfung jedweder revolutionären Tendenzen ," für die Union Siebenbürgens mit Ungarn plaidirte. Eine weitere Entwicklung fand endlich seine politische Thätigkeit im siebenbürgischen Guber- nium, dessen erster Rath der Bischof von Siebenbürgen ist. Katholischer Kirchenfürst in der ganzen Bedeutung des Wortes ist Bischof Haynald als solcher streng aber gerecht, milde, gütig und wohlwollend als Priester, theilnahmsvoll und hilfreich gegen- über menschlichem Unglücke , liebenswürdig im persönlichen Um- gange. Fremde wissenschaftliche Verdienste würdigend und anerken- nend als Gelehrter, ist er auch stets bereit wissenschaftliche Bestrebungen anzuregen, aufzumuntern und zu fördern. Das ungari- sche National-Museum in Pesth, das siebenbürgische National-Museum in Klausenburg, der siebenbürgische Verein für Naturwissenschaften zu Hermannstadt , die zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien, zählen ihn zu einem ihrer ersten Mäcenen, ; ebenso der botanische Tauschverein in Wien, dem er bereits gegen 6000 Exemplare der seltensten Pflanzenarten Siebenbürgens ohne jedweden Gegenanspruch mit dem Bedeuten zugewendet hat, dass er durch diese Pflanzen die Flora Siebenbürgens bekannt zu machen und deren Sprösslinge unter den Botanikern verbreitet zu sehen wünsche. Seine Vorliebe zur heimischen Flora bestimmte auch den hohen Botaniker zu der dankwürdigen Erklärung, dass er die Publikation eines Werkes über die Flora von Siebenbürgen erheblich unterstützen wolle, wenn sich Ein Botaniker Siebenbürgens zur Abfassung eines solchen finden sollte, welche Erklärung Haynald dem Verein für Naturwissen- schaften in Hermannstadt zukommen Hess. Doch nicht allein die Botanik, sondern überhaupt alle Wissen- schaften erfreuen sich seiner hohen Protektion und vielfach sind die Begünstigungen, welche der Bischof im Interesse derselben ver- schiedenen Anstalten schon angedeihen liess. Den siebenbürgischen Museumsfond dotirlc er mit 2000 fl. und spendete dem Museum zur 6 zur Anschaffung der Marko'schefi Gemälde 200' ft.; die Slern- warte in Karlsburg stattete er mit einem Teleskop im Werthe von 500 fl. aus; einer Preisfrage des siebenbürgischen National- museums, betreffend die Geschichte Siebenbürgens aus der Zeit der Römer, widmete er 30011.; die Mittelschule in Karls bürg beschenkte er mit einer Insektensammlung, die er um den Preis von 630 fl. ankaufte; zur Herstellung des Museums-Parkes in Pesth steierte er 400 fl. bei, u. s. w. Seine besondere Aufmerksamkeit widmet Bischof Haynald den Lehr- und Erziehungsanstalten in Siebenbürgen und bereits förderte er dieselben mit vielfältigen Opfern an Zeit und Gut zu einem früher nie erreichten Aufschwünge. Die Karlsburger Mittelschule verdankt ihm eine neue Aera , sie verdankt ihm ihre Ergänzung auf acht Klassen, so wie den Besitz ihres Gebäudes; das katholische Gymna- sium zu Kanta verdankt ihm seine Wiederherstellung und eine Spende von 6000 fl. Er richtete die Mädchen-Erziehungsanstalt der Ursulinerinen zu Hermannstadt zweckentsprechender ein, stattete sie mit einer Stiftung von 14.000 fl. aus und lässt ihr jährlich eine Beisteuer von bis 500 fl. zukommen. Er errichtete zu Karlsburg eine neue Mädchenschule und verwendete dazu über 25.00[) fl., zu gleichem Zwecke an zwei andern Orten 4000 fl. Zahlreich sind die Anstalten, die er zur Förderung der Volkserziehung mit Beträgen bis über 8000 fl. beschenkte. Seine Bemühungen in dieser Rich- tung krönte er aber durch die Begründung eines Institutes, welches dem Lande, namentlich aber der katholischen Bevölkerung und der ungarischen Nationalität desselben stets ein Denkmal bischöf- licher Munifizenz bleiben wird. Dieses Institut besteht in einer Mittelschule , einer Präparandie und einer Elementarschule zu zu Csiksomlyö. Der Bischof rief es ins Leben, indem er an die Szekler des Landes eine oberhirtliche Aufforderung zu Beiträgen für dasselbe erliess, ihnen ans Herz legend, dass die Bewegung auf wissenschaftlichem Boden einer der wichtigsten Faktoren zur Selbst- erhaltung und zum Fortschritte einer Nation sei; zugleich machteer sich anheischig auf jede eingehende Summe von 10.000 fl. seiner- seits 1000 fl. zu zahlen. Die Gründung der drei Schulen sollte 134.000 fl. in Anspruch nehmen, als 80.000 fl. gezeichnet waren, legte Haynald dem Betrage 12.000 zu, um dem Lande die Wohl- that des Institutes nicht zu lange vorenthalten zu müssen. Mehr als vielleicht jedem andern der früheren Bischöfe Sieben- bürgens verdankt die Diöcese der väterlichen Obsorge Haynald's. Nach der „Tanodai Lapok", einer in Pesth erscheinenden Zeitschrift, welche eine detaillirte Uebersicht aller zur Förderung der Kirche und Schule von Bischof Dr. Ludwig Haynald in den Jahren 1852 bis 1861 geleisteten Wohlthätigkeiten und Stiftungen ver- öff"entlichte, verbesserte er die meisten Benefizien seines^ Klerus und ver (heilt jährlich gegen 1000 fl. an ärmere Pfarrer; er dotirte acht Pfarreien mit Stiftungen von je 2100 fl.; er erhöhte den Pensionsfond liir ementirtc Priester um beinahe 5000 fl. und vermehrt ihn fort- 'EST. TJOTAN". ZEITSCHRIFT i&Bi. Wl. '■^:r^ K .! 0^'^- oktal ■ "■' '- . während durch alljährliche Gaben ; er stiftete ein Knabenseminar zur Heranbildung würdiger Priester, dem er 19.000 fl. widmete und vermehrte die siebenbürgischen Stiftungsplätze am Pazmaneum in Wien. Als sich eine katholische Gemeinde zu Holzmengen gründete, Hess er derselben eine Kirche, ein Pfarrhaus und ein Schulgebäude auf- bauen und dotirte Pfarre, Kirche und Schule mit 17.000 fl. Beson- ders lässt sich Bischof Haynald die Erhaltung der Gotteshäuser angelegen sein und er verwendet bedeutende Summen auf die Reno- virung verfallender oder auf die Vervollständigung mangelhaft aus- gestatteter Kirchen. So lässt er unter andern den Dom von Karlsburg, ein ausgezeichnetes Denkmal kirchlicher Architektur gründlich restau- riren und hat bisher zu diesem Zwecke bereits über 12.000 fl. verwendet. Excellenz Dr. Ludwig Haynald, Bischof von Siebenbürgen, ist seit dem Jahre 1859 dem heiigen römischen Stuhle assistirender Prälat und Comes Romanus; seit Juni 1862 adeliger Bürger der Stadt Rom; seit 1854 Ehrenhalber Collegiatum membrum dertheolo- gischen Fakultät an der Universität zu Pesth; er ist Ehrenmitglied der „Societa Zoofila" zu Triest; Protektor des katholischen Musik- vereines zn Hermannstadt und Direktor aller katholischen Lehr-, Erziehungs- und Wohlthätigkeits-Anstalten in Siebenbürgen. Wien, im December 1862. Dr. AI. Skofitz. Neue Fflanzenarten, gesammelt auf der iransatlantischen Expedition Sr. k. Hoheit des durch- lauchtigsten Herrn Erzherzogs Ferdinand Maximilian von Dr. H. Wawra und Franz Maly, besch.rie1jen von Dr. Heinrich Wawra, k. k. Fregattenarzt. XVIII. Canna polyclada, Tripedalis; folia arnpla, ovata, basi rotundata, in petiolum hremter producta; panicula effusa, ramis elongatis virgatis, patulis; hracteartim externa vaginans producte acuminata, opposita intra axillaris Cfoliolum rami primordiale) obtusa, triente ea brevior. Calycis foliola lanceolata obtusiuscula vel obtusa. Corollae plus V-/^ pollicaris fusco - rubentis tubus gracilis calyce sublongior, limbi laciniae lanceolato - sublineares acutae, inaequales , tertia reliquis quadrante minore. Slaminodiorum petaloideorum bina corollae laciniam breviorem aequantia late linearia obtusa eoccinea, tertio (labello) cum stamine fertili homomorpho corollae limbum aequante, acutiusculo basi lutea fusco-maculato. In coÜihus äpficis prope Rio Janeiro. Falia iVa pedalia 8 poll. lata ovata, acuta, basi rotundata in petiolum breviter producta subaequabiliter multistriata. Panicula bipedalis ac longior , effasa^ ramis virgatis dichotomis, in sicco angulatis, bruneis. Bractearum quamUbet dichotomiam stipantium extima (jprimi ordinis) vaginans lanceolata tripollicaris ac longior., longe attenuata acuta; binae reliquae (^secundi ordinis^ ramo axillari ima basi insertae, ea dimidio et ultra bremores, obtusae in sicco basi solutae cumque primaria labentes. Flores in rhachi 6 — 3 pollicaris seniissi superiore remote spicati, solitarii subsessiles, bractea 4 lin. longa aut breviore latissime ovata, rotundata pruinosa suffulti. Calycis foliola 6 — 8 lin. longa lanceolata obtusiuscula vel obtusa, pruinosa, persistentia. Corollae fusco- i rubentis tubus vix lineam latus, calycem plerumque subsuperans', limbi laciniae inaequales, binis aequalibus 2 pollices longis, lineari- lanceolatis, concavis, acuminatis, terlia triente breviore, angustiore, plana. Staminodia petaloidea, bina aequalia corollae laciniam bre- viorem aequantia lingulata, obtusa, coccinea, tertium {labellmn} ctim stamine fertili limbo aequilongum, purum recurvum , acutiusculum, apice coccineum, basin nersus lutescens et maculis obscuris pictum; staminis appendix petaloideus, labello conformis. Stylus apice rotundatus, staminodia breviora subsuperans. Ovarium oblongo- globosum, pisi magnitudine, glandulis elongatis confertissimis arcte obsitum, ovalis 10 in quovis loculo biseriatis , subreniformibus, subsessilibus. Trotz der ungemeinen Schwierigkeiten, welche der Bestim- mung, namentlich getrockneter Canna-Arlen, entgegenstehen, wagte ich es doch unsere Pflanze als eine Species hinzustellen ; denn sie zeichnet sich durch ihre schlanken wiederholt verzweigten Rippenäste und ihre breiten entschieden eiförmigen Blätter aus; Merkmale , welche in Verbindung mit dem oben beschriebenen Blüthenbau, meines Wissens wenigstens, keiner bis jetzt bekannten Canna zukommen. Der Blüthenbau an und für sich ist jenem von C. molymorpha ? B o u c h e (ex herb, vindob. C. leptochyla ? B o u c h e) analog. XIX, Heliconia pendulii. Planta V/2 orgyalis scapo (narante hortulano Maly) simpli- cissime florigero-ramoso, ramis inter folia suprema exsertis, pendulis, flexuosis, velutinis. Spathae distichae , e basi auriculato - ocata lanceolutae, conduplicatae, patentissimae, demum a basi refractae, infra medium velulinae, superne glabrae. Flores pedicellati, singuli bractea ovato - lanceolata acuta, demum irregulariter ßssa fulti. Perigonii foliola subaequilonga , exteriorum majore naviculari, lanceolato, binis reliquis duplo latiore, interioribus in tubum usque ad basin fere hinc fissum coalitis, limbo semilrifido; Stamen rudimentarium lanceolatum , stipitatum. Stylus apice incurvus, 9 stigmate sexßdo connivente. Baccae exsuccae^ metalHco-cyaneae, semiiiihns torulosis. Ilheos sylcarum primaevarum incola. Folia (monenle hortulano Maly) 6 — 8 pedalia, petiotis basi 4 poll. lalis convolutis, caulein menfientibus, lamina petioliim duplo superante, 5 poll. lata. Scapus ramosus (J) ramis 4 — 5, intra petiolorum vaginas oriundis, simplicissimis , inter foliorum laviinas emergentibus, pendulis aphyllis, 3 —2 pedalibus, pennatn anserinatn crassitie superantibiis, teretibns, in sicco fusco-purpureo-teiulinis., triente superiore florigeris, ab hinc inter bracteas spathaceas valde flexuosis, ad nodos nonnihil incrassatis. Spathae exacte distichae, inßmae 2 polt, ab invicem remotae, apicetn versus sensim ad polt, unum approximatae, mox patentissimae demumque refractae, inßmae 6- superiores sensim 3 poll. longae , rigidae, inciirvae, namculari - complicatae , e basi late otata auriculata margine plicatula pollicem circiter lata lanceolatae; acutae, fusco-purpureae, dorso basi nelutinae apice intusque leves; spatha ultima reliquis minor., porrecta, sterilis. Flores 10 — 12 e spatharum axilla emer- gentes, flavescentes, pedicellati; singuli fulta bractea bipollicari ovato-lanceolata apice incurvulo acuta glabra flavo-riridi persistente demum scariosa et irregulariter fissa; pedicellis 4 — 5 lin. longis, glabris. Perigonii foliola inaequalia biseriata, 2 exterioribus latera- libus, lineaUbus 18 lin. longis lineamque latis longe acutatis, teneris, interiore (bracteae opposito) rigidulo 20 lin. longo latera- libus triplo laliore; foltolorum inter iora tria usque ad mediam fere longitudinem inter se connata in tubum hinc usque ad basin fere fissum conniventia, linearia^ acuta., exterioribus aequilonga. Stamina 5 cum rudimentario sexto, filamentis basi dilatatis ibiqne in cuptilam perigonii tubo adnatam coalitis , quadrante inferiore varie tortis, ßliformibus, poUicaribus., antheris linearibus semipollicaribus basi- fixis , loculis angustissimis , connectivo latiusculo longitudinaliter intus adnatis ; staminis sexti rudimenlo tubi perigonii fissurae opposito paullulum profundius cum ßlamentis connato. ^/ipoll. longo., e basi stipitiformi angustn lineam longa ovato-lanceolato, acuminnto, torto. Stylus triqueter, glaber, perigonio aequilongus , apice sub- incrassato incurvus , perigonii folioluni majus spectans. Stigma capitatum, stylo vix crassius, 6 lobttm, lobis connirentibus acutis intus papillosis. Onarium cylindricum obtuse trigonum, 3 lin. longitm, glabrum, triloculare, loculis monospermis , ovulis funiculo brevis- simo in loculi fundo affixis. Fructus baccati, pericarpio demum exsucco membranaceo, globosi, leviter trisiilci, pisi magnitudine, apice perigonii lapsu cicatrice orbiculari depresso notati, cyanei, nitidi trispermi. Semina ovalia, compressa, torulosa, basi carun- cula praedita; embryo teres angustus , in axi albuminis inclusus. Dieses prachtvolle Gewächs zeichnet sich vor allen andern Heliconien, ja sogar vor allen bis jetzt bekannten Musaceen, durch den Umstand aus , dass sich der Schaft in lange Aeste zertheilt. Der Musaceenschaft entwickelt gewöhnlich an seiner Spitze eine 10 Anzahl gedrängter oder eatfernt von einander stehender Blüthen- scheiden, deren jede ein sitzendes Blüthenbüschel birgt; nur die hochstämmigen Uranien verzweigen sich in der Art, dass aus den Achseln einzelner Blätter kurze dicht mit Blüthenscheiden bedeckte Kolben hervorwachsen. — Unsere Pflanze hat keinen eigentlichen Stamm, sondern die Blattstiele drängen sich zu einem Scheinstamm zusammen wie bei der Gattung Musa, aber der zur Blüthe gelan- gende Terminaltrieb theilt sich in mehrere lange, schlanke herab- hängende Aeste. (Vielleicht erfolgt die Verzweigung in der Art, wie bei den in unsern Gewächshäusern kultivirten Strelizien, bei welchen abnormer Weise aus einer Blüthenscheide statt einem Blüthenbüschl ein langer Ast hervorwächst , der wieder Blüthenscheiden trägt.) Ueber die Art und Weise der Verzweigung, nämlich ob die Aeste durch Bracteen gestützt — wie weit entfernt sie von einander sind etc., darüber sind wir leider im Unklaren, indem Herr Maly beim Einsammeln (der Aeste) unserer Pflanze sich über diese Verhält- nisse zu instruiren vergass. Auch die Blätter konnte ich nur nach den Angaben Maly's beschreiben. Wien, den 16. December 1862. Beiträge zur Malvaceenkunde Von Dr. Alefeld. De Candolle in seinem prodr. I. 443 führt in der Gattung Pavonia die Cavanilles'sche Pavonia leptocarpa mit Frage- zeichen für die Gattung auf, ja sagt selbst: „an Hibisci spec. ob stylos 5." Dazu sind mir bei meinen Malvaceenstudien zwei weitere Arten vorgekommen, die bei einem Pavonienhabitus nur 5 Griffel und nach den unreifen Früchten zu schliessen, keine Polykarpell- kapsel, sondern Monokarpellfrüchtchen (Karyopsen oder Schläuche) besitzen. Da diesen 3 Malvaceen das physiologisch gewiss wichtige für die Ureneen entscheidende Merkmal abgeht, doppelt so viele Griffel zu bilden , als Karpelle vorhanden sind , aber auch wegen ihrer Frucht nicht zu den Hibisceen gebracht werden können, so lassen sie sich nach dem von mir vorgeschlagenen Malvaceen- systeme nur in die Subordo Sideae, Tribus Malvastridae einreihen. Daselbst lassen sie sich keiner bisher bestandenen Gattung beigeben, indem sie sich von Allen der Tribe durch ihre 5 Griffel und die stark papilligen Narben auszeichnen. Ich stehe daher nicht an, sie zu einer eigenen Gattung zu vereinigen. Diplopenta g. n. (bisher zu Pavonia gezählte Arten.) Hülle aus 5 — 12 borstlichen oder linealen bleibenden Blätt- chen; Kelch die Knospe deckend bis zur Blüthenentfaltung; Korolle ausgebreitet, in den Achseln ungehärtet; Staminalröhre Säulen- Ji förmig mit vielen freien Filamentenenden im oberen Theile ; Griffel 5, Narben köpfig, stark papillig; Frucht 5 sich lösende, geschlossene unbewehrte einsamige Karpelle; Würzelchen unten. — Sträuchlein mit kleinen nicht gelappten aber gesägten oder gezähnten Blättern und geknäulten oder einzeln stehenden ziemlich kleinen rothen BlQlhen. — Ost- und Westindien. 1. D. odorata (Pavonia odorata Willd. sp. III. p. 837). Alles klebend-pubescirend; Blätter herz-rundlich, doch bespitzt, jeder- seits mit 4 — 5 subtilen Zähnchen; Blattstiel so lang und länger als die Spreite; ßlülhen einzeln, ihr Stiel viel länger als das Blatt; Hülle 10 — 12blättrig, mehr als doppelt so lang als der Kelch; Antheren 12—15. — Ostindien. 2. D. pedunculosa sp. n. Fast kahl, hipisch etwas rauh; Blätter rein eiförmig spitz, gekerbtgesägt, länger als der Blattstiel; ßlüthen einzeln, das Blatt fast doppelt überragend; Hüllblätter 10, den Kelch wenig überragend; Antheren 30 — 40. — Blatt bis 12 L lang bis 7 L. breit, pedunc. bis 3 Zoll luig. Blüthe 5 L. lang, Hülle 4 L. lang, Kelch gut 3 L. lang. — Ostindien. Die Pflanze war als PaDonia zeylanica Willd, bestimmt, aber eine Vergleichung mit echten Exemplaren dieser Pflanze ergab mir folgende Unterschiede: Pavonia zeylanica. Diplopenta pedunculosa. Griffel und Narben 10. Griffel und Narben 5. Stengel und Hüllblätter lang- Stengel und Hüllblätter fast kahl borstig. (nur lupisch etwas rauh). Blätter ötheilig, die Theile mit Blätter rein eiförmig , gesägt- 1 — 3 groben Zähnen. gezähnt. 3. D. leptocarpa (^Pavonia leptocarpa Cav. Diss. 6. p. 351. — Urena lept. L. f. suppl. 508). Blätter lancett, gesägt; Blüthen sitzend, geknäulf; Hülle oblättrig. — Surinam. Diese Pflanze, die ich noch nicht sah, w^äre also von den beiden vorigen durch die sitzenden geknäulten Blüthen und die nur 5 Blättchen der Hülle leicht zu unterscheiden. In der Tribe der Abutiliden kann die Galtung Modiola ihren von Mönch gegebenen und erst von Adr. Jussieu und End- licher [reactivirten Namen nicht behalten, da die bekannte gleichnamige ÄIollusken-Gattung Lamark's längst und stark in Uebung ist und sich, da usus tyrannus ist, nicht mit Erfolg mehr ändern liesse. Um an den Mönch'schen Namen wenigstens zu erinnern, möclite ich vorschlagen, sie: Modanthos nom. nov, (^Modiola Mö.) zu benennen. Gattungscharacter , siehe Endlicher gen. pl. p. 981. Die nächststehende Gattung ist Wissadula Med. Ver- schieden von Modanthos durch die Fünfzahl der Karpelle, den Mangel des Innern zungenf. O"erfortsafzes und die Zwei- samigkeit der oberen Abtheilung. Doch sind mir zwei Wissa- diila-Arlen (früher AbuUlon^ vorgekommen , denen dasselbe Ouersepiment des Fruchlfaches eigen, wie Modanthos. Wenn 12 man diese zwei Arten bei Wissadula belässt, was ich vorläufig für das beste halte, und nicht Modaiithos zufheilt, so besteht letztere Gattung aus folgenden bekannt gemachten Arten, von denen einige vielleicht nur als Varietäten betrachtet werden dürften: 1. M. reptans (Modiola reptans St. Hil. fl. bras. merid. I. 212. t. 43). Südbrasilien. 2. M. geranioides (Modiola geran. Gill. in Hook, botan. misc. III. 152). Chile. 3. M. caroliniana (Malva caroL L. sp. 969. — ■ Modiola multißda Mö. 620). Nordamerika. 4. M. urticifolia QMalm urticif. H. B. K. n. g. am. V. 276). Bogota. 5. M. prostrata (Main, prostr. Cav. d. 2. t. 16. f. 3.) Montevideo. 6. M. eriocarpa QMalv. erioc. DC. pr. I. 436). Buenos Ayres Pampas. 7. M. decumhens (Malt), dec. Willd. en. 731). Südamerika. Anlangend die Tribe der Hibisciden, so bemerke ich vor Allem, dass die Gattung A6e/mo5c/ms, die nach Endlicher's und Garcke's (nach briefl. Mittheilungen) Begrenzung eine gute durch den Kelch charakterisirte Gattung ist, aus nur zwei guten Arten esculentus und Manihot besteht und jede wieder aus -4 bemerkens- werthen Varietäten , indem selbst longifolius , der meist als Art betrachtet wird , mir durch die anderen Varietäten ebenfalls nur als solche erscheinen kann. Doch werde ich auf diese Gattung ein andermal zurückkommen. Ich proponire hiermit noch 4 Gattungen, deren Arten bisher Hibiscus beigezählt wurden. Alyogyne g. n. (Spec. Hibisciy. Hülle 0, Kelchzipfel lang zugespitzt, mehrmals länger als die Kelchröhre, in der Knospe nicht genau klappig; Korolle aufrecht, in den Achseln gebartet; Staminalröhre etwa von halb Korollhöhe, in den oberen % eine Menge freier Filamente abgebend; Antheren nierenf aber das Fach ungewöhnlich lang, auf einer Seite weiter als auf der anderen herablaufend, die Klappen sehr schmal; An- therendissepiment angedeutet; Pollen rund, klein, mikroskopisch w^eichstachlig; Griffel 1, der Staminalröhre weit vorstehend, doch die Korollhöhe nicht erreichend; Narbe 1 kuglich , doch fein fünf- furchig; Kapsel kartenfest, 4 — öfächrig, länglich, zugespitzt; Fach vielsamig; »Samen borstig behaart (nicht baumwollig); Embryo malvaceen-typisch, die Cotylen sich auf der Bauchseite berührend, nicht corrugirt. — Perennirendes kahles Kraut mit Hakea-ähnlichen Blättern und einzelnen achselständigen länger gestielten grossen rothen Blüthen. ~ Westneuholland. A. hakeifolia (Hibiscus hakeaefolius G i o r d o n s (Memoria d'una nuova Hibisco p. o. Linnaea XI. Liter, ber. p. g.). Kahl, stip. borst- lichkurz; Blatt lang-pfriemlich, Szipfelig, mit längerem Mittelzipfel; 13 Kelchabschnitte 4 X länger als der vereinig-te Theil; Kapsel anlie- gend kurzhaarig; Samen braunborstig. — Am oberen Schwanen- fluss auf feuchtem Boden am 14. Jan. 1840 von Preiss gesammelt. Von Hibiscus ist diese Gattung durch die völlige Vereinigung der Griffel und Narben und die nicht klappig die Knospe einschlies- senden Kelchzipfel verschieden, des Mangels der Hülle zu geschweigen. Offenbar lehnt sich diese Gattung nebst Bombycidendron am meisten an die Gossypiiden, Beide gehören aber nach ihren Antheren und Embryonen entschieden noch zu den Hibisciden. Auffallend und unter allen Malvaceen einzig dastehend ist die Blattbildung der Gattung Alyogone. Triplochiton g. n. (Spec. Hibisc.) Zwei grosse stipulae umfassen schlauchähnlich und an den Rändern fest fdzig verklebt die Knospe sammt Hülle bis zur Blüthen- entfaltung , bei der die Nähte theihveise einreissen und die Aussen- hülle abfällt; Hülle aus 10 linealen an der Basis freien oder wenig verwachsenen Blattchen; Kelchzipfel klappig bis zur Blüthenentfal- tung, auf dem Rücken gekielt; Korolle aussen behaart; Antheren nierenf. mit ziemlich langem Fach; Griffel verwachsen bis dicht unter den Narben; diese 5köpfig, nicht sichtbar papillig; Kapsel holzhart, ovoid, bespitzt, ötächrig, öklappig, nach der völligen Reife sammt Hülle und Kelch abfällig; Fach mit 2 Reihen aufsteigender Samen, die seitlich kahl sind , aber auf dem Rücken einen Kamm langer gerader steifer Borsten tragen; Embryo.... — Bäume mit grossen Nebenblättern, enorm grossen kreisrundlichen dennoch zu- gespitzten ganzrandigen fast ledrigen filzigen Blättern und locker rispigen borstigen Blüthenständen. — Java und Nachbarschaft, Von Hibiscus, ja von allen Malvaceen durch das ganz eigene, Kelchfunction versehende Verhalten der zwei jedesmal der Blüthe unterstehenden stip. verschieden. Das Rispchen erscheint im Beginn mit mehreren Papaver ähnlichen Endknospen; wird von diesen die kelchähnliche Slipularhülle abgeworfen, so spriesst auf der einen Seite eine gestielte Blüthe auf der anderen Seite eine der ersten Knospe ähnliche Knospe, die wieder eine Blüthe und Knospe birgt etc. etc. bis endlich die Blüthenknospe nur eine Blüthe birgt. Ich bedauere Antheren und Griffel nur im Knospenzustande und die Samen nicht völlig reif untersuchen gekonnt zu haben, so dass es mir nicht ausser allem Zweifel ist, ob diese Gattung auch wirklich zu den Hibisciden gehört. 1. Tr. setosa QHibiscus setosus Wall. Catalog. 190O- B'^'f herzkreisförmig ,' filzig- , so breit als vom Blattstiel an lang, kurz fein zugespitzt, Blattspitze fast doppelt so lang als ein Kelch; Blüthe«- stiele, Nebenblätter, Hülle, Kelch und Kapsel dicht borstig; Hüllblätter getrennt bis zur Basis, wenig kürzer als der Kelch; Samenborsten braun , länger als der Samen. — Baum in Java. 1. Tr. spathacea (^Hibisc. spathac. Blume Bijdragen p. 72). Blatt herzkreisförmiff. filzig, viel breiter als vom Blattstiel ar* lang, 14 kurz fein zug-espitzt, Blattspitze liöclistens so lang als ein Kelch; filüthenstiele , Kelcii und Hülle wenig borstig, aber Nebenblatter und Kapsel dicht borstig; Hüllblätter an der Basis verwachsen; Saraenborsten braun, länger als der Samen. — Baum Java's. In allen Theilen etwas kleiner als die vorige Art. Erebennus g. n. (Spec. Hibisci.^ Hülle vier grosse herzförmige die Knospe bis zur Blüthen- entfaltung klappig deckende , an den Rändern verfdzle bleibende Blättchen; Kelch dünnhäutig, mützenförmig , ohne Fünftheilung, unmittelbar vor der Blüthenentfaltung abfällig; Korolle typisch; Staminalröhre. . . .; Griffel. . . .; Narben. , , .; Kapsel pyramidal, spitz, öfächrig, nicht aufspringend, innen kahl; jedes Fach mit etwa 8 bis 10 in einer Reihe über einander liegenden aufsteigenden Samen; Samen nicht gekrümmt, mit lupischen Härchen; Eiweiss häutig; Embryo malvaceen-typisch; Cotylen auf der Bauchseite sich berüh- rend; mit Andeutung zur Corrugation, aut dem Rücken halb ein- gefaltet. — Kurz-borstiges Sträuchlein mit ölappigen grossen dünnen Blättern, endtraubig gestellten Blüthen und borstigen Kapseln. — Ostindien. 1. E. canaranus QHibismts canaramis Miq.). Dünnborstig; Blatt breit, gekerbt, mit 3 zugespitzten kurzen Lappen; Kapsel pyramidal, spitz, stark borstig, örippig, etwa so lang als der pedunc. — Ostindien; von Herrn Berthold Seemann nun auch auf den Fiti-Inseln gefunden, also wohl sehr weit verbreitet. Die mir vorliegenden Exemplare von terra canara edid. Hohen ack er. Ich habe Knospen und Früchte in allen Stadien aber keine entwickelten Blüthen , die äusserst hinfällig zu sein scheinen, vor mir. Die Hülle fand ich bei den obersten wie unter- sten im Ganzen bei 12 Blüthen immer 4blättrig. Von Hibiscus ist diese Gattung durch die sehr charakteristische Hüll« , den abfälligen Kelch, die nicht aufspringende Kvelcher eben die V. und ziigleicli letzte Centurie erschienen ist. Diese Sammlungen enthalten Algen (meist für die mikrosk. Prüfung präparirt) , Flechten, Moose und Farne, und es liegen dieselben, deren früherer Preis von 22 Vi Thlr. von Breutel auf 12 Thlr. (für alle fünf Cent.) herabgesetzt wurde , behuf des Verkaufes bei Dr. J. B. Holzinger (Wien, Josefstadt, Josefsgasse Nr. 5) zur Ansicht bereit. J. J. — Die ungarische Akademie der Wissens chafte n nahm am 17. Jänner in einer feierlichen Sitzung die Vertheilung ihrer ausgeschriebenen Preise vor. Für botanische Arbeiten waren zwei Preise ausgeschrieben, nämlich einer für eine Zusammenfas- sung der Grundzüge der Botanik für gebildete Stände und ein zweifer für eine pflanzengeographische Abhandlung. Jede Concurrenzschrift sollte 10 bis 15 Druckbogen umfassen und die gekrönten Arbeiten Preise von je 300 fl. erhalten. Von den eigelaufenen Abhandlungen wurde keine für preiswürdig erachtet und daher ersterer Preis bereits zum dritten Male und letzterer zum zweiten Male aus- geschrieben. — Bei Gelegenheit der Feier zur Erinnerung an die Grün- dung des Joanneums in Graz vor 50 Jahren wurde von Dr. G. Göth eine Darstellung der Gründung und weiteren Entwicklung dieses von weil. Sr. k. k. Hoheit Erzherzog Johann gestifteten Institutes veröffentlicht, aus derselben ersehen wir, dass daselbst sich folgende Pflanzensammlungen vorfinden: 1. das allgem. Herbar mit mehr als 2100 Gattungen Phanerogamen in etwa 7000 — 8000 Arten nach Endlicher geordnet; 2. das Rainer'sche Herbar mit circa 3000 — 4000 Arten aus der Flora von 3Iittel- und Südeuropa, nach De Candolle geordnet; 3. die steiermärkische Flora mit circa 1800 Species; 4. das Herbar der österreichischen Monarchie mit 3800 Arten; 5. eine Sammlung von ökonomischen, technischen und Medicinal-Pflanzen mit 400 Species; 6. eine reiche Sammlung von in- und ausländischen Hölzern; dann Kryptogamen etc. etc. Literarisches. — Dr. L. Rabenhorst, Kryptogamenflora von Sachsen, der Ober-Lausitz, Thüringen und Nordböhmen. I. Abtheilung: Algen im weitesten Sinne, Leber- und Laubmoose. 8. Leipzig 1863. — Jeder, der sich mit dem Studium der Kryptogamen, insbesonders der erst in neuerer Zeit hinreichend gewürdigten Algen, Pilze und Flechten befasst, kennt die Schwierigkeit, mit der Wissenschaft gleichen Schritt zu hallen und stets in Kenntniss zu bleiben über das vielfältige Neue, welches dem ohnehin so umfangreichen älteren iMaterial mit jedem Tage zuwächst. Bei der Gährung, in welcher sich diese Studien in Folge der Berücksichtigung der 58 Entwicklungsgeschichte befinden, der Seltenheit und Kostspieligkeit der einschlägigen Literatur, sowie der traurigen Zersplitterung derselben ist es bisher nur wenigen Auserwählten gegönnt , sich stets auf der Höhe der Wissenschaft zu erhalten , während alle Andern , die durch die Umstände weniger begünstigt sind — sich bescheiden müssen, langsam nachzuhinken um wenigstens nicht allzuweit zurückzubleiben. Am schlimmsten aber ist der unbe- mittelte Anfänger daran , der sich durch Zusauimenstellung der Forschungsresultate ganzer Decennien für seine Bestrebungen eine Basis schaffen, und dadurch das kostbare Gut — die Zeit — opfern muss , welche er zu ernsteren Studien verwenden hätte können. Dieser Kalamität — besonders was die Algen betrifft — hat Dr. L. Rabenhorst, der unermüdliche, nie erlahmende Förderer kryptogamischen Studiums — durch sein obgenanntes Buch in anerkennenswerther Weise abgeholfen. Denn da keine umfassende allgemeine Algen-Flora bei dem dermaligen bewegten Wesen dieser Disciplin geschrieben werden kann, seit Kützing's Species Algarum (1849) jedoch das sämmtliche neue Material in Monografien, Zeit- schriften und Sammlungen zerstreut veröffentlicht wurde, so begrüssen wir mit Freuden im Dr. Rabenhorst's Werke einen willkommenen Führer in jenes Reich, der in Jedem — welcher seine Lehrjahre, auf sich und die meist geringen Mittel eines Privaten angewiesen, mit dem mühseligen und zeitraubenden Zusammenles^in der zer- streuten Elemente seines Faches verbracht hat, oft entmuthigt, dass seine Arbeit dennoch Stückwerk bleiben muss — die vollste Be- friedigung erregen muss. Sind auch die Grenzen — welche sich der verehrte Autor auf dem Titelblatte steckt — ziemlich enge, so ist der die Algen betreffende Theil (wie Hr. Dr. Rabenhorst selbst in der Vorrede bemerkt) bei der kosmopolitischen Natur dieser Pflanzen dessungeachtet als eine Flora von Deutschland zu betrachten, welcher das meiste und bedeutendste Neue, welches seit 1850 entdeckt wurde, in sich fasst und so das Bestimmen dieser wechselvollen Gestalten ungemein erleichtert. Ueberdiess sind sämmtliche Gattungen der Algen in recht gelungenen Holz- schnitten abgebildet, so dass für den Anfänger jede Schwierigkeit beseitigt ist, sich in diesen interessanten Regionen zurecht, zu finden. Bei den Leber- und Laubmoosen hingegen ist durch zahlreiche analytische Schlüssel die Bestimmung möglichst erleichtert und im Allgemeinen für Jene — denen das botanische Latein Schwierigkeiten machen sollte — dadurch vorgesorgt, dass die Diagnosen, möglichst bündig, in deutscher Sprache verfasst sind. Dabei ist nach Erforderniss der Synonymie Rechnung getrauen und, was zur Idenlificirung von grossem Werthe ist, bei den betreffenden Arten die Nummer angegeben, unter welcher die Pflanze in Rabenhorst's verkäuflichen Sammlungen zu finden ist. Von den übrigen Vorzügen wollen wir nur einen hervorheben, den es mit wenigen seines Gleichen theilt: es ist praktisch im wahren Sinne des Wortes! Wir empfehlen es daher mit vollster Ueberzeugung 59 von seinem Werlhe allen deutschen Jüngern der Kryptogamenkunde, indem sie darin das neueste und beste Handbuch finden werden. Für uns Oesterreicher ist es erfreulich, dass auch ein Stück heimisches Territorium und zwar Nordböhmen und bei einigen seltenen Arten auch 3Ialiren mit einbezogen wurde. Die Ausstattung ist sauber und der Preis des 653 Seiten starken Bandes ein sehr massiger zu nennen. Der zweite Band — die Flechten und Pilze enthaltend, soll nach 2 Jahren erscheinen. N^e. — „Anabasearum revisio auctore AI. Bunge", Peters- burg 1862. Aus den Alemoires de l'academie imperiale des sciences de Sl. Petersbourg VII. Serie Tome IV. — Die Anabaseen eine Untergruppe der Salsolaceen mit spiralig gewundenem Embryo, bilden zufolge dieser neuesten Darstellung im Ganzen 16 Gat- tungen mit 60 Arten. Vier von den Gattungen (^Pelrositnoina, Halarchon, Gamanthus und Halotis^ werden von Bunge hier zum ersten Male als solche vorgeführt. Die Anabaseen sind in Europa sehr schwach vertreten; nur Spanien, Griechenland, Siebenbürgen und Südrusslaiid weisen einige Arten auf. Mit Sicherheit kennt man aus Europa blos 7 Arten der 4 Gattungen: 1. Noaea in Griechenland, 2. Anabads (1 Species in Südrussland, 1 in Spanien), 3. PefrosmowiaCzur neuen Gattung Petrosimonia gehören alle bisher aus Europa bekannten früheren Halimocnemis-Arien) , wovon 1 Art in Siebenbürgen und Russland 1 in Russland allein und 1 in Griechenland und Russland verbreitet; 1 Kalogeton in Spanien. In Afrika wachsen eben so viele Arten aus 6 Gattungen. Alle übrigen Anabaseen sind in Asien zu Hause und zwar die meisten in Persien und in der Songorei; aus Tibet ist nur 1 Art bekannt. — — Es gehört wahrlich viel Ausdauer zu solch' einem gründlichen Studium der Salsolaceen; die Umstände, welche einem dasselbe erschweren, sind z. B. folgende: die Fructificationsorgane sind meist unansehnlich klein; — die grösstentheils fleischigen, saftigen Theile derselben ver- lieren trocknend ihre Form; — ferner tritt ein und dieselbe Species je nach ihrem Grade der Entwicklung off unter verschiedenerlei Form auf; — . so, dass häufig Pflanzen, die in Blüthe und Frucht bedeutend verschieden sind, dem Habitus nach die grösste Aehnlichkeit mit einander haben. Um mit Salsolaceen fertig zu werden , muss man sie in allen Entwicklungsstadien beobaciiten. — Nicht seilen sind massgebende Unterschiede erst aus der vollkommen reifen Frucht ersichtlich. Die meisten der Salsolaceen blühen noch dazu spät und fructificiren um so später, — und zwar zu einer Zeit, während welcher beinahe jede übrige Vegetation erloschen ist ; daher es kommt, dass die, die Salsolaceen beherbergenden Gegenden von den Reisenden zu einer Periode durchforscht werden, in der diese Gewächse noch lange nicht fructificiren. — Endlich sind manchmal gerade hervorragendere Charaktere, selbst die den Fructifications- organen entnommenen, im Gegensatze zur Erfahrung in andern Familien , veränderlich ; dann eben fällt es schwer, gewisse Cha- raktere in Beziehung zu andern entscheidend zu heissen. — Der 60 Verfasser bespricht in der Einleitung als 1. Theil zuerst die Ge- schichte der Anabaseen , welche in die Begrenzung der Subfribus, in das successive Auffinden der Arten und in das allmälige Entstehen der Gattungen zerfällt. — Der II. systematische Theil stellt die Charakteristik der Anabaseen fest und enthält die Grundsätze, nach denen der Autor beim Abgrenzen der Gattungen verfuhr. Sodann äussert sich Bunge über den Werth der bisher zur Eintheilung in Gattungen benützten Merkmale. Es gelang dem Verfasser zwei ganz neue, alle bisher verwendeten an Wichtigkeit bei weitem über- treffenden Charaktere aufzuflnden : die Aestination der Kelchblätter und die relative Lage des zusammengedrückten Samens zur Achse oder zu den Deckblättern. Die in dieser Abtheilung bis nun ange- wandten Merkmale erweisen sich theilweise als unbeständig, wohin- gegen der Verfassersich von der Umwandelbarkeit benannter zweier Charaktere vollkommene Ueberzeugung verschaffte. Das Wort „unwandelbar" findet beinahe an keinem der andern Merkmale in der Familie seine Anwendung! — Bezüglich beider Charaktere war Bunge lange im Zweifel, welchem von beiden grössere Wichtigkeit beizulegen wäre ? Er fand endlich, dass der Aestination der Kelch- blätter der Vorzug gebühre, da- im Ganzen genommen bei den Familien der Salsolaceen überhaupt darauf mehr Gewicht fiele, als auf die Lage des Samens. — Diese variirt zwar bei den Anabaseen nie, zeigt sich hingegen in andern Untergruppen oft auf ein und derselben Pflanze verschieden. Bei der Scheidung in Gattungen wurden folgende Organe in Betracht gezogen : 1. Die Kelchblätter erleiden nach dem Abblühen verschiedene Gestalt, — oder bleiben unverändert; 2. Vorhandensein oder Fehlen der Staminodien; 3. die Richtung des Embryo - Schnäbelchens ; 4. die Struktur der Antheren; 5. die Gestalt des Griffels und der Narbe; die je ver- schiedene Anzahl der Organe; 7. die Struktur des Stengels. Verschiedene Autoren haben diesen Merkmalen auch verschiedenen Werth beigemessen. Während z. B. CA. Meyer das Vorhanden- sein von Staminodien über alles andere bevorzugte und die Richtung des Schnäbelchens gar nicht beachtete, hob wiederum Fenzl die Lage des letzteren ganz besonders hervor und berücksichtigte Staminodien entweder gar nicht, — oder trennte, auf selbe hin allein gestützt, ganze Genera. — Nach der Schilderung des Verfassers würden sich an die zwei neu aufgefundenen Charaktere die andern je nach ihrem Werthe folgendermassen anreihen; 3. die Anwesen- heit oder das Fehlen der Staminodien und der verschiedenartige Bau der Antheren ; 4. die Richtung des Rostellum. — P^g. 17 der Abhandlung enthält eine Tabelle über die geographische Ver- breitung der einzelnen Arten; pag. 18 und 19 den Schlüssel zur analytischen Bestimmung der Sektionen, Untersektionen und Gattungen. Ueberdiess ist jedem Genus , das aus mehr als 3 Arten besteht, ebenfalls eine analytische Darstellung derselben zum leichten Bestimmen beigegeben. — Den Schluss der 102 Seiten einnehmenden Abhandlung bilden 3 Tabellen ; Tab. I veranschaulicht den Bau der 61 Anlheren von 6 Gattungen in Sfacher Vergrösserung- ; ferner das Pistill von Girgensohnia, dann dasselbe von der Gattung Halarchon sowohl vor als nach der Befruchtung; und nebstdem 4 Diagramme der 4 Abtheilungen der Anabaseen, aus denen die Aestination und Lage des Samens ersichtlich ; Tab. II zeigt den Grad der Ver- wandtschaft der Genera in Form eines Stammbaumes; endlich Tab. III mit den Regionen der Länder, wo die Anabaseen zu finden sind. — Schliesslich erwähnen wir noch eine in die Flora von Europa einschlagende Neuigkeit, dass nämlich Halimocnemis glauca C. A. M. (Petrosimonia — Bunge 1. c. pag. 58), welche im südlichen Russland und an der Wolga angegeben ward, aus Europa zu streichen sei. Die Pflanze, welche Fenzlund Ledeb. flor. rossica aus Europa dafür hielten, ist bloss eine Form von Petrosimonia crassi- folia Bge. Halimocnemis crassifolia C. A. M. ; — die wahre P. glauca ist blos aus Persien und vom östlichen Ufer des kaspischen Meeres bekannt. V. v, J. — Prof. Miquel hat nach Beendigung seiner Flora von Nie- derländisch - Indien Supplemente zu dieser Arbeit herauszugeben begonnen, in denen er die einzelnen grossen Sunda -Inseln und die kleineren Inselgruppen monographisch bearbeiten und in Ver- bindung mit der Pflanzengeographie auch die geognostischen, orogra- phischen, geologischen und meteorologischen Verhältnisse besprechen wird. Er hat zunächst mit Sumatra den Anfang gemacht und bereits ist die erste Lieferung in holländischer und deutscher Sprache erschienen. (Bpl.j — In den JVIemorie (XIL 2. 3., dann IL Ser. I. 2.") der Aka- demien der W^issenschaften in Bologna finden wir von Prof. Ber- toloni ausser der Fortsetzung der Miscellanea botanica auch Beschreibung eines neuen Pilzes QÄcoromorpha Cannabis) , welche in der Provinz Bologna den Hanfpflanzungen vielen Schaden brachte. ■ — In den Miscellaneen finden sich beschrieben und abgebildet Sanguisorba longifolia, Crataegns ribesius (C oxyacantha Hook, fil et T oms.), Rosa unguicularis, Rubuso pulifolius, R. fragarioides, Rannnciilus microcarpus (ß. muricatus Hook. fil. et Toms.), Juniperus indica (J. sabina Hook. f. et Toms.), Taxus orientalis {T. baccata Hook f. et T.), Ephedra macrocephala (E. vulgaris var. hehetica Hook. f. et T.), Jungermannia bipinnata , Jung, amen- tacea, alle aus Indien. Am Schlüsse gibt B ertolo ni Berichtigung seiner Saxifraga ßondenta , und dann auch eine Abbildung von Trigonella pecavium. — In besagten Memorien auch Historisches über die Rose und über Zimmt. S r. — In der 3. Abtheilung des 10. Bds. der Memorie dell' I. R. Istituto venet. di Nscienze e litt, geben Prof. Dr. R. de Visiani und Prof. Dr. Panc\c die erste Decade der Plantae serbicae rariores aut novae. Wir finden 10 Arten beschrieben und abgebildet, nämlich Geum niolle Vis. et Panc. (^dem G. urbarmm nahestehend), Poten- tilla leiocarpa Vis. et Panc. (der Pot. intermedia L. annähernd), Pol. poteriifolia Vis. CP- pimpinelloides Panc), Dianthus papil- losus \is. et Panc, Viola Grisebachiana Vis. (F. nummularifolia Panc), Eryngivm serbicum Panc. (dem E. Palmilo Boiss. et Heldr. gleichend), Goniolimon serbicum Vis. (Staticetnlarica?2LWcr) (dem G. tataricum Boiss. und dem G. dalmaticum Rchb. fil. annähernd), Campo7inIa secundiflora Vis. et Panc. (der C. gar- ganica Ten. nahestehend), Euphorbia subhastata Vis. et Panc. (scheint der £. stibcordataC. A.Mey. nahe), Triticum petraeiim Vis. et Panc.(dem7'. macroM/MsTurcz annähernd). In diesem nämlichen Bande finden wir auch die Fortsetzung der von Dr. Zanardini gegebenen Beschreibung der neuen oder selteneren Ficoideen des adriatischen Meeres, und zwar Nereia filiformis (J. Ag.) Zan., Bictyosphaeria valoiiioides Zan. Microdictyon iimbilicatum (Vell.) Zan., Grifflthesia Schousbei (Schousb.) Mont. , Griff.? torulosa Zan., Nythophylhim confervaceiim Men., Galaxaura adriatica Zan., Po/yyiphonia dasyaeformis Zan.. Cladophora gracilis (Griff.) Harv. Jeder Art sind auch die betreffenden Angaben über Vor- kommen, Synonymen, kritische Bemerkungen und sehr genaue Abbildungen beigegeben. Sr. — Ueber die Verunstaltung von Kiefer wipfeln durch Insekten von Prof. Dr. Ferd. Cohn. (Aus den Ver- handlungen des schlesischen Forstvereines 1862.) — In dieser Abhandlung werden monströse Kieferwipfel besprochen, bei welchen die Endknospe und die unterhalb dieser stehenden Ouirl- knospen durch eine Raupe (die Art der Zerstörung lässt auf die Raupe eines Wicklers — Tortrix — schliessen) zerstört wurden. Die auf diese Weise verletzten Triebe sind reich mit Nadelpaaren besetzt, wodurch sie ein büschelartiges Aussehen erhalten. Zwischen den beiden Nadeln treten mit Knospenschuppen bedeckte, der End- knospe ähnliche Sprossen hervor, aus welchen sich am obern Stammtheile frische mit Nadelbüscheln versehene Triebe ausbilden, und sich um so üppiger entfalten, je näher sie der Stammspitze stehen. Um diese interessante Monstrosität zu erklären, führt uns der Verfasser zwei Koniferen-Typen — die Lärche und die Kiefer — vor, und setzt dieselben in Parallele mit zwei Laubhölzern, mit der Berberitze und der Birke. Die Birke, welche ruthenförmige Langtriebe (Axen mit entwickelten Stengelgliedern) treibt , bringt in den Blattachseln derselben Kurztriebe (Axen mit unentwickelten St.) hervor, die alljährlich nur ein Blattpaar entwickeln; die Berberitze hingegen zeigt mit Niederblättern (hier .Sdornige Schup- pen) versehene Langtriebe, an denen die Axillarknospen zu Kurz- trieben werden, die alljährlich Blattbüschel erzeugen. Die Lärche ist nun der Berberitze vergleichbar, denn auch sie besitzt Langtriebe, an denen in spiraliger Anordnung Kurztriebe stehen, die von Jahr zu Jahr Blattbüschel hervorbringen; die Kiefer ist hingegen der Birke vergleichbar, denn an ihren Langtrieben (Zweige die aus der Endknospe hervorgegangen) entwickeln sich unter normalen Verhältnissen Kurztriebe, die bloss ein Blatt er paar tragen, zwischen welchem die unter gewöhnlichen Verhältnissen verküm- 63 mernfle Eiulknospe steht. Bei den monströsen Kiefertrieben, an denen die Endknospe des Langiriebes abgefressen wurde, steht die Sache anders. In Folge Zerstörung- der Vegetationsspitze wird ein so aussergewöhnlicher Saffzufluss nach jenen Geweben hin, die unterhalb der letzten Zellpartien liegen, hervorgerufen, dass sowohl die auch unter normalen Verhaltnissen sich entwickelnden Blätter (das NaJelpaar mit seiner aus Niederblättern bestehenden Scheide) als auch die Endknospe des Kurztriebes übermässig ernährt werden. Letztere bilden sich zu einem dem Endzweige ähnlichen Sprosse aus, der dadurch ausgezeichnet ist, dass seine Kurztriebe nicht Nadelpaare, sondern zu Dreien und Vieren stehende Nadel- büschel entwickeln, wie diess auch unter normalen Verhältnissen bei Pinus canariensis und Taeda rigida vorkömmt. Uebrigens zeigt sich die durch die Verletzung der Terminalknospe hervor- gerufene Hypertrophie der Gipfeltriebe auch dadurch, dass die an der Basis der Kurztriebe stehenden Nadeln die immense Länge von 7'^/i" und die entsprechende Breite von V/-i" erreichen. Dr. J. W. Sammlungen. ' — Hepaticae europaeae. Die Lebermoose Europa's unter Mit- wirkung mehrerer namhaften Botaniker gesammelt und herausgegeben von Dr. Gottsche und Dr. L. Raben hörst. Decas XXI und XXIL Dresden 1862; dann Dec. XXIII und XXIV Dresden 1863. —' Den Freunden der Lebermooskunde tritt in diesen beiden jüngst herausgegebenen Doppelheften eine höchst erfreuliche Erscheinung entgegen, indem (mit Beginn der XXI. Decade) unser gründlichster Kenner der Lebermoose Herr Dr. C. M. Gottsche als Mitheraus- geber eingetreten ist. Er hat es sich dabei zur Aufgabe gestellt, alle zur Ausgabe eingelieferten Lebermoose auf das gründlichste zu erörtern, njit dem bereits ausgegebenen Materiale kritisch zu vergleichen, und auch auf die oft so interessanten Lokalab- weichungen hinzuführen. Wir finden nun demgemäss die in diesen Heften gelieferten Nummern mit wenigen Ausuahmen nicht allein mit kritischen Be- merkungen (welche oft 2 Octavseiten einnehmen), sondern auch (im 2. Hefte) selbst von Zeichnungen begleitet. Indem dadurch diese Sammlungen zu einer sichern Basis für das Studium der Lebermoose umgeschafien sind, wird einem längst gefühlten Bedürf- nisse abgeholfen und den Herrn Herausgebern wird dafür gewiss von allen Freunden des so interessanten Studiums dieser Gewächse die dankbarste Anerkennung zu Theil werden. Der beschränkte Raum gestattet leider nicht in eine nähere Besprechung einzelner Nummern einzugehen und es genüge daher eine blosse Andeutung des Inhaltes der beiden Hefte, wobei nur noch bemerkt sei, dass 64 wohl manche, namentlich von Dr. Corrington aus Irland gelieferte Art hie und da durch dürftige Exemplare vertreten ist ; allein mit Rücksicht auf die oberwähnten Verhältnisse erscheint dies als Nebensache, und man wird davon umsomehr absehen und sich mit dem Dargebotenen begnügen, wenn man bedenkt, wie schwer es überhaupt ist, aus jenem Lande dergleichen Dinge zu erhalten. Die XXI. und XXII. Decade Nr. 201 bis 220 enthält Folgendes : Aneura palmata N. var. y. 2 polyblasta conferta, gracilis. ,Yc",A'..?.ji,Tn-;;3" ' ' ' ' zu prannmeriren. lollieker und Tecliniker. Apc N2- 3. prannmeriren. Im Wege des Bncbliandels übernimmt Prä numeration C. Uerold's Sohn in Wien, so wie alle übrigen Buchliandlungen. XIII. Jahrgang. WIE^, März 1863. INHALT : Ergebnisse einer botanischen Reise. Von Josch. — Zur Flora von Wien. Von Dr. Scbur. — Neue Pfl:inzenarleD. Von Dr. Waurra. — Descriptiones plantarvm . Von Dr. Kerner. — Pliäno- logische iNollzen. Von Dr. Heldreicli. — Orohus pisiformis sn Herrn Hölzl. — Correspondenz. Von Holainger, Dr. Leonh a rdi, Dr. Maly. — Personalnnlizen. — Vereine, Gesellscliaften, Anstalten. — Botanischer Tauschverein. — Literarisches. — Miltheilun?en. -— Inserate. Ergebnisse einer botanischen Reise von Laibach nach der Insel Ossero im Qnarnero, nnternomnien im Mai 1862. Von Eduard Ritter von Josch. Ich habe vor ungefähr 17 Jahren Anfangs Mai von Klagenfurt aus Isirien liereist und war entzückt über den Pflanzenreichlhum , der sicli besonders von Rovigno südwärts dem Auge des nördlichen Botanikers darbietet. Ich besuchte damals die Insel Brioni, weilte ein Paar Tage in dem an römischen Alterthümern reichen Pola und machte einen Ausflug bis Promontore, das ist bis an die südlichste Spitze von Istrien. Die Ausbeute war über alle Erwartung reich und nach der Heimkehr blieb immer der Wunsch rege, noch einmal diese Schatzkammer südlicher Pflanzen meinem Auge zu erschliessen, ja noch südlicher, nämlich auf die quarnerisclien Inseln vorzudringen, wo noch seltenere Pflanzen zu finden wären. Erst in diesem Frühjahre fügte es sich, dass ich meinen längst gehegten Wunsch erfüllen konnte. Herr Baron Rastern, ein eifriger Freund Flora's und Guts- besitzer in Ivrain schloss sich mir an und am 5. Mai fuhren wir mit dem Miltagstrain nach Triest ab. Von Sessaua an hätten wir schon Oesterr. botan. Zeitschrift 3. Heft lSf..3. 5 66 manche interessante Pflanze sammeln können, wenn es möglich gewesen wäre, das daliinschnaiibende Locomoliv nach nnserem Willen zum Stehen zu bringen. Der Felseneinschnitt hinter Nabre- sina öffnet den Blick auf das Meer und ist zugleich das Thor zur eigentlichen Lil oral - Flora, leider war der Abend damals schon ziemlich vorgerückt und fast dunkel. In Triest war mein Erstes, den Vater der istrianischen Flora, Herrn Hofrath Ritter von Tommasini, meinen vieljälirigen Freund aufzusuchen , um von ihm Anweisungen für den Besuch der Insel Ossero , wohin vorzüglich unser Augenmerk gerichtet war, zu bekommen. Er war überaus zuvorkommend und gütig, versah uns mit Empfehlungsbriefen und gab uns so genau als möglich die Standorte an, wo seltene Phanerogame zu finden wären. Da erst am 8. ein Dampfboot nach Dalmatien abging, welches den Hafen von Lussin piccolo auf Ossero berührt, so benutzten wir den 7. zu einem Ausfinge auf den Monte spaccato, einer Berghöhe östlich von Triest in der Richtung gegen das k.' k. Hofgeslüt Lippiza. Er führt den Namen des gespaltenen Berges, weil er auf seiner Höhe einen Einschnitt bildet, durch den der Saumpfad führt. Der Mainiorgen zu dieser Exkursion war reizend, die Bäume und Sträuche vollkommen belaubt und alles in herrlicher Blü-the, Bei der Aufzählung der Pflanzen, die wir fanden, will ich nur jene Species anführen, die in nördlichen Ländern nicht leicht vorkommen, auch werde ich jede der gesehenen selteneren Pflanzen in diesem Auf- salze nur Einmal verzeichnen, wenngleich ich sie an mehreren Orten beobachtet habe. Wir fanden: Onosma stellulatum , Rnmex pulcher , Coronilla Emerus, Parietaria diffusa, Planta go maritima , Tragopogon Tommasitiii, Anthyllis monlana schon im Verblüiien , Senecio lanatus, Linum anstriacum {Tommasinii') , Prunus Mahaleb , Orobus albus var. versicolor, Asparagus tenuifolitis, Plantago capitata, Ornithogalum collinum, Sesleria elongata, Polygala nicaeends , Rhus Cotinus, Trinia vulgaris, Euphorbia fragifera, Orlaya grandißora, Rham- nus rupestris, Helianthemum Fumana, Scorzonera austriaca, Stipa pennata, Genista sericea und Leontodon saxatilis. Am meisten von allen freute mich Anthyllis montana, die ich trotz meinem vieljährigen Herboresiren noch nie lebend gesehen hatte. Alle die genannten Species findet man nahe am Wege im Hinaufsteigen zum Monte spaccato und in der Karsthochebene in einem Umkreise von einer Stunde. Man braucht nur über eine oder die andere Steinmauer zu steigen und in den Wiesengründen, auf denen sich zerstreute Eichen vorfinden, hin und her zu gehen. Die herrliche Paeonia officinalis, die auf den nackten Karst- felsen vorkommt, war schon fast verblüht. Eine sehr gesuchte Pflanze die Valeriana, tuberosa, die ich vor mehreren Jahren um die gleiche Zeit dort ziemlich zahlreich bekommen, konnte ich dieses Mal nicht mehr finden trotz vielfachem Suchen nach ihr. Um 5 Uhr Früh den 8. Mai waren wir schon auf dem Vapore Sl. Giiislo oinom Propeller, und fuhren ins Meer liinaus. Meinem Gefiihrten, der noch nie das Meer gesehen halle, war elwas wunder- lich zu Muthe, zum Glücke m ar das Meer ruhig und die Mailüttchen führlen uns balsamische Diilte vom Lande zu. Wir standen ent- zückt auf dem Verdecke und ergötzlen uns an dem grossarligen Panorama. Als die Sonne höher stieg-, wurde eine leinene Zelt- decke über das Verdeck gespannt, die uns Schutz vor den heissen Sonnenstrahlen gewährte, die Fahrt ging an der Küste von Isirien hinab, In Pirano, Parenzo, Rovigno und Pola wurde im Hafen der Anker gesenkt , die austretenden Reisenden wurden mit Barken abgeholt, welche neue Reisende zuführten. In Rovigno war eine Stunde Aufenthalt, wo wir in einer echt italienischen Kneipe mittag- mahlten, da auf dem Schiffe nicht viel zu bekommen war. Leider war unser Vapore mehr ein Fracht- als ein Passagierschiff, unvl daher nicht mit jenem Komfort versehen , der die andern Lloyd- dampfer auszeichnet. In Pola blieben wir zwei Stunden. Diese Zeit benützten wir, um die römischen Alterthümer , besonders die berühmte Arena (Amphitheater) zu besichtigen. Schön, aber ziem- lich verwahrlost ist die Porta aurea , noch ganz erhalten der Tempel des Augustus, das Grossartigste aber ist die Arena, von der leider nur die äussere Umfangmauer steht. Von den aufsteigenden Stufen, welche den Zusehein einst als Sitze dienten, und die in der weit grössern Arena von Verona vollkommen noch zu sehen sind, ist in der Arena von Pola nichts vorhanden, als hie und da eine Stützmauer. In diesen Ruderatis fand ich Antirrhinvm Cyinhalaria , Hyo- sciamus albus, Arum italicum schon verblüht, Cf/rdw;,-« pycnocephalus^ Silene italica, Trifolium stellalum in grosser Menge, aber auch schon im Verblülien und Picridiutn vulgare. Um 6 Uhr Abends wurde der Anker gelichtet, und unser Pro- peller verliess Pola. Die Bucht von Pola ist mit vielen Befestigungen vor feindlichen Angriffen gesichert , und dabei so gestreckt und breit, dass sie einem mittelmässigen Landsee nicht nachsteht z. B. dem Hallstädtersee in Oberösterreich. Unter dem Forle Luigia vorüber kommt man in das offene Meer und es wird wieder die Richtung nach Südwest eingeschlagen, wobei das Schiff den Küsten von Istrien ziemlich nahe bleibt, die in der Abendbeleuchtung sehr groteske Felsengruppen zeigen. Als wir um die Punta di Promonlore fuhren, rechts den Scoglio Porer lassend , ging die Sonne unter. Dieser Sonnen- unlergang bei leicht bewölktem Himmel war überaus reizend, die zahlreiche Gesellschaft auf dem Verdecke wurde von diesem herr- lichen Naturschauspiele mehr oder weniger ergriffen, bald darnach fing es an dunkler zu werden. Wir hatten vor uns das hohe Meer, ans welchem geisterhaft der Berg Ossero, der höchste auf Aen quarnerischen Inseln mit schwachen Conlouren hervorragte, die höhern rückwärts liegenden dalmatinischen Alpen waren nicht mehr recht sichtbar, theils wegen der stärkeren Dämmerung, theils weil G8 ein leichter Dunstkreis sie deckte. Noch blieben wir einige Zeil auf dem Verdecke, und lachten über die sprudelnden Witze des Capitäns; als es aber kühler zu werden begann, stiegen wir in den Salon hinab. Nun fing es auf dem Verdecke an erst recht bewegt zu werden. Ein Krämer, der auch nach Lussin piccolo fuhr, und den wir dort später auf dem Platze seine Waaren, darunter auch Heilmittel mit italienischer Beredsamkeit dem staunenden Volke anpreisen hörten, halte zu seiner und des Publikums Ergötzlichkeit eine grössere Hand-Physharmonika mitgenommen, auf der er ziem- lich gut zu spielen verstand. Als es dunkler geworden, spielte er die italienische Monferrina und die heitere Gesellschaft tanzte recht wacker ober unsern Köpfen. Erst nach 10 Uhr kamen wir zur Bucht, die nach Lussin piccolo führt. Dieselbe ist etwas schmäler als jene vor Pola, aber gewiss ebenso lang. Wir begaben uns auf das Verdeck , um das lang erwartete Eiland zu sehen, soviel es der Schimmer des wach- senden Mondes erlaubte. Im Hintergrunde der Bucht, wo sich das Städtchen amphitheatralisch ausbreitet, schimmerten einzelne Lichter. Wir fuhren bei dem Wachtschiffe vorüber, sahen nach und nach mehr Maslbäume in die Luft emporragen und noch ziemlich weit von der Stadt entfernt wurde halt gemacht. Es kamen 5—6 Gondeln herbei , um die aussteigenden Passagiere mit ihrem Gepäck aufzu- nehmen. Das war ein Schreien und Treiben , dass einem daran Nichtgewohnten bange werden konnte. Wir warteten bis das grösste Gedränge vorüber war und stiegen dann in eine Gondel hinab, in die wir früher unser zahlreiches Gepäck bringen Hessen. Nun wurden wir dem Lande zugeführt, was fast 10 Minuten dauerte, da der Propeller es nicht wagte, näher in den Hafen einzufahren. Unsere Bootsleute ergriffen unser Gepäck und brachten uns in die Locanda Raimondi , die bereits gesperrt war. Meine Vorstellung von der Locanda, die uns auf 6 — 7 Tage beherbergen sollte, war eine ganz andere, als die Wirklichkeit. Es war ein sehr beschei- denes Landwirthshaus. Zu ebener Erde in dem Vorhause die Schenke, und im 1. Stockwerke zwei Zimmer für Uebernachtende. Die Wirthin jedoch versteht es, dem Fremden alles zu verschafTen, was er nach der Landessitte billigerweise verlangen kann. Hofrath Ritter von Tommasini, der öfter auf seinen botanischen Ausflügen nach Ossero in dieser Locanda gewohnt hat, hatte mir ein Empfeh- lungsschreiben an die Wirlhin mitgegeben, das seine Wirkung nicht verfehlte. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, mit grösster Aufmerksamkeit und Bereitwilligkeit bedient, und waren auch beim Abschiede mit der billigen Rechnung zufrieden. Am folgenden Morgen war unsere erste Sorge, einen tüch- tigen Führer für die ganze Zeit unseres Aufenthaltes zu bekommen. Auf Empfehlung unserer Wirthin nahmen wir Giovanni Gorz in auf, der in jeder Hinsicht zu empfehlen ist. Er spricht zwar nicht deutsch, sondern nur italienisch und die Landessprache illirisch, ist aber sehr gutmüthig und dienstfertig. Er war bei unseren Exkursen C)9 unser steter Begleiter, triio- unsere Botanisirbüchsen und etwaigen Leljensniittel, von denen er auch stets seinen Antheil bekam, und wenn wir Abends müde in das Gasthaus zurückkamen, bat er um etwas Wein und Brot, was wir ihm gerne auf unsere Rechnung geben Hessen. Den ersten Ausflug noch an diesem Morgen machten wir zum Porto Zigale , einer kleinen Meeresbucht gegen Westen von Lussin piccolo, die bei heftigen Stürmen den Schiffen einen sichern Hafen gewahrt. Wir gingen von unserem Gasthofe durch ein paar enge Strassen bergauf und einige Zeit zwisciien Mauern hin, bis wir die Stadt hinter uns hatten. Nun ist zwar kein freies, offenes Feld zu sehen, wie anderwärts, aber man ist doch auf dem Lande. Es sind niimlich alle Grundstücke mit breiten und ziemlich hohen Steinhaufen umgeben, über die man steigen muss, um in das eigentliche Feld zu kommen. Diese Felder sind von keiner grossen Ausdehnung und sind auch innerlich mit ähnlichen Steinmassen abgegrenzt. Diese Steinmassen sind nicht sowohl wegen Abwehr von weidenden Thieren und diebischen Menschen errichtet, als besonders, um dh Pflanzungen gegen die rasenden Stürme der Bora zu schützen. Die Landwirthschaft auf der ganzen Insel ist etwas vernachlässigt. Getreide, das ist Weizen, wird nur wenig gebaut, das Haupterlrägniss ist Wein und Oel. Die Rebe steht in einer Grube und wird sehr niedrig gehalten, sie bekommt nicht einmal einen Stützpfahl, höchstens dann, wenn die Trauben zur Reife kommen, damit sie nicht auf dem Boden liegen. Oel und Feigenbäume sind fast die einzigen Fruchtbäume. Der Boden in einem solchen Rebengriinde wird selten umgearbeitet. Reine Karst- nalur tritt überall zu Tage. Eben dieser Vernachlässigung ist es zuzuschreiben, dass eine sehr verschiedenartige reiche Pflanzen- Vegetation sich üppig ausbreitet. Als wir das erste 3Ial über eine Steinmasse kletterten und in einen Rebengrund traten, erstaunten wir über den Reichthum der Flora. Alles was wir sahen, war fremdartig und höchst interessant. Wir sammelten eine Menge Seltenheiten, als: Eruca sativa, Nigella damascena , Geranium pyrenaicum, Securigera Coronüla, Convolvulus ten :issimus C^elir häufig, wogegen C. Cantahrica nur vereinzelt), Turgenia latifolia, Scorpiurns snbvillostis (sehr zahlreich und in grossen Exemplaren), Urospennum Dalechampii und picroides. Coronüla cretica, Erodium malachoides , Muscari comosum , Aegilops ocata , Linum slrictum, Linuni gallicum , Briza maxima (zahlreich) , Cynosurns echinatus in Massen (dieses interessante Gras entdeckte ich nach meiner Rückkehr in zwei Leinfeldern bei Laibach, ebenfalls sehr zahlreich. Wahrscheinlich wurde dessen Same mit dem Leinsamen aus einer südlichen Provinz hieher gebracht), Tatmis communis, Festuca rigida, Bonjeanea hirsuta, Cyclamen repandum, Lathyvas Aphaca, Clilora perfoliata, Stachys arrensis und subcrenata, Jimcus acutus, Rhagadiotu:^ stellatus, Sonchus maritimus, Asphodelus albus (schon verblüht) , Oxulis coniiculata , Hippocrepis unisüiquosa , TorUis nodosa. Erythraea pulchclla, Rubia tinctorum, Linum angustifoliti/u, 70 Cistus saimaefoHus , Juniperns macrocarpa, Smilax aspern, Fu" maria agraria^ Cynoylossum pictum, Süene galtica , Barkhausia rubra, Glaucium luteum, Vaillontia muralis , Althaea hirsnta, Lotus ornithopodioides , Rannnculus vehitinus {Tommasinii) und R. Pliilonotis. Pallenis spinosa, Ervum gracite, Jasmifium officinale, Scrophularia peregrina, Gladiolus comrnmiis, Aegilops triuncialis, Snlvia ojficinalis (auch mit weissen BlütlienJ, Rnbns amoenus, Ecballion Elaterium, Jasminum friiticans und Morus nigra. Ich glaube die hier aufgeziihlle Flora, wobei ich die gemei- neren, und jene schon bei Triest und Pola gefundenen, nicht noch- nial aufführe, obAvohl sie auch hier vorkommen, dürfte jedem Botaniker ein Bild des Reichthumes an Seltenheiten gewähren. Als wir sonach noch mehrere Felder durchsucht hatten und fortwährend immer Neues und Neues fanden, stiegen wir zum Hafen hinab, wo wir mit dem guardiano del porto uns unterhielten, der uns eine Strecke begleitete. Die IVJittagszeit war vorüber und wir musslen zur Stadt zurück, zu welcher wir auf einem andern Wege gelangten, stets links und rechts spähend und immer Neues sannnelnd. Nach Tische machten wir einen Ausflug nach Lussin grande, der altern aber minder bevölkerten Schwester von Lussin piccolo , so dass man heut zu Tage beide Prädikate wechseln sollte. Lussin piccolo dürfte 8—10000 Einwohner haben, und ist der Sitz des Bezirks- amtes lür die ganze Insel und alle kleineren Nachbarinseln. Die Einwohner leben grösstentheils von der Schifffahrt, und es gibt dort reiche Schiffsrheder, weif gereiste und erfahrene Seemänner. Der Hafen von Lussin piccolo ist einer der grössten und sichersten im ganzen Liltorale und die dortigen Schiffswerften sind nie ohne Arbeiter. Als wir dort waren , wurde eben an einem grossen Dreimaster gearbeitet. Die Söhne der Einwohner sind grössten- theils auf Reisen per maro, und viele auch in fremden Diensten. Da hier die Schifffahrt den Hauplnahrungszweig bildet, so wird es begreiflich, warum der Bodenkultur nicht die volle Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Es war ein herrlicher Nachmittag, als wir die Wanderung nach Lussin grande antraten. Man steigt durch die Stadt hinauf und dann auf der Anhöhe fort. In drei Viertelstunden kann man leicht bei raschem Aullrelen in Lussin grande sein. Natürlich brauchten wir viel mehr, da wir bald links bald rechts an der Strasse interessante Pflanzen entdeckten, und oft weiter vom Wege abschweiften. Es sei hier bemerkt, dass alle Strassen auf der Insel nur für Saumpferde oder Fussgänger eingerichtet sind. Wer zu Wasser nach Lussin grande fahren will, bestelle rechtzeitig eine Barca in der Valle Darche , bis wohin man in einer guten Viertelstunde von Lussin piccolo kommt. Wir machten den Rück- weg per mare. Unterwegs gesellte sich ein Herr zu uns , der sehr freund- lich unsere neugierigen Fragen über diess und jenes beantwortete und uns bis nach Lussin grande begleitete. Es war Herr Antonio 71 Barbieri, der das Geschiift eines Sensalen führt, und zu Hause ein recht interessantes Rarilalen-Kabinet meist von Meerproduklen hat, die er den Fremden bereitwillig zeigt und erklärt. Man kann auch bei ihm derlei Gegenstände kaufen. Als wir schon die Stadt vor uns halten, bemerkte ich links von der Strasse einen viereckig behauenen Stein, der sich seltsam unter dem andern hervorragenden Karsigesleine ausnahm und für eine Person einen sehr bequemen Sitz bot. Schwerlich wird der Leser die Ursache errathen, warum jener Stein so behauen worden. Unser Begleiter erzählte uns: der verstorbene König von Sachsen hat vor vielen Jahren die Insel Ossero besucht. Er war wie bekannt ein grosser Freund der Botanik und zeichnete auch nach der Natur. Als er den wirklich schönen Anblick der Sladt vor sich hatte (der Älondracchio, das ist kleiner Hafen, ist besonders malerisch), setzte er sich auf einen Stein und zeichnete. Die Sladigemeinde wollte dieses Ereigniss der Nachwelt überliefern, und liess den Stein, auf welchem der König gesessen, viereckig und oben platt abmeisseln. Ich bin überzeugt, dass, wenngleich ; hat. Sie bringt Biüthen hervor, aber keine Früchte. Das gleiche ist bei Ceratonia siliqua der Fall , die nicht selten wild auf der Insel vorkommt. Eine besondere botanische Merkwürdigkeit in jenem Garten bilden zwei Maulbeerbäume Monis alba und nigra, deren Stämme verwachsen sind, während sich die Kronen scheiden, und auf der einen Seite die Früchte von Morus alba , auf der andern jene von Morus nigra vorkommen. Merkwürdig im Innern ist die Pfarrkirche, die sehr schöne Altäre, und mehrere vorzüg- liche Gemälde, darunter auch Tizian's aufweist. Als unter fran- zösischer Regierung in Venedig die Kirche St. Croce abgebrochen worden, haben die Bürger von Lussin grande die Altäre und Ge- mälde angekauft und in die Pfarrkirche überbringen lassen. Am 10. Mai wollten wir nach der Insel Sansego fahren, der Scirocco war aber sehr heftig und wir verscliobcn diesen Ausflug. Zeitlicii Früh traten wir unsere Wanderung in südlicher Richtung an. Giovanni geleitete uns. Es ging fast immer bergan bis zum Monte calvario ober Lussin grande, von avo aus wir eine malerische Aussicht auf beide Meere hatten, der We^ dahin ist nicht leicht zu finden. Es sind nur schlechte Pfade, die zu den Weingärten führen, und sich vielfach kreuzen. Selbst Giovanni fand sich nicht immer zurecht, aber wenn wir auch einige Umwege machten, so 72 haben wir vielleicht gerade dadurch manche interessante Pflanze zu Gesicht bekommen, die uns sonst entganuen wäre. Auf dieser Partie sahen wir: Papaver Argeinone, Qiiercus Hex (sehr häufig), eine Agave americana, die gerade dieses Jahr den Blülhenstengel entfaltete und bereits auf 10' Höhe getrieben hatte (durch die Güte des Herrn Bezirksvorstehers erhielt ich auch im Sommer einige frische Blüthen eingesendet), Verbascum phoe- niceuni , Scandix australis , Asphodelus ramosus , Cistus cretinis, Tragopogon parvlfolius und major, Lathyrus sphaericiis, Echiuin pustulatum, eine schöne Pflanze, Pistacia Lentiscus und Terebintims, dieser schon verblüht, Ruscus aculeatus, Allium subhirsutum (nur an einer Stelle schon in der Nähe des Kalvarienberges), Herniaria incana, Spartiuvi jnnceum, Cicer arielinum Cgehüui^, Opuntia md" garis , Pvnica Granatum , Cupressus semperrirens , Helichrysum angustifolium (sehr häufig), Euphorbia Paralias, Prasium majua (in Gebüschen und nicht selten), Lonicera implexa, Tordylium apulum , Polycarpon alsinefolium , Euphorbia pinea , Lathyrus setifolius, Vicia tenuifolia, peregrina und angusiifolia, Torilis heterophylla, Galium lucidum , Hieracium Nestleri und Orobanche picroides. Inula graveolens ist auf der ganzen Insel "Avuchernd, blüht aber erst im August und September; auch Teucrium Polium war noch nicht blühend. Auf der Hohe des Monte Calvario ist eine Kapelle dem heil. Johann dem Täufer geweiht. Nachdem wir uns eine Zeit lang an der Fernsicht geweidet, stiegen wir einen andern Weg gegen Lussin grande hinab , und waren nach 1 Uhr Mittag wieder in unserer Locanda. In einem Garten von Lussin grande sahen wir den Baum 3Ielia Azederach (Paternosterbaum) in schönster BlüLhe, Den Nachmittag benützten wir zu einem Spaziergange in nörd- licher Richtung. Wir gingen dem Hafen entlang bis zu jener Stelle, wo die Landenge am schmälsten ist, und wo mit nicht gar grossen Kosten ein Durchstich gemacht werden könnte , um auch von Quarnero mit kleinen Schiffen in den Hafen einzufahren. Auf dieser Landenge fanden wir: Coronilla minima, Silene sedoides, Lepturus incm vatus , Physaiis Alkekengi , Valerianella eriocarpa , Crepis virens, Equi.setum palustre, Helminthia echioides, Euphorbia Peplis und peploides. Diese und Silene sedoides kommen bloss am Strande vor. Am 11. Mai, einem Sonntage, konnten wir das malerische Nationalkostüm der Inselbewohner im Feierkleide sehen. Es ist halb italienisch, halb dalmatinisch. Auf dem Platze im Hafen war auf einer hohen Stange die österreichischen Wimpel aufgehisst und das Kaffeehaus war gegen Mittag mehr als gewöhnlich besucht. Einen jungen Mann, der mit seiner vor kurzem ihm angetrauten jungen Frau mit uns von Triest nach Lussin piccolo gereist war, um, wie er mir sagte, eine Hochzeitsreise zu machen, traf ich an jenem Tage zufällig vor dem Kaffeehause. Auf meine Frage, wie es ihm hier gefiele, klagte er, dass er und seine Frau es vor Lang- weile hier nicht mehr aushalten kimnen und mit grösster Sehnsucht 73 auf den nächsten Dampfer warte, um wieder nach Triest zurück- zukehren. Wir speisten etwas früher, um bei Zeiten die Partie auf den Monte Ossero anzutreten. Wir fuhren schon um 1 Uhr Nachmittag mit einer Barke bis an das nördliche Ende der Bucht von Lussin prccolo, und setzten von dort an den Weg zu Fuss bis Chiunschi fort. Unser braver Giovanni trug das Gepäck und die Lebensmittel, mit denen man sich auf dieser Partie versehen muss. Es war empfindlich warm. In Chiunschi suchten wir Reitpferde zu bekommen, wir konnten aber nur ein Maulthier auftreiben, das jedoch keinen ordentlichen Sattel, sondern nur einen italienischen Basto hatte, der mehr für das Gepäck einojerichtet ist. Ich bestieg den Klepper und nun ging es weiter. Der Weg führt immer in der Nähe des Meeres auf einer Anhöhe, so dass wir rechter Hand sehr malerische Ausblicke auf den Canale di Punta Croce einer Bucht des Quarnero hatten. Linker Hand waren bewaldete Hügel, die Gegend ist sehr reizend, besonders im Frühlingsschmucke. Nach 2y2 Stunden kamen wir St. Giacomo vorüber nach Neresine am Fusse des 2000' hohen Ossero, wo wir in dem Albergo all' albero unser Nachtquartier aufschlugen. Es war kaum 6 Uhr Abends, als wir dort anlangten. Wir benützten daher den Abend zu einem Spaziergange an dem Meeresstrand und in die nächste Umgebung. Was wir heute an neuen Pflanzen, theils noch in Lussin piccolo , theils auf dem ganzen Wege nach Neresine sahen , ist Folgendes : Trifolium maritimum^ Carex i'emota, üelichrysum arenarium, Chrysanthemum segetum (nur Ein Exemplar) und Cakile maritima, alle bei Lussin piccolo. Auf dem Wege nach Neresine: Aristolochia Clematitis, Adonis autumnalis, Erica arborea (verblüht), Euphorbia Wulfenii in grossen Massen, aber schon verblüht, Paliurus aculeatus ^ Arhulus Unedo mit Früchten und Juniperus phoenicea. Bei Neresine: Salicornia fruticosa noch nicht blühend, Ver- bascum sinuatum ebenso Aristolochia rotunda zahlreich. Lathyrus Ochrus gebaut, Arfemisia maritima noch nicht blühend. Als wir der Wirfhin unsere Absicht, am folgenden Morgen den Berg zu besteigen, eröffneten und sie ersuchten, uns einen^Führer zu verschaffen, staunte sie, dass wir es wagen, einen so hohen Berg erklimmen zu wollen , gleichsam als wäre der Ossero ein Alpenriese. Auch der Führer, der sich endlich fand, schilderte uns die Besteigung als sehr beschwerlich. — Um 5 Uhr Früh des 12. Mai standen wir voll der besten Hoffnungen auf, und traten unsere Berg- reise an, allein es sollte in jeder Hinsicht diese Partie uns verleidet werden. Der Himmel war trübe und der Berg in Nebel gehüllt. Als wir höher stiegen, wurde der Wind, ein starker Scirocco, immer lästiger und der Nebel dichter, ja es fing leicht zu regnen an. Gegen die Spitze zu gab es keinen Weg mehr und wir mussten von Felsen zu Felsen hüpfen, diese Felsen waren würfelartig und sehr zerklüftet, man musste vorsichtig auftreten. Trotz dem Steigen war es uns n empfindlicli kalt. Endlich gelangten wir zur Spitze und flüchteten nns in die Ruinen einer dem heil. Antonius geweiht gewesenen Kapelle, wo wir vor dem Winde Schutz fanden und uns labten. Bei heiterem Wetter hätten wir eine grossartige Aussicht geniessen können. Man übersieht den adriatischen Meerbusen und den Quarnero, alle Inseln und gegen Osten die schroffen Kalkalpen an der kroatischen und dalmatinischen Küste. Einige behaupten, dass man mit einem guten Fernrohre auch Zara sehen könne. Wir hatten den Berg mehr an der Südseite bestiegen und kehrten gegen die Nordseite zurück. Als wir mehr und mehr herab- kamen, liess der Wind nach und es gab keinen feuchten Nebel mehr. In nicht vollen 6 Stunden waren wir wieder in Neresine. Wir mittag- mahllen da und traten nach Tisch den Rückweg nach Lussin piccolo an. Unser Führer auf den Berg half Giovanni das Gepäck bis Chiunschi tragen, v\'o wir uns im Gasthause erfrischten und von dort mit Gio- vanni allein den Weg fortsetzten. Es hatte bis dahin einige Mal etwas geregnet und der Himmel sah drohend aus. Als wir aber zur Bucht von Lussin piccolo kamen und längs derselben der Stadt zugingen, kam ein fürchterliches Donnerwetter heraufgezogen. Blitze durchkreuzten den Himmel, einige fielen gerade in das Meer und der Donner rollte gewallig. Schon ganz nahe der Stadt kam ein wolkenbruchartiger Platzregen, der uns bis auf die Haut durchnässte. Leider war auch in die Papierpäcke, in die wir die gesammelten Pflanzen eingelegt hatten, der Regen eingedrungen. Die Ausbeute des heutigen Tages war keine grosse und ent- sprach keineswegs unsern Erwartungen. An neuen Pflanzen fanden wir: Crepis cernua, Lathyrus Cicera (gebaut), Barkhausia resicaria, Cytisus spinescens , Pinus pinea, Cardamine maritima und Torilis heterophylla. Der interessanteste Fund war der des Cytisus spine- scens, den ich noch nie gesehen hatte und der mir auch im Herbar fehlte. Er kommt auf dem nördlichen Abhänge, eine starke Viertel- stunde unter der Spitze des Ossero, aber nicht sehr häufig vor. Der 13. Mai war dem Ausfluge auf die Insel Sansego gewidmet. Das gestrige Gewitter hatte die Luft gereiniget. Der Tag war schön und der Scirocco sehr massig. Sansego liegt im adriatischen Meere westlich von Lussin piccolo , in gerader Linie etwa anderthalb öster- reichische Postmeilen entfernt. An Flächenmass dürfte sie kaum V4 Ouadratmeile messen. Wir nahmen eine vierrudrige Barke zur Vorsicht mit einem Segel versehen. Unser Giovanni besorgte alles und war einer der Ruderer. Bei dem Porto falso, den grössere Schifle wegen der Untiefe nicht passiren können, fuhren wir aus dem Hafen hinaus, rechts die kleine Insel Colludarz lassend. Kaum waren wir in oHener See, als die Barke auf den Wogen zu tanzen anfing, besonders als unsere Schiffleute den Mastbaum aufpflanzten und das Segel spannten. Wir halten den Wind zur Seite und fuhren nun ohne Ruder weit schneller, aber die schaukelnde Bewegung hätte leicht bei uns die bekannte Seekrankheit erregen können, wenn wir dafür empfäng- lich gewesen wären. In 'V/^ Stunden landeten wir im Hafen von 75 Sansego. Wir begaben uns zum Deputato di Sanilä , an den uns Ritter von Toniniasini ein Empfehlungsschreiben mitgegeben hatte. Dieser war sehr dienstfertig, gab uns die gewünschten Aufschlüsse und verschaffte uns einen Führer. Sehr merkwürdig ist diese Insel in geognostischer Hinsicht. Wahrend die meisten Inseln des Quarnero aus Kalkboden bestehen und die Natur des Karstes haben, ist auf San- sego nur die Unterlage Felsgestein und darauf eine mächtige Schichte von Wellsand gelagert, der das ganze Festland der Insel bildet. Von dem Ufer des SIeeres erhebt sich meist sehr steil diese Sandschichte zu einer Höhe von beiläufig 200 Fuss. Oben ist ein Plateau, von welchem aus gewaltige Einschnitte gegen das Meer hinabziehen, die durch Regengüsse immer mehr ausgewaschen werden. In diesen oft sehr steilen Abfällen sind terassenförmige Einschnitle, auf denen die Weinrebe gepflanzt ist, Felder sind nur auf dem Plateau und der Getreidebau ist unbedeutend. Wein, Oel , Feigen und etwas weniges Obst sind die einzigen Erzeugnisse der Insel, Hornvieh, Pferde, Ziegen oder Schafe gibt es gar nicht auf der Insel und die Einwcdiner h (beu unter sich das Uebereinkommen derlei Thiere nicht zu halten. Desshalb ist der Graswuchs auf der Insel überraschend üppig. Hie und da sind in die Sandschichten Höhlen gegraben worden , die von Schmugglern zur Bergung des Kontrebandes mit Erfolg benützt werden. Ausser am Gestade, sieht man auf der ganzen Insel auch nicht Ein Steinchen. Das einzige Dorf Sansego ist ein Pfarrdorf und liegt auf dem Plateau. Am Haien sind einzelne Häuser und darunter auch jenes für den Deputato di Sanilä. Nach einer kleinen Labung durchstreiften wir die Insel nach den vom Ritter von Tommasini erhaltenen Anleitungen. Wir stiegen vom Plateau in die Valle Subschansky hinab und gingen immer am Gestade bis zur Punta vertikol. Dort stiegen wir zum Plateau hinauf und kehrten zum Hafen zurück, wo uns der freundliche Deputato di Saiiitä, ein Dalmatiner, mit einem vorzüglichen Dalmatiner Ausbruch- weine und schwarzen Kaffee bevvirthete. Seine Gemahlin , eine Ein- geborene, konnte nicht italienisch sprechen und wir mussten derCon- versatiou mit ihr entbehren. Die Ausbeute an Pflanzen war nicht so gross als wir uns Hoff- nung gemacht hatten. Wir sahen als neue Species, die wir auf unserer Reise noch nicht verzeichnet hatten: Koeleria cristnta und hirsuta, Picris Jncrncioides, Bromus maxiinus. Lotus hirsutus und edulis, Ca- lendula officinalis. Colulea arboiescens, Schoetius nigricans, Trifo- lium angusüfolium. Lotus tenuifoUus und cytisoides, Melilolus parvi- flora. Arena atherantho. Loliumitalicum, JUedicago litoralis, Gerardi, denticulataxind prnstrala, Hordeum maritimum i\nd Fesluca divaricata. Arundo Donax und Xanthium macrocarpum waren noch nicht in der Blüthe. Von Trigonella maritima , Melilotus graciUs , Imperata rylin- drica, Sacharum Ravennae und Capsella procinnhens, auf w eiche uns Ritter von T o m m a s i n i aufmerksam gemacht hatte, sahen wir keine Spur. 76 Bei der Rückfahrt hatte sich der Wind ganz gelegt, so dass wir statt des Segels die Ruder gebrauchten. Es war ein herrlicher Abend und wir kamen vor Einbruch der Nacht in unsere Locanda. Am 14. Mai sagten wir der Insel Ossero Lebewohl. Ich ges^tehc, dass mir der Abschied von diesem schönen Eilande, das für den nor- dischen Botaniker ein wahrer Hesperiden- Garten ist, schwer fiel. Hätten es meine Verhältnisse gestattet, ich wäre noch gerne eine Woche da geblieben. Wie viele interessante Plätze hatten wir noch nicht besucht, wie viele sehr seltene Pflanzen sind von uns unentdeckt geblieben. Nach Ritter von Tommas in i's Anleitung wären zu besuchen die kleine Insel CoUudarz, zwischen der Bocca grande und dem Porto falso nur eine y^ Stunde von der Stadt entfernt, die Insel St. Pietro dt Nembi, südlich von Ossero, wo Ophrys Tommasimi vorkommt, die aber zur Zeit unseres Aufenthaltes schon verblüht war. Die beiden Inseln Canidole grande und Canidole piccolo, sowie die grössere Insel Unie dürften ebenfalls eigenthümliche Seltenheiten enthalten. Vor unserer Abreise, die gegen Mittag erfolgte, machten wir noch eine Partie gegen Porto Zigale bis zur Stelle, wo wir am ersten Tage nach unserer Ankunft durch den Pflanzenreichthum überrascht wurden. Wir fanden noch, was wir bisher übersehen hatten: Ranun- culus nmricatus , Trifolium lappaceum und Orchis fragraus, eine Va- rietät der 0. coriophora, die sich durch den Mangel des wanzenartigen Geruches unterscheidet. Clematis Flammulaw&rnoch. nicht aufgeblüht. Wir hatten eine Barke im Valle d'arche bestellt und Hessen unser Gepäck dahin tragen. Von dort fuhren wir nach Lussin grande, löslen bei der Agentur des Lloyd die Billeten für das Dampfschiff „Arciduca Francesco Carlo" und Hessen uns auf dasselbe führen. Der „Francesco Carlo" ist das älteste Dampfschiff des Lloyd und machte eben die Route von Dalmatien nach Fiume. Um 1 Uhr setzten sich die Schaufelräder in Bewegung. Da ein starker Südwind blies und daher vento in puppa war, so liess der Kapitän die Segel spannen, wodurch unsere Fahrt sehr beschleunigt wurde. Der Tag war düster und neblicht. Wir waren die einzigen Passagier! 1. Klasse, bekamen aber und vielleicht gerade desshalb zum Mittagessen bloss kalte Speisen. Vor der Stadt Veglia hielt das Schiff eine starke Viertelstunde, um Reisende auszusetzen und andere aufzunehmen. Der Scirocco hatte das Meer ziemlich stark auf- gewühlt und Ungewohnten würde das Aus- und Einschiffen keine geringe Angst verursacht haben. Wir sahen wie die Barke, als sie dem Hafen zuruderte, gewaltig von den Wogen bald gehoben, bald gesenkt wurde. Ein Reisender stand dabei ganz kaltblütig auf der Bank und als die Barke schon entfernter war, sahen wir seinen Körper bald hoch über den Wogen, bald zwischen denselben verschwinden. VTahrlich jener Reisende war keine Landratte! Um g'/a Uhr stiegen wir in Fiume ans Land und fanden sehr gute Unterkunft im Gasthofe all' Europa. Am folgenden Morgen, nachdem wir uns ein wenig die Stadt besehen hatten, gingen wir über den beliebten Spaziergang Sco- glietto, wo vor einigen Jahren eine heftige Bora alle Bäume entwurzelt 1 77 halle, an der Fiuniara hinauf, so weit man gehen kann. In dieser romanlischen Felsenschlucht sahen wir als etwas Neues für diese Reise Corydalis ochroleuoa und sonst mehr gemeine Kinder Flora's. Zurückgekehrt bestiegen wir den Monte Tersato auf der Stiege, die in 30 oder mehr Absätzen zur berühmten Wahlfahrtskirche führt. Nördlich von derselben ist das im mittelalterlichen Baustyle ausgebaute Schioss des Grafen Nugent. Auf dem Wege nach Tersato bekamen wir Medicago orbicularis, Peltaria alUacea, Carex divisa, Centaurea axillaris, Osyris alba und Notholaena Maranthae. Den Nachmittag benützten wir zu einem Ausfluge gegen Buccari (illyrisch Bakare). Wir hatten keinen Führer mitgenommen und ver- fehlten daher den Weg, indem wir die Strasse längs des Meeres ver- folgten, bis zur Bucht von Martinschiza mit dem sehenswerthen Lazza- retto. Dort zogen wir Erkundigungen ein und lenkten durch Feldwege auf die Hauptslrasse , die durch das Thal von Draga führt, das an malerischen Partien sehr reich ist. Wir gingen noch bis zur Kapelle St. Cosmo, von wo man tief unten das Städtchen Buccari und am Ein- gange in die Bucht Porta Re wie im Vogelperspektive übersieht. Den Rückweg und den vorgerückten Abend bedenkend kehrten wir um. Unsere botanische Ausbeute auf dieser Partie war folgende : Genista sylvestris, Riita divaricata, Drypis spinosa , Marrubium vulgare, Coronilla scorpioides , Bryonia dioica , Xanthium spinosum und Eryngium campestre waren noch nicht in der Blüthe. Am 16. Mai regnete es den ganzen Tag sehr stark. Wir fuhren Nachmittag mit dem Eilwagen über Feistritz nach St. Peter, erwarteten dort den Triester Train und waren um 1 Uhr Nachts zu Hause. Noch muss ich einer Thatsache erwähnen, die dem Leser son- derbar vorkommen wird. — Als wir gleich am ersten Tage in Lussin piccolo mit unserem Führer und Träger ausgingen, erkundigte ich mich, ob es viele Vipern auf der Insel gebe. Mir war nämlich bekannt, dass schon in Krain diese giftige Schlange zu treffen ist und dass sie noch häufiger in Istrien und Dalmatien vorkommt. Ein Pflanzen- sammler hat sich daher besonders in Acht zu nehmen. Als ich die Frage an unsern Giovanni richtete, blickte er mich verwundert an und sagte ganz kategorisch: Auf der Insel Ossero gebe es gar keine Vipern. Ich meinte, das Gleiche dürfte vielleicht auch auf den andern Inseln des Quarnerö sein und erklärte mir den Mangel an Vipern eben dadurch , dass es Inseln seien , wohin jene Thiere vom Festlande nicht kommen können. Aber unser Giovanni machte meine natürliche Erklärung zu Schanden. „0 auf den andern Inseln, auf Cherso und Veglia z. B. gibt es sehr viele Vipern und die Leute müssen sich sehr in Acht nehmen. Auf Ossero aber ist gar keine Viper, ja gar keine giftige Schlange." Ich fragte nun wie das möglich sei, besonders wenn man bedenkt, dass die beiden Inseln Cherso und Ossero durch eine Brücke verbunden sind. Nun erfuhren wir, dass auf der Insel Ossero der heilige Einsiedler Gaudentius in einer Höhle auf dem Berge gelebt und durch sein Gebet alle giftigen Schlangen für immer von der Insel 78 gebannt habe, dass diese fromme Meinung; allgemein auf der Insel besteht, überzeugten wir uns in der Folge durch mehrfache Aeusserun- gen. Der Pfarrer von Neresina, ein junger Priester, der auch diese Meinung bestätigte, erzählte uns: es sei vor mehreren Jahren ein Menageriebesitzer nach Lussin gekommen , um dort seine Thiere öffentlich zu zeigen. Er hatte auch eine Kiste mit seltenen Schlangen. Die Leute warnten ihn diese Kiste nicht auszuschiffen, da auf Ossero keine giftigen Schlangen fortkommen. Der Menageriebesitzer jedoch belächelte diese Aeusserung und Hess die Kiste ans Land bringen. Als er sie am folgenden Morgen öffnete, um die Schlangen zu zeigen, waren sie alle todt. Ich erzähle bloss die Thatsache und überlasse es dem geehrten Leser, darüber nach Belieben nachzudenken. Gewiss ist es, dass wir während des Aufenthaltes auf Ossero keine Viper oder eine andere Schlange gesehen haben, wohl aber trafen wir häufig Eidechsen. Laibach, im Jänner 1863. Beiträge zur Flora von Wien. Von Ferdinand Schur. II. *) 102. Panicum capillare L. Auf der neuen Anschüttung vor dem Burglhor. August, in einem Garten inWähring. September. 103. Setaria germanica Roth. = Panicum germanicum Host gram. 4. A. 14. cum var. pal/ida Schur. Auf den neuen Anschüt- tungen vor dem Kärnthnerthor bis zur Mondscheinbrücke. 104 Anthoxanthum odoratum L. var. pilosum. = A. odoratum ß villosum Loisel. Seltene Spielart am Waldrande der Rohrer- wiese. Juni. 105. Avena hybrida Peter m. Spiculis trifloris omnibus ferti- libus axe calloque setoso-hirsutis. Auf den neuen Anschüttungen vor dem Burgthor. JuH. 106. Poa bulbosa L. var. vivipara umbracola. Diese Monstro- sität hat ein fremdes Ansehen, und ist von der gewöhnlichen z. B. auf der Türkenschanze wachsenden ganz verschieden, so dass man sel- bige auf den ersten Blick für eine sprossende Poa nemoralis halten könnte, wenn nicht der an der Basis aufgetriebene Halm den speci- fischen Zusammenhang mit P. bulbosa ersichtlich machen würde. Das Gras wird bis 1 Vi' hoch, ist sehr weich, dunkelgrün, bildet kleine Rasen, welche aus dem mit Moos bedeckten Boden leicht zu gewinnen sind. Jeder Rasen besteht aus 2 — 6 Knollen, von denen selten mehr als 1 — 3 blühende Halme treiben. Der Halm ist über der Basis am ersten Knoten meist geknickt und im Ganzen mit 2—3 langen flachen weichen Blät- tern versehen, von denen das oberste eine schwach aufgeblasene *) Oesterr. botan. Zeitschrift 1861,. Seite 81. 79 Scheide hat. Die 'Halmblätlor sind mehr als doppelt so breit als die der sterilen Blatlbüschel, das oberste etwa halb so lang- als die 2 — A" lange Scheide. Scinimlliche Blätter sind flach und schärflich. Das Blatthäutchen ist V lang und zugespitzt, die Rispe ist locker, ausge- breitet, die Aeste horizontal abstehend, fadenförmig-, rauh, die Anzahl der untersten 3 — 5. Die Aehrchen sind 3 — 5 blüthig, lanzettförmig, grün; Bälge und Spelzen sind nur am Kiele schwach wollig, an der Spitze schärflich, die Spelzen lanzettförmig- und etwas bogig lang- zugespitzt, die verbindenden Wollhaare sehr spärlich 2 — 3 vorhanden, die Blattsprossen der Aehrchen sehr lang und blattartig flach. Im Au- garten an schattigen Plätzen. August. 107. Bromns grossus Desf. m. DC. fl. gall var. pilosus Schur. Panicttla demum nutante, ramis 3 — 5 — 7 semwerticillatis erecto- potulis , scaberrimis interdum simpUcibus — spiralis gi'ossis pyramidalis, ovato-lanceolatis 9 — 12 lin. longis . 7 — 15 floi-is- flos- culis oblongis demum distinctis, margine subinßexo subteretibus, paleis glabris, inferiore 7 nerma, aristata, arista talida tenne flexu- osa floruni super iorum paleam uequante vel paulo super ante; foliis oölongo- iinearibus 2 lin. laus, moUibus, internodio longioribus, ittrinque vaginisque pilosis; liyulis brevissimis rotundatis erosis — Annuus biennisqiie, 1 — 2 ped., rhizoma fibroso caespitosum^ culmus teres glaber usque ad paniculam foiiatus. Auf den neuen An- schüttungen in Wien an mehreren Punkten z. B. vor dem Burgthor. August. Dieses ist der Bromus grossus, wie ich selbigen auffasse und in mehreren Floren beobachtet habe (z- B. Sert. fl. Transilv, p. 90). Nach meiner Ansicht stellt dieser Bromns eine sehr gute distinkte Art dar, der sich durch haarige Blätter und Blattscheiden, sowie durch die nicht vollkommen eingezogenen äussern Spelzen und durch weichere lange Grannen von B. secalinus L. unterscheidet. Bromns grossus ist von vielen Botanikern als eigene Art und unter verschiedenen Namen auf- geführt worden, wie z B. von Bluff und Fingerhut Comp fl. germ. t. p. 185 als ß. velutinus Sehr ad.; es gehören folgende Synonymen hieher: B. grossus a und b Gaud. , B. velutinus Schrad., B. multi- florus Sm. Rchb. fl. exe. B. muUißorus Lejeune. Er bildet eine Mittelform zwischen B. secalinus L. und B. squarrosus L. In der Flora von Wien von Ne il reich p. 52 führt N. drei Formen von B. secalinus an, welche theilweise hierher gehören dürften, a vulgaris, b grossus, velutinus und wir hätten, wenn wir den in Rede stehenden Bromus als Var. von B. secalinus nehmen wollen, noch die Var. d pilosus Schur, nachzutragen. i08. Festuca rubra L. pmmmophila Schur. Spiculis subtri- floris lanceolatis ; paleis exterioribus glabris versus apicem scabris brevissime aristatis mucronatisve. Gramen glabrum caespitosum 2 — 5 ped. , rhizoma ßbrosurn et stoloniferum. In der Brigittenau auf san- digen Stellen zwischen Weidengestrüpp. August. In Siebenbürgen und in Ungarn z. B. bei Arad kommt eine im Habitus dieser sehr ähnliche Festuca vor, welche aber durch die 80 behaarten Blätter und Blattscheidcn, so wie durch die rauhaarigcn Spelzen und die langen Grannen leicht zu unterscheiden ist. Ich habe diese letztere für Festuca cinerea D C. fl. franc. genommen , welche Koch syn. ed. 2. p. 939 beschreibt, doch vereinige ich darunter die K c h'schen Var. ß und y. 109. Sorghum vulgare Pers., wird bei Hernais kultivirt. 110. Seeale ceveale L. var. ramosa. = S. cereale L. var. com- posita Seringe, eigentlich nur Monstrosität mit dreiblüthigen Aehr- chen. Auf der neuen Anschüttung vor dem Burgthor. August. 111. Triticum hordeiforme Host. gram. 4 t. 5. Häufig auf den neuen Anschüttungen. Juli. 112. Carex nutans Host. Am Neustädter Kanal und in der Bri- gittenau in einer Lache unweit des Jägerhauses zwischen C. pahidosa, riparia und hirta. Juli. 113. Caulinia fragilis Wild. Im schwarzen Stockwasser an der Freudenau, häufig aber verblüht. August. 114. Acorus Calamush. An mehreren Stellen an dem Neustädter Kanal. Juni blühend. 115. Salix — an S. incana Schrank.? In der Brigittenau am Rande einer Lache unweit des Jägerhauses steht eine Gruppe hübscher männlicher und weiblicher Bäume einer Weide, welche die S. incana der hiesigen Floristen sein dürfte, die aber bei näherer Untersuchung sich als verschieden darstellt. Wenn die S. incana auf allen Punkten des Wiener Gebietes so vorkommt, nämlich dieselben Merkmale zeigt, so haben wir es entweder mit einer anderen Weidenart zu thun, oder es ist die Diagnose derselben nicht richtig. Unsere vermeintliche S. incana gehört schon a priori nicht in die Abtheilung ^Capreae^ — auch hat dieselbe keine zweifarbigen, sondern einfarbige Schuppen, welche selbst nach der Reife der Frucht bemerkbar sind; endlich sind die Stamina nicht frei, sondern Vs — Vsz verwachsen, an den Antheren immer gelb, daher die Kätzchen in jedem Stadium der Entwicklung gesättigt gelb: S. amentis subsessilibus basi foliis junioribus squamaeformibus involutis rectis; squamis concoloribus subrotundo-cuneatis, obtusis, margine pilosis antice barbatis, persistentibus; stylo elongato sügmatibus bißdis lobis divaricatis; staminibus 2 basi Vs — y2 connatis, antlieris flatis; nectario pedicellum ovarii snb- aequante; capsulis onato - lanceolatis glabris longe pedicellatis; semina completa oblonga apice retusa marginata nigra; foliis oblongo- lineai'ibus, a media utrinque attenuatis acuminatis , tenuissime glan- duloso-dentatis, margine subrevolutis , siibtus incano-albo-tomen- tosis. Arbores fruticesve habitu S. fragilis et albae et forsitan hy- briditas de parentibus S. fragilis et rubra, unde nomen: Salix rubra- fragilis. Aus dem Gesagten ist ersichtlich, dass diese Weide mehrere Be- ziehungspunkte mit S. pupurea, rubra und der Form planifolia und leiocarpa von S. hlppophaefolia darbietet, aus welchem Grunde ich dieselbe Salix affinis^ nenne und neben S. hippophaefolia stelle. 81 116. Populus moftilifera Ait. In und um Wien häufig angepflanzt, z. B. in allen Anlagen der Eisenbahnen, in der Au bei ßaumgarten schon verwildert. 117. Atriplex microsperma W. Kit. Auf den neuen Anschüttun- gen hin und wieder. Oktober. 118. Kochia Scoparia Schrad. Auf den neuen Anschüt- tungen vor dem Kärnthnerthor. September. 119. Corispermum nitidum Kit. In der Brigittenau. August. 120. Polycnemum arvense L. var. Im Bette der Wien, beim Dorfe Baumgarten, kommt ein Polycnemum vor, welches ich in diesem Sommer in zwei Stadien beobachtet habe. Das eine Mal fand ich es im Juni, wo es eine zarte Form mit aufrechtem Haupt- stengel und aufsteigenden Nebenästen von 2 — 3" Höhe darstellte. Die Aeste waren fast dreikantig, die Kanten drüsig -haarig und es näherte diese Form sich daher dem P. verrucosum Lang., nur waren die Exemplare im Ganzen etwas robuster als die unter diesem Namen von mir in Siebenbürgen beobachtete Pflanze. Zwei Monate später, Anfangs September, fand ich auf derselben Stelle, welche ich mir sehr genau gemerkt hatte, dasselbe Polycnemum^ aber von riesenmässiger Grösse, so dass ein Exemplar desselben einen grossen Bogen Papier bedeckte. Die Pflanze lag auf dem Boden nieder- gestreckt und repräsentirte das Polycnemum majus A. Braun (in Koch syn. ed. 2 p. 695). Auch auf den neuen Anschüttungen vor dem Burgthor fand ich ähnliche grosse Exemplare, welche wie das erstere längere Brakteen als Perigonialabschnitte zeigten, im Samen aber keine Verschiedenheit vom P. arvense darboten und sich daher, wie schon Neilreich (Nachträge zu 3Ialy's enum. p. 80) ausge- sprochen, als Form oder Var. bewährten. Wir haben hier somit: a P. arvense L. = P. pumilum Hoppe — b P. inundatnm Schrank = P. majus A. Br., von denen das letz- tere die vollkommen entwickelte Form ist, während P. arvense und pumilum^ wenn diese auf Aeckern wachsen, sich erst nach der Erndle entwickeln und die gewöhnliche, kleine Form darstellen. Ich nehme drei gut zu unterscheidende Arten von Polycnemum an: 1. Polycnemum arvense a pumilum Hoppe, b majus A. Br., c inundatum Schrank welches mit den genannten Formen sehr verbreitet ist. 2. Polycnemum verrucosum Lang., welches auf san- digen Plätzen im Marchfelde, Mähren, Ungarn und Siebenbürgen wächst und dem P. arvense sehr nahe steht. 3. Polycnemum Heuffelii Lang., welches Heuffel in seiner Enum. Banat. zwar nicht angibt, welches aber dessenungeachtet im Banat und als südöstliche Form, wahrscheinlich auch in Siebenbürgen vorkommen dürfte. Ich kenne von diesem nur ungarische Exemplare. Weicht im Habitus am meisten von P. arvense ab. 121. Senecio nebrodensis L. Im Bette des Wienflusses bei dem Dorfe Baumgarlen, in Gesellschaft von Epüobium Dodonaei Vill. August. In den Voralpen, an felsigen Orten, ist diese Pflanze peren- 6 Oesterr. Botaa. Zeitschrift. 3. Heft. 1S63. r 82 Hircnd, während dieselbe in der Ebene auf den Aeckern u. s. w. zweijährig erscheint. Auch unsere Wiener Pflanze ist deutlich zwei- jährig, weil die Wurzel mit dem Absterbeh der Blumen ebenfalls schon im Absterben sich zeigt und keine Spur von Blattbüschel oder neue Triebe darbietet, wie dieses bei der Gebirgspflanze nicht der Fall ist. Die perennirende Gebirgsform ist S. rupesiris W.Kit. 122. Cirsium assimile Schur flor. Transs. = C. paluatre- arvense (Näg?). Caule dense foliato; homophyllo 2 ped., simplicifoliis omnibus profunde sinuato-lobatis, glabriusculis, decur- rentibus; pedunculis brenibus , nudis , albo -tomentosis) capitulis ebracteatis subsemiglobosis, in apice-cautis subaggregatis y peran- thodii phyllis adpressis, arachnoideis , inarmatis, in spinam ßavem exeuntibus; corollae limbo 5 partito ; poppo pilis sordide albis apice incrassatis tubam corollae subaequante, filamentis ? fructibus ? ovariis glabris cylindraceis. In der Brigittenau auf sandigen überschwemmt gewesenen Stellen zwischen Weidengestrüpp in Gesellschaft von C. arvense var. incanum und Scirpus radicans. August nicht vollständig ent- wickelt. Das Abmähen der Gegend machte die weitere Beobachtung unmöglich. Ich würde dieses Cirsium ohne weiteres für Cirsium brachycephalum Juratzka halten, wenn ihm nicht die unteren ungetheilten Stengelblätter fehlten. Sollte sich aber heraus- stellen, dass dieses und mein in Rede stehendes Cirsium zusammen gehöre, so würden wir zwei Formen: a heterophyllum , b homo- phyllum zu unterscheiden haben. Im nächsten Sommer mehr darüber. Uebrigens sehe ich keinen Grund , warum Cirsium brachy- cephalum Juratzka und C. assimile Schur, im modernen Sinne der Bastardirungen beurtheilt, nicht Bastarde sein sollten, welche durch Kreuzung von C. palustre und arvense entstanden, obschon es meiner Ansicht mehr entspricht, lieber Arten als Bastarde aufzu- stellen, wenn die vermeintlichen Bastarde konstante Merkmale dar- bieten und sich, durch Samen fortgepflanzt, beständig zeigen. Be- schrieben müssen diese Bastarde auch werden , was oft recht schwierig ist, und der speciellen Botanik wird auf diesem Wege kein besonderer Dienst geleistet. — Wir können doch immer nur sagen: „Vermeintliche oder muthmassliche Bastarde" und wer kann der individuellen Ansicht und Phantasie hier Grenzen setzen. — Mein hier besprochenes Cirsium dürfte demjenigen entsprechen, dessen Koch Syn. ed. 2. p, 1001 erwähnt. 123. Cirsium arvense Scop. var. complanatum. = Serraiula complanata Schw c\g. nicht com/?/«ca?a vieler Autoren. Schweiger leitete diesen Namen von der flachen Beschaffenheit der Blätter ab, und ich habe diese Benennung aus Schweiger's Mund selbst erfahren. Hagen, Reichenbach und ältere Botaniker bedienen sich der Bezeichnung ^complanata^ nicht „complicata'^, welche durch Koch verbreitet zu sein scheint. In der Brigittenau. Juli. 124. Carduus acanthoides L. var. subnudus. Ramis longissimis subsimplicibus monocephalis , pedunculis 3 — 6 poll. nudis vel sub- 83 midis albo-tomentosis, peranthodii phißlis angustis elo?igatis paruni recurms; folüs viridibus glabriusculis. Auf den neuen Anschüt- lung^en vor dem Karnlhnerthor, September. Diese Form ist wahr- scheinlicii die in der Wiener Flora von Neureich p. 266 ange- g-el)ene Pflanze und von Carduus hamulosus Ehrl), sehr verschieden. Manche Exemplare, namentlich die mehr einfachen, sind dem C. hamu- losus etwas ähnlich; allein wer diesen Carduus einmal geseheii hat, wird den Unterschied leicht herausfinden. 125. Carduus Pseudo- hamulosus Schur, flor, Trans. = Card, hamttloso-acanthoides Schur. Ramosissimus^ ramis elongatis versus apicem plerumque in ramos 2 — 3 monocephalos dimsis ; capitulis maximis subnutantibus Card, acanth. duplo majoribus fusco-purpureis-, semiglobosis , peranthodii phyllis siibli?iearibus a basi sensim atte- nuatis, longe acuminatis., apice herbaceo colorato notatis, tenuissimo spinosis, patentibus nee recurris ; pedunculis B — 9 polL, basi foliatis, versus apicem nudis tomentosisque : foliis inferioribus Qradicalibus^ ambitu oblongis in petto lum subalatum atteutitis, subbipinnatis, citeram ut in Carduo hamuloso Ehrh. Planto 2—3 ped. expansa, foliis ob- scure viridibus, siccato nigrescentibus, floribus pulchre purpureis. Auf der neuen Anschüttung vor der Handelsakademie. Juli. — Im nächsten Jahre weiter zu beobachten. Dieser Carduus kommt in Ungarn und Siebenbürgen vor und es ist schwer zu erklären, wie derselbe sich hier nach Wien auf der neuen Anschüttung, welche aus dem Schutt der nahegelegenen Wälle bestehet, verirrt hat, da er sonst nur da von mir beobachtet worden ist, wo Card, hamulosus und Card, acanthoides wachsen ; es scheint mir aber eine vergebene Mühe, sich darüber in Ver- muthungen zu vertiefen. Diese Distel dürfte den Card, hamulosus der früheren Wiener Botaniker repräsentiren und zu den seltenen Erscheinungen in unserer Flora g-ehören (Neureich Flora von Wien p. 266. Nr. 2 y.) — Nach den in andern Floren gemachten Beobachtungen muss ich diese Distel für einen durch Kreuzung von Card, hamulosus Ehrh. und Card, acanthoides L. entstan- denen Bastard halten , welcher in Siebenbürgen unweit Hermann- stadl bei dem Dorfe Hammersdorf wächst, wo Baumg. En. 3 p. 56, n. 1714 Card, hamulosus angibt und wo ich nur den muth- masslichen Bastard gefunden habe, welchen Baum garten wahr- scheinlich für „Cai'd. nigrescens Vi 11." genommen hat, während er Cai-d. hamulosus Ehrh. als Var. von jenem betrachtete. Da Baumgarten die Standorte beider Pflanzen nicht genau geschieden hat, so ist es schwer zu erörtern, welche von beiden der alpinen Region angehören soll, Carduus hamulosus geht nicht über die Hügelregion hinaus. Carduus nigrescens Vi 11. Dauph. 3. p. 5. t. XX. wird von den meisten Autoren dem Card, acanthoides ähnlich angegeben und auch Reichenbach hat diese Ansicht getheilt. Die Baumgarten'sche Beschreibung und der Standort Sz. Ersebeth (Hammersdorf) passen ganz auf unsere Pflanze, ebenso SprengeTs Diagnose in dessen Syst. veget. 3. p. 383. Fassen wir nun das 6* S4 oben Gosagle ziisainmon, so drängt sich uns (Ije Ansiclil auf: dass Carduus tiigricans B ni g. = Card, nigricans Vill. und Carduus Pseudo-hamulosns Schur Synonyme einer und derselben Art oder vielleicht eines Bastardes sind, und dass Card, atpestris Kit. nicht wie Grisb. iler. hung. p. 347 meint, Syn. von C. nigrescens Bnig. En. Slirp. 3. p. 56 sein kann. Auch wäre hiermit die in Neilreich's Nachtrag zu Maly's Enum. p. 116 — 117 gemachte Angabe als ergänzt zu betrachten. 126. Podospernmm Uciniatum D C. = Scorzonera octangularis Wild. = Scorzonera laciniata L. sp. 2. p. 1114. Auf grasigen Ab- hängen in der Nähe des Arsenals. August. In Siebenbürgen wächst diese Art auf Salzboden. 127. Podospermum Jacquinianum Koch. var. integrifolium Schur. = Podospermum oclangulare DC. (et Roth) = Scorzonera laciniata i HC q. Mit der vorigen an gleichen Standorten aber selten. Foliis Omnibus iniegris ohlongo-linearihus. i28. Podospenmwi Jacquinianum Koch. var. incanum Schur = P. canum C. A.Meyer ind. p. 62? = Scorzonera laciniata Poll.? An der Landstrasse bei Rothneusiedl habe ich im Juni eine Podospermum gefunden, welche dem P. canum Meyer der Beschreibung nach entspricht und auch mit der Pflanze stimmt, welche ich in Siebenbürgen beobachtet und als P. Jacquinianum var, incanum bestimmt habe. Ich halte diese Pflanze für keine constante Art; denn im zweiten Sommer nach der Aussaat hat das P. Jacquinianum, wenn es zur Blüthe gelangt, keine sterilen Blatt- büschel, sondern nur blühende Stengel, wie ich mehrere dergleichen Exemplare aus Siebenbürgen besitze. Dabei ist die Pflanze nicht selten weissfilzig und von grauem gleichsam bestaubten Ansehen und solche Exemplare dürften das „P. canum^ repräsentiren. Doch dieses ist keine massgebende , sondern nur meine individuelle Ansicht. 129. Hieracium glaucescens Bess. in Koch. syn. ed. 2. p. 514. an Hieracium Auricuta-praealtum? H. caule erecto subflexuoso saepe a basi ramoso tereti subglabro, foliato; foliis caulinis 2 — 4 minimis a basi ad apicem caulis decrescentibus, basi pilis raris rigidis diametro petioli multo brevioribus notatis, foliis radica- libus carnosis glaucis, costa setoso excepto, glabris, obrerse lan- ceolatis, brene acuminatis, ad 10 lin. latis, margine remote incon- spicue callose dentatis , in petiolum latum selosum exeuntibus ; stolonibus elongatis selosis; capitulis minimis fastigiato-corymbosis, ante anlhesin glomeratis, pedunculis capitulisque tenue canescen- tibus setisque atris glandulosis vestitis. Interdum caespitosum, caulibus 6 — 12 poll., corymbo 10 — 80 capitulis gereute, flosculis intense flavis; phyllis peranthodii tiridibus dorso atris. Auf der Stadtmauer der Biberbaslei. August. Obschon ich die Originalpflanze Bessers nicht gesehen habe und dieses Hieracium nur aus den Beschreibungen - gewichtiger Autoren kenne, so glaube ich dennoch, dass meine Pflanze mit der S5 linier diesem Namen exislironden Besser'schen überfinstiiiuiil. Auch sind die hiesigen Exemphire voUkoniinen identisch mit denen hei Kronstadt in Siebenbürgen, also auf 120 Äleilen enifernttni Stand- orten, gesammelten. Ich betrachte dieses Hieracium als eine gute Art und kann selbiges weder zu H. praealtum Wimm. et Grab, noch zu irgend einer dahin gehörigen Form zählen. Es vereinigt die Charaktere von H. Auricula L. und H. praealtum var. Bauhini Schult., ist aber auf den ersten Blick durch die kleinen, zahl- reichen Blüthenköpfchen und durch kurze, glatte, blaugrüne Blätter ausgezeichnet. Am nächsten steht es auf jeden Fall dem H. praeal- tum. Nach Fries, Neil reich Beiträge zu Maly's Enum. p. 132 soll H. glaucescens Bess. nichts mehr noch weniger als H. Auri- cula L. sein und in diesem Falle müsste mein hier in Rede stehendes Hieracium eine nova species sein, was ich aber in Abrede stelle. 130. Ammi majus L. Auf den Kleeäckern und am Rande der- selben bei Hernais, Oktober blühend, auch in der Nähe des Arse- nals. Auf den ersten Blick im Habitus der Falcaria Rwini und Daucvs Carota etwas ähnlich, mit denen es auch gemeinschaftlich vorkommt und daher leicht zu übersehen. Auch dürfte die späte Blüthenzeit Ursache sein, dass es nicht häufiger beobachtet wird. Anfang Oktober noch ohne reife Früchte. 131. Aethusa data Friedl. in Ledeb. fl. Boss. 2. p. 270. Im Bette der Wien bei Schönbrunn. September. Stengel bis 6' hoch 2" dick, von der Basis an ästig, die Aeste lang, vieläslig; die Dolden klein, milchweiss, die Blumen sehr klein. Stimmt mit der in Siebenbürgen gesammelten Pflanze ziemlich überein. Ich vermuthe jedoch, dass zwischen A. cynapioides M. Bieb., A. elata i>iedl. kein besonderer, fester Unterschied obwaltet, eben so wenig, wie zwischen A. Cynapium und A. agrestis. 132. Bifora radialis M. Bieb. Einzeln auf den Aeckern in der Nähe des Friedhofes bei Wilhelmsdorf* am Wege zur Eisen- bahn. Juli. 133. Foeniculum officinale All. In diesem Jahre nicht selten auf den neuen Anschüttungen links vom Karnthnerlhor, links und rechts vom Wege zur Mondscheinbrücke mit Anethum graceolens, Panicum germanicum, Coriandrum sativum, Sinapis nigra u. s. w. 134. Ranu7>culus tuberosus Schur (an Lapeyr?) Oesterr. bot. Zeitschrift 1861 Hft. 3 p. 81 und 1862 Hft. 10 p. 320. Dieser Ranunkel steht noch in offener Frage. Nach Herrn von Janka's Mittheilung soll derselbe ,,Ranunculits Frieseanus Jord." = R. syicaticus Fries. = R. lanuginosus D C. sein, was ich jedoch nicht in der vollen Ueberzeugung der Wahrheit, sondern nur in der Absicht nacherzähle, damit die Botaniker diesem Gegenstande ihre Aufmerksamkeit zuwenden mögen. Ich will hier nur noch bemerken, dass R. lanuginosus 5 D C. = ß. constantinopoUtamis D'Urv. ist und dass ich die Identität dieser beiden Ranunkeln schon früher angedeutet habe. R. syicaticus Thuil. hat schon Sprengel syst. 2 p. 652 = R. Stevenii Bess. = R. rufulus Brot. 86 und beide = R. acris L. angegeben, es ist aber damit noch keines- wegs festgestellt, dass R. strigulosus Schur =ß. Stevenii He uff. hierher gehören. Merkwürdig ist die Mittheiiung des Herrn Janka, dass unser Ranunculus acris L. der Wiener Flora und der meisten Botaniker nicht diese allgemein bekannte Art, sondern ein neuer Ranunkel nämlich „ß. Boreanus Jord." sein soll. Ich habe einmal die An- sicht eines grossen Botanikers nachgesprochen, „dass nämlich die Botaniker nicht über die Namen von 1000 Arten voll- kommen einig wären." Aber diese Ranunkelgeschichte zeigt uns, dass diese Anzahl viel zu gross angenommen ist. Der langen Rede kurzer Sinn ist also: dass unser R. acris (h.~) = R. Borea- nus Jord. und R. strigulosus Schur. =: R. Stevenii Heuff. = R. acris L. (Jord.) und R. tuberosus Schur == R. Frieseanus sein seil. Möge Flora unsere Sinne entwirren! 135. Batrachium paucistamineum = Ranunculus paucista- minens Tausch. =: R. aquatilis s. pantothrix Koch. Im Neu- städter Kanal und in der Liesing-. Juli. 136. Erucasfrum obtusangulum Rchb. Seit 20 Jahren von mir auf den Aeckern bei Inzersdorf, zwischen dem Friedhof und der Laxenburger Allee beobachtet. Juli. Einzeln auf den neuen Anschüttungen in Wien. September. 137. Cochlearia officinalts L. ? (an Neilreich Flora von Wien p. 502.?) Im Bette der Wien von Obermeidling beobachtet, zahlreich vor Schönbrunn. Mai. Ob die hiesige Pflanze die wahre C, officinalis L. ist, wie solche in den nordischen Gegenden wächst, ist mir zweifelhaft. Sie stimmt mit der von mir in Siebenbürgen an ähnlichen Standorten gesammelten, welche ein Flüchtling aus pharmazeutischen Gärten zu sein seheint, überein und beide gehören, wie mir scheint, zu Cochlearia oblongifolia DC. syst. 2. p. 363., welche wiederum eine^^Var. von C. officinalis L. sein dürfte. Von C. officinalis der Wiener Flora, wie selbige bei Moosbrunn auf Moorboden wächst, ist meine Pflanze sehr verschieden und ich halte selbige für Cochlearia pyrenaica DC. oder C. groenlandica Host., welche nicht nur durch die grö«'seren Blumen, son- dern vorzüglich durch den eigenthümlichen Bau der Wurzel von der im Bette der Wien wachsenden abweicht. Doch mag ich auf diesen Umstand kein zu grosses Gewicht legen, da die verschiedene Beschaffenheit des Bodens hier von grossem Einfluss sein wird. Die bei Moosbrunn wachsende könnte man C. officinalis rnacrorr- hiza, die in dem Wienbette wachsende C. officinalis microrrhiza nennen. 138. Nastiirtium armoracioides Tausch, an Nasturtium austriaco-amphibium = N. terrestre Tausch, (ut mihi videtur). Im hinteren Prater in einer Lache in der Nähe des Dampfschiffplatzes, links von der Hauptstrasse. Juli. 139. Camelina sativa Cvniz. Von dieser Pflanze habe ich hier, wie in Siebenbürgen, folgende Modifikationen beobachtet, welche 87 von vielen Autoren als Arten behandelt werden. 1. microcavpa --= C. microcarpa Andrz., 2. macrocarpa = C, macrocarpa Schur flor. Transs., 3. dentata = C. dentata Pers., 4. pinnatifida = C. pinna- tißda Hörnern., 5. glabrescens = C. sativa ß glabrata DC Auf den neuen Anschüttungen in Wien. August — September. 140. Senebier a Coronopus ?oir. Im Bette des Alserflusses vor der Hernalser Linie. August. 141. Polycarpon tetraphyllumL. fil. Auf dem Eisenbahndamme hinter Klederling. August. 142. Phytolacca decandra L. Im Prater am Wiener Kanal auf Schotterhaufen seit mehreren Jahren. August. 143. Portulaca oleracea L. Im Dorfe Klederling, häufig, auf den neuen Anschüttungen in Wien. September, 144. Nuphar luteum Sm. In dem Gewässer zwischen den Brücken rechts. August mit reifen Früchten. 145. Astragalus sulcatus L. Riesenexemplare auf der neuen Anschüttung vor dem Handelsakademiegebäude. Juli. Wien, am 5. December 1862. Neue Pflanzenarten, gesammelt auf der transatlantischen Expedition Sr. k. Hoheit des durchlauch- tigsten Herrn Erzherzogs Ferdinand Maximilian von Dr. H. Wawra und Franz Maly, beschrieben von Dr. Heinrich Wawra, k. k, Fregattenarzt. A^X, jLasiandra Intperutoris *) Arbuscula ramulis teretibus, summis quadrangulis hirtisqiie. Folia petiolata chartacea , elliptico- oblong a utrinque acuta, sparse hirta, trinernia. Paniculae terminales floribundae , macranthae, ramis trifloris. Flores pedicellati in praefloratione bracteis 2 extus hirtis involucrati, hexameri; calyx campanulatus tubo rufo-strigoso, laciniis tubo aequitongis, linealibus, obtusis dorso medio strigosis, ciliatis; petala obovata, calyce snbtriplo longiora, ciliolata, violacea. Stamina 12, ßlamentis basi setosis , antheris aciitis, connectino infra loculos producta, basi postice gibbosis et antice tuberculato- glandulosis; Stylus filiformis, basi purcissime setosus- Germen 6 loculare , dissepimentis calycis tubo adnatum , supra densissime rufo-strigoswn; Capsula parum incrassata; semina scobaeformia, cochleata. *) Sr. M. dem Kaiser von Brasilien Dom Pedro II. zu Ehren su genannt. •88 Itaparica in sylvis „Catinga'''' dictis. Arbuscula ramulis opposüis patentibus , pennae anserinae crassitie, teretihus glabris, superne quadrangulis et cum panicula adpresse hirtis, einer eisque. Folia opposita 6 — 4 lin. ab invicem remota, petiolo '^/i polUcari , teniie, supra canaliculato pubescenti- hirto fulta, eUiptico-oblonga vtrinque acuta 2}/i —3 pollices longa, pollicem circiter lata, margine deflexo integra vel obsolete crenu~ lala, parce et adpresse ciliolata, chartacea, ulrinque setulis bre- tiissimis sparsis adpressis, in nervis subtus confertioribiis et longi- oribus hirtula, supra opaca, subtus pallidiora et subnitidula, nervis marginalibus praetermissis trinervia, nervis supra impressis subtus prominentibus. Panioulae terminales floribundae , ramis quadran- gulari-compressis oppositis , inferioribus foliis a reliquis haiid discrepantibus tnunitis , superioribus nudis , 10 — 6 lin. longis ac totidem circiter ab invicem remotis, trifloris. Flores hexameri, pedicellati, pedicello 3 lineari, eo ßoris alaris plerumque longiore., in alabastro vulvatim involucrati bractcis binis lineam circiter infra calycem sessilibus, eo aequilongis, late-obovatis , rolundatis, extus rufo-hirtis , intus glabris ac venulosis, demum caducis. Calyx campanulatus 4 lin. longus, tubo rufo-strigoso, laciniis tubo aequi- longis linealibus lineam latis rolundatis, dorso media strigosis, laterioribus ac intus glabris, margine ciliatis, violaceis, caducis, den- ticulis inter larinias minimis, tuberculiformibus post laciniarum delapsum conspicuis. Petala obovata 10 lin. longa 5 lin. lata, inaequilatera, apice rotundata aut truncata, subtiliter ciliolata^ violacea. Stamina 12, subinaequalia alternantia oppositis sub- minora et nonnunquam parcius glandulosa; filamentis inferne setosis 5 lin. longis; antherae filamentis aequilongae , acutae, apice violaceo uniporosae, loculis levibus introrsis in ferne flavis, connec- tivo parum infra loculos producta, dorso gibboso , antice basi glandularum breve stipitatarum cumulo tuberculatae. Stylus exsertus, petalis quadrante parte longior, incurvus, inferne setulis 3 — 4 praeditus , molaceus. Germen dissefimentis calycis tubo adnatum, supra conrexum et retUiUm, 12 siUcaium, densissime rufo- strigosum, 6 loculare, ovulis numerosissimis. Capsula parum incras- sata. Semina scobaeformia, cochleata. Durch die hexumeren Blülhen von allen bis jetzt bekannten Lasiundeen verschieden. Selbst als Varietät einer pentameren Grundart würde sich letztere von ihren nächsten Verwandten aus der Gruppe „Involucrales" der L. Tibouchinoides DC. durch die fast kahlen Aestchen, die breiteren und viel länger gestielten steifen Blätter, durch den zusammengesetzten Blüthenstand, die Zweizahl der nicht purpurnen, abgerundeten Blüthenhüllblätter und durch die abgerundeten , nur in der Mittellinie borstigen Kelchzähne unter- scheiden. 8!) XXI. Miconia atraia. Clidemia afrata? Spring. Flora XX. Beibl. II. 78. Frutex 4 — 5 pedalis ramulis teretibus adpresse hirsutis. Folia ampla, longe petiolata membranacea, ovata longe et anguste acuminata , margine purpurascente sinuato -denticulata ac dense ciliata, puberulo hirta subius hirsuta, quinquenerma venitlarum rete supra inconspicuo , subtus prominulo. Panicula terminalis, nigrescenti hirsuta, ramis divaricatis brevibus, trichotomis, pedun- culis trifloris, floribus sessilibus. Calyx hirsutus, quinque-dentaliis, dentibus minutis rotundatis. Petala semiorbicularia , purpurea. Stamina 10 filamentis ßliformibus glabris, antheris apice obtusius- culo uniporosis, basi dorso minute gibbosis, loculis infra gibbuni productis. Stylus filiformis glaber. Ovarium s emiin f e rum , libero apice setosum, reliqua parte glabrum^ triloculare, polyspermum. Corcovado in aquaeducto. Frutex 4 — 5 pedalis, ramulis teretibus (novellis quadrangulis^ adpresse ochraceo-hirsutis. Folia opposita, 2- summa 1 poll. ab invicem remota, ejusdem paris nunc inaequalia altero duplo majore, nunc subaequalia, petiolo iVz — 1 pollicari tereti supra anguste canaliculato ochraceo- in summis roseo inlerdum et nigrescenti hirsuto, 6 — 4 pull, longa, \\^/i — 2 poll. lata, ovato-elliptica , basi rotundata apice longe et anguste cuspidato-acuminata , margine purpurascente minute sinuato-denticulata ac dense ciliata^ membra- nacea , supra saturate viridia , minute ast dense puberulo-hirta, subtus pallidiora, hirsutula, pilis in nervis diver gentibus; quinque- nerma, nervis venulis parallelis supra inconspicuis subtus promi- nulis inter se conjunctis. Panicula terminalis nigrescenti-hirsuta breve pedunculata 2 — Spollicaris, ramis bracteis minimis filiformibus fultis, oppositis, divaricatis, simpUcibus , 8 lin. circiter longis ac totidem ab invicem remotis , trichotomis^ pedunculis 2 lin. longis, trifloris, floribus sessilibus. Calyx obovato-campanulatus , supra ovarium valde productus,2 lin. longus, glanduloso hirsutus-mllosiis, quinquedentatus, dentibus distantibus semiorbicularibus tubo quin- quies brevioribus. Petala summo calycis tubo inserta, semior- bicularia , lineam longa lineamque lata , integerrima , glaberrima, purpurea. Stamina 10, subaequalia, filamentis basi alveolis inter calycem et ovarium parum profundis immer sis , 2 lin. longis fili- formibus, glabris, antheris aequilongis, supra basin affixis, apice obtusiusculo uniporosis , connectivo postice prominente , basi bre- vissime tuberculato, loculis basi discretis. Stylus petala duplo superans, filiformis, glaber, incurvus, stigmate capitato. Ovarium semiinferum apice setosum, caeterum libera parte glabrum, trilo- culare, polyspermum. Die Gattung Miconia unterscheidet sich von Clidemia nach Naudin durch die abgerundeten Perigonaltheile. In der kurzen Beschreibung von Spring fehlt die Angabc über die Form der- selben, und Naudin, dem wahrscheinlich kein Exemplar dieser 90 Pflanze zu Gebote stand, stellt dieselbe vorläufig „ad species forsan huc (ad Clidemiam) referendas (onn. de sc. nat. ser. 3. XVII. 374). Die reifen Samenkapseln sind an unsern Exemplaren durch Insecten leider verwüstet; so viel sich durch Analogie aus der Form der Samenknospe schliessen lässt, sind auch die Samen unserer Pflanze schneckenförmig. Wien, den 13. Februar 1863. Descriptiones plantarum novarum florae hungaricae et transsilvanicae. Auetore A. Kerner. /. Saxifraga fonticola, Rhizoma teres, horizontaliler repens, praemorsum, fibris crassis descendentibus auctum, non raro fistulosum. Caulis erectus, robustus, superne sparse foliatus, pani- culato-cymosus, pedunculorum instar glaberrimus. Folia sicut petioli glabra, reniformia, in basi sinu apertissimo cordata, basilaria longe petiolata, dentata, caulina brevius petiolata, basilaribus conformia, summa sessilia, cuneiformia, tridentata vel integra. Dentes foliorum ex ovata basi triangularia, acuta. Rami inflorescentiae simplices, uniflori, rarius ramosi et 2 — 3 flori. Calix inferus. Sepala patula, ovata obtusiuscula. Petala oblonge ovata, obtusa, stellate expansa, calice bis et semissi longiora, alba, infra medium punctis citrinis, supra medium punctis purpureis notata. Puncta magna, irregulariter dispersa, superiora purpurea saepe diflua. Caulis 6—12" alt. Fol. 1—2" lat. Sepala iVt'" long, i'" lat. Petala 4'" long. 2"' lat. Habitat in regione alpina Carpatorum orientalium ad margines fontium et rivulorum in solo schistaceo; imprimis in tractu fluvii Aranyos infra montem Cucürbetam, gregariter crescens cum Silene quadrißda L., Sedum Fabaria Koch et Swertia punctata Bmg. Saxifraga fonticola diff'ert ab omnibus afiinibus glabritie omni um partium et insuper a S. rotundifolia L. et S. olympica Boiss. calicis sepalis et petalis latioribus et punctis petalorum majoribus, irregulariter sparsis, nee secundum lineas longitudinales ordinalis. A S. repanda Willd in Sternb. rev. Saxif. p. 17. S. rotundifolia ß. repanda Don Saxif. in trans. linn. 13. p. 361 et huic similUma vel prorsus aequali S. heucherifolia Gr. et Schk. It. hung. p. 3 17 sinu foliorum basilari aperto, nee clauso, et ab illa et a S. chryso- spleni folia Boiss. insuper dentibus foliorum acutis triangularibus nee rotundate acutiusculis. 2, Cytisus leiocarpus, Suffrutex. Ramuli adulli lignosi, decumbentes vel adscendentes, plus minus elongati, juniores hcrbacei, 91 erecti , vere pilis sparsis adpressis vel erecte patulis sericei vel glaberrinii. Folia ternata. Foliola elliplica vel obovafa, obtusa vel brevissiinc apiculata, integra, utrinque viridia, subtus pallidiora, vere pilis sparsis adpressis obsita, aestate magnopere ampliata et glaber- rima. Flores omiies in ramulis annotinis laterales, solitarii vel 2 — 3 fasciculati, breviter pedunculati, pedunculis dimidiata calicis longitu- dine. Flores terminales nulli. Calix ovate oblongus, viridis, glaber vel pilis sparsis adpressis obsilus, tubo limbiim duplo superante, labii superioris dentibus patentibiis, acuminatis. Flores livide flaves- centes. Petala glaberrima, non ciliata. Legumen sicut germen gla- berriiinim, maturiim atronitidum. Ramuli Vj— 1' long. Foliola fol. aestiv. 1— iVz" long. V2-y4"'lat. Vexillum 1" long, Va" lat. Legumen maturum 1" long. 3'" lat. Habitat in locis petrosis regionis fagi Carpatorum orientalium solo calcareo. In tractu fluvii Koros in montibus infra Petrosam et Rezbänyam, imprimis in cacumine montis Tartaroea et in parte Orientali montis Petra muncellu, gregaria cum Genista scariosa Viv. Cytisus leiocarpus difFert aC ratisbonensi Seh SLeHer calice viridi, foliis latioribus, adultis glaberrimis et leguminibus glaberrimis. A C. purpur eo S cop., quocum calice viridi et leguminibus glaber- rimis convenit, petalis non ciliatis et dentibus calicinis acuminatis diversus. Color florum neque aureus ut in C. ratisbonensi, neque purpurascens ut in C. picrpureo, sed est livide flavus, medius inter aureum et rubrum, potius colorem C. capitati et C, hirsuti referens. A C. hirsuto ß. ciliato Koch et C. prostrato ß. ciliato Koch, C. ciliato Wahlbg. difFert C. leiocarpus Yd^mwWs et leguminibus gla- berrimis et foliis glaberrimis vel in juventute adpresse serieeis. Planta media inter C. ratisbonensem et C. purpureum minime hybrida eorum est, cum neutrum ibi gignatur ubi C leiocarpus invenlus est. Oenipontum, 15. Febr. 1863. Fhänologische Notizen aus Griechenland. Von Theodor von Heldreich. Periodische Erscheinungen der Pflanzenwelt in der nächsten Umgebung Athen's im December 1862. Das Wetter war in diesem Monat überaus veränderlich; im Allgemeinen ziemlich feucht und stürmisch. Die Zahl der Regen- tage belief sich jedoch nur auf sechs. Am 4. Dec. fiel der erste S c hnee auf den' höhern Bergen Attika's. •'O Es folgte kühles Wetter *) Die höhern Berge Attika's sind: im Norden Athen's der Parnes von 43ÖT, im Osten der Pentolikon von .3465 und im Süden der 92 mit Nordwind und am 18. Dec. fiel etwas Schnee in der Stadt Athen selbst und ihrer nächsten Umgebung, der jedoch in wenigen Stunden wieder wegschmolz. Bei dem bald darauf eintretenden milderen Wetter verschwand aller Schnee auch von den höhern Bergen der Attika wieder. — Die mittlere Lufttemperatur im Schatten nach den wie gewöhnlich dreimal täglich angestellten Beobachtungen, betrug -h 7, gs** C. Am 21. Dec. um 2 Uhr Nachmittags beobachtete ich den höchsten Thermometerstand: + IS'^C. Zweimal kamen leichte Nachtfröste vor, nämlich am 19. und 29. Dec, an denen am frühen Morgen das Thermometer — 0, 50*^ C. zeigte und in der Nacht vielleicht bis auf — 1*^ C. gefallen war. Am 31. Dec. hatten wir das schönste Wetter und Nachmittags 2 Uhr H- 16, 80^ C. und spät Abends noch +8, 40*^ C! Die im vorigen Monat angebauten Cerealien hatten bereits Anfang December allenthalben gekeimt und bekleiden wieder mit frischem Grün die während vieler Monate in grauer Dürre verbliebenen Felder der Attika. Auch unkultivirte Stellen fangen an zu grünen von unzähligen Sämlingen verschiedener wildwachsender einjähriger Pflanzen, vorzüglich aber von Poa annua Lin. Die Früchte von Citrus Aurantium und Citrus Limonium reifen. Süsse Orangen und Citronen kommen in grossen Massen auf dem Athener Markt. Mit grünem Gemüse ist letzterer noch reichlicher bestellt als im vorigen Älonat (vergl. den letzten November-Bericht). Alle Laubhölzer haben in diesem Monat ihren Blätterschmuck vollends verloren, nur Salix Babylonica und Populus alba tragen meist noch das gelb gewordene Laub. Es blühten im Laufe des Decembers folgende Pflanzen: (N. B. Die mit Dec. bezeichneten fingen erst in diesem Monat zu blühen an, die mit * bezeichneten sind, wie schon früher bemerkt, noch vom Sommer her in der Blüthe.) 1.) Um Athen wildwachsende Pflanzen im December blühend: '"'Cyperus rotundus L. ^-^'Sonchus ciliatus Lam. Colchicum montanum L. '■'Helminthia echioides Gärtn. Ruscus aculeatus L. Dec. Lamium perfoliatum L. Dec. Allium Chamaemoly L. Solanum nigrum L. Crocus Boryi Gay. — hiimile L. Arisarum nulgare Targ. Dec. Veronica agrestis L. Dec. Parietaria diffusa M. et K. De c. Cyclamen Graecum Link. Polygonum pulchellum Loisl. Arbutus Unedo L. Matricaria Chamomilla L. Dec. Erica verticillata Forsk. Dec. Anthemis Chia L. Anemone coronaria L. Calendula arvensis L. Dec. Capsella bursa Mch. Dec. — bicolor Ra f. Dec. Euphorbia helioscopia L. Dec. 2.) Um Athen kultivirte Nutz- und Zierpflanzen im Freien blühend : Hymettus voa 3189 Paris. Fuss Seeliöhe. (Die Messungen nacl; Herrn Jul. Schmidt Direktor, der Athener Sternwarte. ) 93 Rvscus Hypophyllum L. D e c. Narcissus Tazetta L. Plumhago Capensis L. Nardosmia fragrans, Zinnia e leg ans. Gaillardia aristata. Pyrethrum Indicum. Calendula officinalis. Vinca major. D e c. Salvia Grahami. Rosmarinus officinalis. Verbena chamaedvyfolia. Solanum auriculatum. — jasminoides. — Pseudocapsicum. Nicotiana glauca. — Tabacum. Athen, den 15. Januar 1863. Cestnim elegans, Petunia nyntaginiflora. Antirrhinum majus. Justicia Adhatoda. Mathiola annua. D e c. — incana. Lobidaria maritima. Iberis amara. Dianthus Chinensis. Abutilon striatum. Schinus Molle. Rhus viminalis. Eriobotrya Japonica. Chimonantkus fragrans. Dec. Rosa Bengalensis et species plurimae. Acacia Farnesiana. Ovobtis pisiformis AI. Br. an Herrn Hölzl. „Lieber Herr Hölzl! Ich ersehe aus den Verhandlungen der k. k. zoologisch -botanischen Gesellschaft zu Wien, dass Sie am 5. November besagter Gesellschaft einen Lathyrus pisiformis Lin. vorlegten, der von Ihnen in Südgalizien gefunden war. Dieser Fund hat mich recht interessirt und gefreut. Sein Vorkommen [laselbst war bisher nicht bekannt; doch ist es nicht sein westlichster Standort, indem er selbst in Preussen bei Thorn wächst, doch also nicht auf deutschem Boden. Aber unangenehm hat es meine Nerven berührt, dass Sie mich immer noch mit meinem altmodischen Linne'schen Namen benennen. Haben den seit 100 Jahren alle die Heroen der Botanik im KyfThäuser geschlafen? Quandoque dormitat et magnus Homerus, aber schlief er den immer ? Ist Ihnen nicht bekannt, dass mich bereits der gefeierte Alex. Braun Orobus pisiformis antibaptizirt hat und dass dieser Name , auf dem ich leben und sterben will, selbst von dem Monographen der Vicieen, einem gew. Alefeld, der die Blülhen (und meist auch Früchte) sämmtlicher 250 Vicieen genau untersuchte , ja fast die Hälfte der- selben sogar lebend , wie eben meine eigenen Blüthen — wissen Sie nicht, dass mein neuer Taufname von eben diesem Ale fei d' (einem der grüssten Botaniker, da er schon bei seiner Musterung achthalb Fuss rheinisch mass), acceplirt wurde ? Carissime Hölzl! Ich halte Sie für einen Freund von mir und entschuldige Sie mit etwaiger Unkenntniss der Sachlage; sollten 94 Sie sich aber doch je wieder unterfangen, mich mit meinem alt- fränkischen Namen zu schimpfen, so fällt diese Entschuldiffung- weg und Sie müssen sich gefallen lassen, dass ich thue, als sei ich nicht gemeint, oder dass ich mir mit ülyssischem Wachse die Ohren völlig verstopfe, ja ich könnte selbst so in Affe et kommen, dass ich Ihnen meine vielen Zähne zeige und mit Blut und Eisen drohe. Da Sie hoffentlich eine Lanze für mich nicht scheuen und nicht zu den Freunden gehören, vor denen mich, wie ein aller Römer sagte, die Götter bewahren mögen, so bitte ich Sie geehrtester Herr Hölzl, mir behülflich zu sein, dass wieder Sweets Lathyrus mutabilis mit mir vereinigt werde , damit es mir nicht gehe , wie meiner unglücklichen Nachbarin ßdtos die, wie bekannt, von einem berüchtigten Species-Tiger in dritt-halbliundert Species jämmerlich zerrissen wurde. Was half der guten, menschenfreundlichen kinder- erfreuenden ihr treffliches Rüstzeug , was ihre Streitbarkeit und ihre, wie altschweizerische Morgensterne drohend erhobenen Arme ? Auch bitte ich Sie, lieber Herr Hölzl, meine Base Ervum pisiforme Peter mann ebenfalls nie mehr mit ihrem Linne'schen Namen zu nennen, sie möchte Sie sonst aus Rache einmal mit ihren vielen Schlingen fangen , wie einen Krametsvogel und Sie einmal ordentlich zappeln lassen. Sie gehört zur Sippe Ervum und nimmermehr zu Vicia, so lange man nicht vorzieht, alle Yicieen in eine einzige Sippe zu vereinigen. Wie können Sie dem guten alten Linne zumuthen, bei dem kolossalem Material, das er zu bewältigen hatte, jeder einzelnen Species Gattungselemente unter- sucht zu haben ? Warum soll auch Ervum pisiforme Peterm. nicht in Galizien wachsen , da diese so überleicht kenntliche Pflanze daselbst schon gefunden wurde, aber auch in allen Ländern rings um Galizien wächst ?" So oder ähnlich würde Orobus pisiformis AI. Br, zu Herrn Hölzl gesprochen haben, wenn noch die Zeit wäre, da die Thiere und Pflanzen reden konnten. A. für 0. p. Correspondenz. Wien, den 12. Februar 1863. Für Ihre Tauschanstalt beifolgend eine Mehrzahl Exemplare von Thalloidima mamillare Gouan., das ich am letzten Jänner d. J.. zu meiner nicht geringen üeberraschung an Kalk- und Dolomitfelsen „im Vorderbrühl" bei Wien auffand. Nachdem der in Körbe r's Systema Liehen. Germ, angeführte Fundort (der kleine Röthenstein in Tirol) laut Note auf p. 252 desselben Werkes zu streichen ist, so ist „der Brühl" der zweite bis jetzt bekannte deutsche Standort dieser merkwürdigen, in Frankreich, Spanien und Italien einheimi- schen Flechte, die für die deutsche Flora zuerst Arnold in Baiern 95 ( Allmühlllialj entdeckte (Kürbcr Parerga Lieh.'). Sic findet sich Hin anoeführten Orte und zwar meist versteckt in Felsritzen — im Ganzen fast häufiger als die ebenfalls rare, prachtvolle Psora fesfacea Ho ff m,, mit der sie stellenweise gesellschaftlich wächst und der zu Liebe ich während dieses Winters schon dreimal nach Mödling fuhr, ohne dass es mir bis zur Stunde gelungen wäre, von derselben eine für Körber's „Lichenes selecti Germaniae'^ aus- reichende Anzahl (^50 Exempl.} zusammen zu bringen. Dr. J. B. Holzinger. Prag, den 8. Februar 1863. Da ich demnächst ein kritisches Verzeichniss der im Kaiser- staate nachgewiesenen Characeen drucken lassen will, so wären mir Zusendungen von Pflanzen dieser Familie sehr willkommen und zwar in allen Formen, selbst den gemeinsten, den oft sind solche unrichtig bestimmt und das angeblich Gemeine ist eine Seltenheit, oder oft befindet sich zwischen Gewöhnlichem ein einzelnes kleines Aestchen, gross und charakteristisch genug, um einen neuen Stand- ort nachweisen zu können. So eine von Ziegler gesammelte an- gebliche Ohara hispida „in aquis stagnantibus litoris veneti. 6. 1846" eine grosse Seltenheit, aber keine Ch. hispida ist. Auch Dr. Reichardt hat dei Moosbrunn zwischen schönen Formen von Ch. foetida eine andere Seltenheit, die Ch. intermedia A. Br. und zwar in vollkommenster Ausbildung gesammelt. Hetzen sie doch auch jetzt alsbald die Sammler auf die Tolypella-3agd. Nitella {Tolypelld) intricata A. Braun, hat bei Berlin bereits im halben März reife Früchte, dann verschwindet sie. Diess ist vielleicht der Grund, warum bisher so wenige Standorte dieser Pflanze bekannt sind. Sie findet sich in tiefen, am liebsten etwas moorigen Gräben. Da das Klima Wien's milder ist, als das von Berlin, so kann sie am ersteren Orte sich wohl um eine Woche früher entwickeln, zumal nach diesem milden Winter. Auch die bisher nur an zwei Orten nachgewiesene Chara tenuispina A. Br. hat Karl Schimper, als er sie nach mehr als zwanzig Jahren wieder fand, so früh im Jahre vollkommen entwickelt gefunden, dass sie mit Eisnadeln bespickt war, wesshalb er sie Ch. belemnophora nannte. Diese liebt die gleichen Standorte, wie T. intricata. In Veselsky's und Ferstler's Herbar hat sich manche sehr interessante Form gefunden. Ausser Cha- raceen beschäftigen mich, wie sie wissen, die Violen und neuer- dings die Familie der Ranunculaceen. Da ist mir denn auch Alles willkommen. Viola Jooi Janka ist eine ausgezeichnete Art, die in zwei Formen vorkommt, mit langem und mit kurzem Sporn. Im Feldsberger Teich an der mährischen Grenze kommt Isoetes setacea B ox. nicht /. lacustris L. vor und in Siebenbürgen Isoetes echinospora Durieu. Ob Isoetes lacustris nicht ausserdem auch noch daselbst gefunden wird , bleibt zweifelhaft. Die böhmische Isoetes ist die echte /. lacustris L., diess theilte mir kürzlich A. Braun mit. Dr. Hermann F. v. Leonhardi k. k. Univ. Professor. 96 Graz, den 10. Februar i863. Mit meiner Gesundheit geht es mir immer gleich schlecht, aber ich sitze und arbeite. Jetzt wird bei Braumüller in Wien ein Werkchen von mir über die österr. Medicinalpflanzen gedruckt, welches im März in den Buchhandel gelangen soll. Janka's analytische Zusam- menstellung der europäischen Carices haben mich sehr interessirt. Botanische Werke werden grösstentheits wie alle andern auf Druck- papier gedruckt, in den meisten aber kommen Druckfehler, Ver- besserungen und Zusätze vor, die vor dem Gebrauche alle korrigirt und gehörigen Ortes angezeigt werden müssen, um das Buch gehörig gebrauchen zu können. Ich habe daher von jeher alle meine botanischen Bücher vom Buchbinder planircn lassen, wodurch das Druckpapier in Schreibpapier verwandelt wird, worauf man dann alles gehörig verbessern kann. Dr. Josef Maly. Personalnotizen. — Dr. August Garcke ist zum zweiten Custos an dem k. Herbarium zu Berlin ernannt worden. — Josef Dieffenbach, pens. Obergärtner des botanischen Gartens in Wien, starb am 20. Jänner nach einer kurzen schmerz- haften Krankheit, im 73. Lebensjahre. — Carl Fritsch, Adjunkt der kais. kön. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, übernahm die Leitung obiger Anstalt, welcher überdiess Professor A. Tomaschek als Assistent zugetheilt wurde. — Adolf Senoner wurde von der Acclimatisations-Gesell- schaft zu Palermo zum Ehrenmitgliede gewählt. — Pius Titius, Priester des Minoriten-Ordens, wurde von Sr. k. k. Apostolischen Majestät „in Anerkennung der durch unent- geltliche Ueberlassung seiner werthvollen naturwissenschaftlichen Sammlungen an die Unterrichts-Anstalten Ungarns um Wissenschaft und Unterricht erworbenen Verdienste" durch Verleihung des gold Verdienstkreuzes ausgezeichnet. Vereine, Gesellschaften, Anstalten. — In der Sitzung der k. k. zoologisch- botanischen Gesellschaft am 4. Februar legte J. Kern er im Namen seines Bruders Prof. Kern er in Innsbruck eine Abhandlung vor, in welcher zwei für die Flora in Oberösterreich neue Pflanzen, nämlich Juncus triglumis L. und Salix myrsinitis ß. serrata Neilr. aufgeführt werden. Es wurden diese beiden Pflanzen, welche gewöhnlich als „Schieferpflanzen gelten, in Gesellschafl von zahlreichen anderen sogenannten Schiefer- oder Kieselpflanzen, wie Stellaria cerastoides^ Eriophorum Scheiichzeri, Scirpus caespitosus, Sempercirum mon- tanum u. dgl. von Prof. Kern er am Dachsteingebirge also mitten in den Kalkalpen aufgefunden, immer aber an solchen Lokalitäten, >vo die für den Geologen ebenso interessanten als räihselhaften Quarz- und Bohnerzgeschiebe dem Kalke aufgelagert erscheinen. I Dieser Umstand gibt Prof. Kerner Gelegenheit, auf das sporadische [ Vorkommen sogenannter Schieferpflanzen im Kalkgebirge und auf i den Einfluss des Bodens auf die Gewächse überhaupt, etwas näher ' einzugehen. Zunächst wird von demselben mitgetheilt, dass dieses sporadische Vorkommen von sogenannten Schieferpflanzen im Kalk- gebirge eine durch die ganze nördliche Kalkalpenkette verbreitete Erscheinung sei, und dass dieser Erscheinung zwei Ursachen zu Grunde liegen. Entweder ist nämlich an solchen Lokalitäten eine i mächtige Schichte von Humus aufgespeichert, oder es hat sich dort i aus thonreichen Kalksteinen und mergeligen Schiefern, die zwischen ! Kalksystemen eingeschlossen vorkommen, im Laufe der Zeit eine kalklose thonige Bodenkrume gebildet. In beiden Fällen erscheint \ der Einfluss des unterliegenden kalkreichen Gesteins auf die ober- flächlich wachsenden Pflanzen vollständig beseitiget. Gerade in diesem Ausgeschlossensein des Kalkes liegt aber eine der Grund- bedingungen für die Existenz der sogenannten Schieferpflanzen. Kulturversuche, welche Prof. Kern er im Innsbrucker botanischen Garten ausführte, zeigten nämlich, dass viele sogenannte Schiefer- oder Kieselpflanzen mit kalkhaltigem Wasser begossen alsbald zu kränkeln anfingen und über kurz oder lang endlich ganz ausstarben, so dass also der Kalk für diese Pflanzen ganz die Rolle eines Giftes spielt, gerade so wie wieder für andere Gewächse eine grössere Menge von alkalischen Salzen als tödtliches Gift erscheint. Nicht das Vorhandensein von Kieselerde in dem Thone oder dem Humus der Bodenkrume , sondern das Fehlen des Kalkes in demselben macht demnach das Gedeihen sogenannter Schieferpflanzen möglich, und überall dort, wo der Einfluss der Kalkerde eliminirt ist, können daher diese Pflanzen gedeihen und sich in ihrer charakteristischen Form erhallen , gleichgiltig ob dies in einem Kalkterrain oder in einem Schiefergebirge der Fall ist. Die bisherige Eintheilung der Pflanzen in schieferstette, kalkstette u. s. f. wird von Prof. Kerner als gänzlich unzulänglich bezeichnet und es wird von demselben eine neue Eintheilung in allgemeinen Umrissen festgestellt. Neben die Gruppe jener Gewächse, für die bestimmte mineralische Bestand- theile eine wahre Lebensbedingung sind und in welche insbesonders viele Halophyten gehören, stellt er eine Kategorie von Gewächsen «uf, für welche gewisse mineralische Bestandtheile die Rolle von Giften spielen, und an diese reiht er endlich eine dritte Abtheilung von Pflanzen an, bei denen weder das eine noch das andere der •Fall ist, sondern welche je nach dem Vorhandensein oder Fehlen gewisser anorganischer Stoffe, insbesonders je nach der Gegenwart 7 Oesterr.Botan. "Zeitschrift 3. Heft. 1863. ' 9S oder Abwesenheit des Kalkes in zwei Parallelformen zerfallen. Es werden zahlreiche solche Parallelformen aufgeführt, aus deren Reihe wir beispielsweise nur Tlilaspi rotundifoUum, üutchinsia alpina und Rhododendron hirsuttwi hervorheben , w eiche als die durch Auf- nahme von Kalk entstandenen Parallelformen von Thlapsi cepeae- folium, Hutchinsici brevicauUs und Rhododendron ferrugineum anzu- sehen sind. Bei Betrachtung dieser Parallelformen kommt Prof. Kern er zu folgenden Resultaten: Die Pflanzen des kalkreichen Bodens zeigen im Vergleiche zu den auf kalklosen Boden gewach- senen Parallelformen 1. dichtere Behaarung, 2. mehr bläulich oder seegrün gefärbte Biälter , 3. tiefere Zertheilung der Blattspreite 4. grösseres Ausmass der Blüthentheile , 5. mattere Färbung der Blumenblätter. Zum Schlüsse fordert Prof. Kern er zu gemein- samen Arbeiten auf, um die noch lange nicht aufgeklärte Frage über den Einfluss des Bodens auf die Gewächse ihrer endlichen Lösung zuführen zu können. J. Juratzka legte zwei von Dr. J. Milde eingesendete Aufsätze vor : i. Nachträgliche Bemerkungen zu dessem letzten Aufsatz über Equiseten, welche Equisetum dif- fusum Don, E. hogotense H b 1 d t. B o n p 1. K u n t h., E. brasiliense Milde, E. giganteum, E. debile Roxb. und E. robustum A. Br. betreffen. 2. einen „Index Equisetorum omnium adhuc descriptorum." Sodann legt derselbe die jüngst erschienenen Dekaden XXI — XXIV der „Hepaticae europaeae", herausgegeben von Dr. Gottsche und Raben hörst zur Ansicht vor. — Dr. H. W. Reich ardt legt einen von A. Grunow eingesendeten Aufsatz vor: Ueber einige neue und ungenügend bekannte Arten und Gattungen von Diatoma- ceen, in welchem 50 neue Arten beschrieben werden. Ferner berichtete er über die auf einer im verflossenen Frühjahre nach dem Quarnero unternommenen Reise gesammelten Algen, Moose und Faren. Von Diatomaceen , deren Bestimmung Hr. Grunow freundlichst übernahm, wurden 108 Arten gesammelt, von denen 20 Arten im Quamero noch nicht beobachtet wurden. Unter ihnen ist als besonders interessant, eine neue Cerataulus-Arl hervorzu- heben. Von den übrigen Algen wurden 100 Species beobachtet, von denen 13 für die Flora des Quarnero neu sind; unter dieseli ist besonders Elachista attenuata, welche bisher nur aus dem Golfe von Neapel bekannt war, erwähnenswerth. Von Moosen wurden im Ganzen 16 Arten beobachtet, von welchen 4 aus dem Quai'nero unbekannt waren. Unter den gesammelten Farnen ist besonders eine beinahe kahle Form mit nur schwach gelappten Wedeln von Ceterach officinaruni bemerkenswerth. J. J. — Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Schon im Jahre 1647 war eine Gesellschaft meist in Gratz wohnender Botaniker zusammengetreten, um der Erforschung der Flora von Steiermark besonderes Augenmerk zu widmen, und ein steiermärkisches Herbar anzulegen. Die Zeitereignisse hatten nach einer beinahe zweijährigen Thätigkeit diese Gesellschaft auseinander geweht, das Herbar wurde dem Joanneum zu Gratz übergeben, und 99 im Vereinsleben in Bezug auf die Nalurwissenscliaft herrschic durch einen Zeilraum von 12 Jahren vollivommener Slillstand. Um so er- freulicher war das Erscheinen einer Einladung- des hier weilenden Entomologen Georg Dorf meist er in einem Zeitungsbtaltc von Gratz im Februar 1862 zu einer Besprechung zur Bildung eines naturwissenschaftlichen Vereines. Hatten auch die ersten Zusammen- künfte nur geringen Erfolg, so fand doch schon die Versammlung am 16. April 1862, welche durch eine gedruckte, von 33, meist dem Gelehrten-, Professoren- und Beamtenstande angehörenden Männern unterschriebene Einladung veranlasst worden war, einen Zuspruch von beinahe 100 Personen, in welcher, nach näherer Besprechung des Zweckes der Gesellschaft ein Comite von 7 Männern unter dem Vorsitze des Freih. v. Fürst en war t her gewählt wurde, welches den Statuten-Entwurf zu verfassen und ehestens vorzulegen hatte. In Kürze folgten die Berathungen des Comite und der allgemeinen Versammlungen über die Statuten, und schon am 19. Juni 1862 erfolgte die Allerhöchste Enischliessung mit der Genehmigung der aus 22 Paragrafen bestehenden Statulen für den naturwissenschaft- lichen Verein für Steiermark. Da die Ferien-ÄIonate eintraten, fand die erste hierauf folgende Versammlung am 8. November 1862 statt, in welcher sich der Verein constituirto und seine Functionäre wählte. Der Zweck des Vereines ist, das Studium der Naturwissen- schaften im Allgemeinen anzuregen und zu befördern, insbesondere aber Steiermark naturwissenschafilich zu durchforschen, wozu als Mittel regelmässige Versammlungen der Mitglieder, die dermalen auf den letzten Samstag eines jeden Monates anberaumt sind, dann VeröITentlichungen über die Thätigkeit der Vereinsmilglieder und unentgeltliche Betheilung der vaterländischen Lehr-Anstalten mit Naturgegenständen und Druckschriften, welche dem Vereine zu- fliessen. Der Jahresbeitrag ist nur auf 2 fl. öst. W., nebst der ein- maligen Gebühr von 50 kr. für die Diplomsausfertigung fesfgesetzL Ausser dem Präsidenten, der jährlich gewechselt werden muss, und 2 Vice-Präsidenten, besteht die Direction zur Leitung der Geschäfte noch aus 6 Mitgliedern. Dermalen zählt der Verein bereits 162 Mit- glieder. Die ersten Monats-Versammlungen waren zahlreich besucht. Die Versammlung am 29. November v. J. als die erste, welche wissenschaftlichen Mittheilungen gewidmet war, eröffnete der Präsident mit einer Einladung an die Vereins-Mitglieder, sich möglichst lebhaft zu betheiligen. Den Aufgaben des Vereins entsprechend , werden ausser Berichten über Beobachtungen die sich auf steierische Objekte beziehen, auch solche über bemerkerswerihe Ergebnisse auswärtiger Forschungen und Erscheinungen auf fremdem Boden, über wichtige Werke, Vorlagen von Naturproduclen, Apparaten, kurz Alles, was zur gegenseitigen Belehrung und Anregung dienen kann, willkommen sein. Gubernialralh Dr. W. Streinz berichtete über die Erfolge seiner botanischen Ausflüge in das Sausalgebirge, welches er im Laufe von 18 Jahren alljährlich zu besuchen Gelegenheit hatte. Seine Aufzeichnungen erweisen die Flora jener Gegend als eine 100 reichhaltige; von den 865 daselbst aufgefundenen Species gehören 373 den Phanerogamen, 368 den Vascular- und 18 den Gefäss- Kryptogamen an. Besondere Erwähnung fand ein 12 Zoll hohes Exemplar des Poliporus giganteus im Gewichte \on mehr als 10 Pfund, und ein neuer Fund für die heimische Flora, der Boletus Lepiota, welcher bisher nur in den Gebirgswäldern um Brescia be- kannt war. Dr. Bill sprach über den Ursprung und dermaligen Zustand des Phanerogamen-Herbars der steiermärkischen Flora im Joanneum; dasselbe enthalte zwar die beträchtliche Zahl von 1852 Species, sei aber dennoch unvollständig, sowohl bezüglich der Arten als auch insbesondere der Fundorte. Noch grössere Lücken hat die Sammlung der Kryptogamen aufzuweisen. Der Redner betonte die Nolhwendigkeit vollständiger Sammlungen an dem Orte, wo der Verein tagt, wenn derselbe seinen Aufgaben nachkommen wolle, und Avendete sich schliesslich an die Mitglieder mit der Bitte, durch Einsendung von Pflanzen an das Joanneum zur Vervollständigung der Herbarien daselbst nach Kräften beizutragen. In der zweiten Versammlung am 27. December befürwortete J. Castelliz in Marburg in einer Zuschrift an den Verein die so wünschenswerthe Vermehrung der meteorologischen Stationen in Steiermark, da nur an 5 Orten, in Graz, Admont , Aussee, Cilli , Gleichenberg und Mürzzuschlag solche bestehen, und beantragt, dass der Verein aus seinen Mitteln diess ermöglichen wolle. Die k. k. meteorologische Central-Anstalt in Wien sei hierzu nicht in der Lage, aber bereit, die Angelegenheit in jeder andern Hinsicht bestens zu fördern. Die Direction hat in Folge dieser Zuschrift beschlossen, alle Vorein- leitungen zu treffen, um seinerzeit, wenn es die Vereinsmiltel gestatten, den so wichtigen Plan in Ausführung zu bringen und es wurden in diesem Sinne auch bereits Schreiben an die genannte k. k. Anstalt und Herrn Gas teil iz gerichtet. Die dritte Versammlung am 31. Jänner eröffnete der Secretär Ritter v. Zepharovich mit der Bekanntmachung der im Monate Jänner beigetretenen Mitglieder, welche die Gesammtzahl derselben auf 162 erhöhten. Prof. Dr. 0. Schmidt machte eine kurze Mittheilung über die Gorgonia para- doxa Esp. In das berühmte Werk über die Pflanzenthiere von Espor hat sich unter obigem Namen ein pflanzliches Product eingeschlichen, das Blattskelet einer Opuntia. Ein Exemplar davon ist durch Herrn Dr. W. Streinz in das Universitäts-Museum gelangt. Eine ein- gehendere Besprechung über eine Sendung aus dem Bergbaue zu Älünzenberg bei Leoben leitete der Secretär mit einem allgemeinen Blicke auf die fossilen Brennstoffe Steiermarks ein. Dieselben ge- hören fast ausschliessend der Tertiärformation, und zwar theils den älteren eocenen, theils den jüngeren neocenen Schichten an und es sind die ersteren schwarze Glanzkohlen im südlichen Theile des Landes, die jüngeren schwarze, gewöhnliche und holzartige Braun- kohlen, in Mittel- und Ober-Steiermark abgelagert. Nur die Kohlen von der Stangalpe bei Turrach sind älter; es sind Anthracite, ein- geschlossen in Conglomeralen der alten Steinkohlenformation. Die 161 übrigen Kohlen des nördlichen Alpenzuges stammen aus jüngeren Tertiärschichten , welche einzelne Becken in den alten alpinen Schiefern erfüllen, aus den Tertiärbecken von Fohnsdorf und Fee- berg bei Judenburg, von Leoben, Rein, Turnau in dem Mürzthale (Parschlug, Urgenthal) und aus der kleinen Mulde von Ratten. Er- giebige Flötze lagerten sich in der westliohen Bucht des grossen ungarischen Tertiärmeeres ab, die durchschnittlich 9 KIftr. mächtigen Lignite in der Gegend von Köflach, Voitsberg und Lankowitz, die trefflichen Braunkohlen, welche bei Eibiswald, Schwanberg, Wies u. a. 0. abgebaut werden, und die Kohlen von Rein, Niederschöckl, Weiz und Hz. Endlich bergen die südlich vom Bachergebirge in grösserer Verbreitung auftretenden eocenen Schichten bis 20 KIftr, mächtige Flötze einer ausgezeichneten Braunkohle, Avelche bei Trifail, Hrastnik u. a. 0. der Gegend von Cilli und Weitenslein gewonnen wird. Nach den Untersuchungen in der geologischen Reichsanstalt ergaben sich für die Hauptlokalitäten steierischef Braunkohle folgende Mittehverthe für die Anzahl von Centnern, welche bezüglich des Heizwerthes äquivalent sind 1 KIftr. 30zölligen Fichtenholzes: Cilli, Fohnsdorf und Leoben, 11 Centner; Eibiswald liy» Ctr., Mürzthal 12 Ctr., Voitsberg 13% Ctr. DerAnthracit von Turrach hat ein Aequivalent von IOV5 Ctr. — Der botanische Garten der Universität Greifswald feiert in diesem Jahre und zwar am 6. Oktober das Jubileum eines hundertjährigen Bestandes. Sowohl dieser Garten, als auch das damit verbundene noch junge botanische Museum wurden in letzterer Zeit durch die erfolgreichen Bemühungen ihres dermaligen Direktors, des Prof. Dr. Munter zu einem hohen Grade der Vollkommenheit gebracht. — Nach dem Plane desk. Gartendireklors Lenne wird jetzt in Köln auf Actien ein grosser botanischer Garten eingerichtet, der zugleich ein Vergnügungsort, namentlich für die Wintersaison werden soll. Zu dem letzteren Zweck werden im Garten Säle und Treibhäuser errichtet. In Breslau dagegen tagt ein Komite, welches sich die Errichtung eines zoologischen Gartens in dieser Stadt zur Aufgabe stellt. Auch in Bremen ist die Anlage eines zoologi- schen Gartens im Gange. So sehen wir allenthalben, unterstützt von Gouvernement und Municipalität, ähnliche Anstalten erstehen, und können nur bedauern, dass die Begründung des zoologischen Gartens in Wien ausschliesslich der beharrlichen Energie seines Direktoriums und dem regen Interesse von Privaten vorbehalten bleibt, obwohl dadurch wieder anderseits jeder fremdartige nur zu oft stagnirend wirkende Einfluss von dem Unternehmen abge- wehrt wird. — In der öffentlichen Sitzung, welche am 29. Jänner die königliche Akademie der Wissenschaften in Berlin zur Feier des Geburtstages des Königs Friedrich II. hielt, erstattete der Sekretär der Akademie im Namen des Kuratoriums den Jahresbericht über die Humboldt-Stiftung. Das Stiftungsvermögen hatte nach der i02 letzten vor einem Jahre gegebenen Nachricht 39.900 Thaler in preussischen Staatspapieren und 26 Thaler bar betragen. Am 31. De- cember 1862 belief es sich in zinstragenden Effekten auf 44.350 Thlr. und 34 Thlr. bar, worin zunächst ein Dritttheil des in drei Raten bewilligten königlichen Beitrages von 10.000 Thlrn. einbegriffen ist. Die verwendbare Summe hatte für 1862 eine Höhe von 1550 Thlrn. Aber die Akademie hielt es nicht für möglich, schon mit dieser Summe ein wissenschaftliches Unternehmen zu begründen, welches dem ursprünglichen Sinne der Stiftung entspräche, und beschloss den Zuschuss des nächsten Jahres abzuwarten. — Die 32. Ausstellung der Gartenbau - Gesellschaft in Wien wird vom 24. bis 29. April d. J. stattfinden. Es werden hierbei Blumen, Pflanzen, Obst, Gemüse und Garten-Industrie- Gegenstände ausgestellt und mit Preisen bedacht werden , die in Medaillen von Gold, Silber und Bronce und in Dukaten bestehen. — Die naturforschende Gesellschaft zu Halle ladet ihre Mitglieder ein, sich der von ihr herausgegebenen Verhandlungen, von welchen jetzt 6 Quärtbände (am 7. wird gedruckt) erschienen sind, zu Veröffentlichungen ihrer Arbeiten zu bedienen. Sie bietet bei möglichst guter Ausstattung im Druck und den auf ihre Kosten auszuführenden Abbildungen dem Verfasser 20 mit eigener Pagi- nirung und Titel versehene Abdrücke seiner überlieferten Abhand- lung. Zeitlicher Redakteur ist Prof. v. Schlechten dal in Halle, an welchen man sich zu wenden bittet. (Botan. Ztg.) — In Mainz wird im April d. J. eine grosse Pflanzen- und Blumenausstellung stattfinden, wobei eine grosse Anzahl von Preisen in Geld und Medaillen zur Vertheilung kommen, so z. B. ein Preis von 300 fl. für diejenige gemischte Pflanzengruppe von mindestens 40 Arten in 150 Exemplaren, die sich durch geschmack- volle Aufstellung am meisten auszeichnet; ein Preis von 250 fl. für die reichhaltigste Gruppe blühender Rosen von mindestens 100 Arten und 250 Exemplaren; eine goldene Medaille für reichhaltigste Sammlung ausländischer landwirthschaftlicherProducte, für blühende exotische Orchideen, für Sammlung von Cinerarien u. s. w. u. s. w. (G a r t e n f 1 r a.) — Am 27. Jänner 1863 wurden im Garten der Gartenbau- Gesellschaft in Triest reife Kirschen und Birnen gepflückt. — Bei der am 4. November 1862 abgehaltenen Sitzung des russischen Gartenbau -Vereines in St. Petersburg, wurden unter mehreren andern Gegenständen ein Körbchen mit Zuckererbsen in den Hüllen ausgestellt, die von Sommer her im frischen Zustande conservirt, und so frisch waren, als seien sie eben gepflückt; auch eine der edelsten, Russland eigenthümlichen Apfel- arten war vorgelegt „Wargel" ausWoronisch, dem „Kaiser Alexander" zunächst verwandt, aber plattrund, haltbarer und von edlerem Geschmack. Bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, dass Director E. Regel in der Beschreibung der russischen Apfelsorten fort- schreitet und binnen kurzem ein Auszug in der Gartenflora zur 103 VeröffenHichung kommen wird. Als Concurrenz-Arbeil „über den Bau der Gewächshäuser" war eine Schrift des Gärtners Flach aus Wien eing-elaufen, die aber als solche nicht betrachtet werden konnte, weil der Verfasser gegen die Forderungen des Programms sich genannt hatte. Zur Prüfung der Arbeit wurde jedoch eine Commission ernannt. (Gar tenflor a.) Botanischer Tauschverein in Wien. Sendungen sind eingetroffen seit 1. Jänner d. J. : Von Herrn v. Janka in Grosswardein, mit Pflanzen aus Ungarn und Siebenbürgen. — Von Herrn Zuciial in "Wien, mit Pflanzen aus Schlesien und von Wien. — Von Herrn Baron V. Fürstenwärtiier in Graz, mit Pflanzen aus Steiermark. — Von Herrn Dr. V. Hepperger in Bozen, mit Pflanzen aus Tirol. — Von Herrn Dr. Holzin g er in Wien, init Pflanzen aus Niederösterreich. — Von Herrn Oberleitner in W.-Garsten mit Pflanzen aus. Oberösterreich. Sendungen sind abgegangen an die Herren: Gzermak in Brunn , R. v. Pittoni in Graz, Winkler in Giermansdorf , Langner in Breslau, Bilimek in Eisenstadt, Hinterhuber in Salzburg, Preuer in Gastein, Sekera in Münchengrätz, Dr. M ü n t e r in Greilswald, Dr. L o r i n s e r in Breslau, Branesik, Kanitz, Holzinger, S pr eitz e n h o f er, Bayer K 1 b e n b e i e r in Wien. Literarisches. — In der vierten Nummer des „Commentario Crittogamo logico" erscheint von de Notaris ein Versuch einer neuen Anordnung der Sphaeria nebst hundert Analysen der interessantesten Arten, als Erläuterung der neuen Gattungen, in welche de Notaris die unter Sphaeria bisher einbegriflenen Species zu zerlegen versucht, — Das Bulletin der Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau 1862, Nr. 2, enthält: „Die vorweltliche Fauna und Flora des Grün- sandes der Umgegend von Moskau." Von Dr. Ed. v. Eichwald. — „Zur Kenntniss der chemischen Bestandtheile der weissen Mistel iViscum album), sowie zur näheren chemischen Kenntniss des Vis- cins." Von Paul Heins eh. — „Etudes algologiques." Von Andre Petrovsky. — „Cuscutae species florae rossicae." Von Victor v. Janka. — „Enumeratio plantarum circa Mohiloviam ad Borysthenem, necnon in ipso Guberniopassim,collectarum anno 1861." Von D ownar. — Der 51 Octavseiten umfassende Bericht (1862) des Offen- bach erVereines für Naturkunde enthält nur 2! Seifen wissen- schaftliche Mittheilungen und zwar: „Einige Nachträge zu der Ueber- sicht der Gefässkryptogamen der Wetterau," von Ferd. Kretzer und „botanische Notizen" von C. B. Lehmann über Silene nemoralis W. K. und Gnaphaliuni margaritaceum L. Bietet ein solcher Bericht das Object zu einem ausgebreiteten Schriftentausch mit den übrigen zahlreichen literarischen Unternehmungen, so ist diess wohl die gemüthlichste Weise, eine gute Bibliothek auf die wohlfeilste Art zusammen zu bringen. 104 Mittheilungen. — Wie aus Karls ladt gemelfiet wird, wird in Kroatien und Slavonien die Errichtung von vier Fabriken zur Erzeugung von Maispapier beabsichtigt, darunter eine an der Korona in Karlstadt. — Maak bemerkt in seiner „Reise am Usuri", dass die Kartoffel und der Tabak schon in den ältesten Zeiten im Süden der Mandschurei ange- baut wurden und es entsteht daraus die Vermuthung , dass diese Pflanzen entweder direkt aus Amerika nach Ostasien gekommen sein müssen, oder, ihre eigentliche Heimath daselbst habend, von da nach Amerika eingeführt worden sind. Inserate. Neuer Verlag von Theobald Grieben in Berlin. Vorräthig bei Seidel et Sohn in Wien: von J. G. Hübner, Seminarlehrer. 32 Tafeln mit 400 Ffianzenarten imd 2000 colorirten Hgnren. 2. verbesserte Auflage, nebst Begleitwort. Dauerhaft geheftet 2 Thir., in Leinen gebunden 2 Thir. 10 Sgr. „. . . Grosse Reichhaltigkeit in zweckmässiger Auswahl sind die Vorzüge dieses Atlas, die beim ersten Anblick in die Augen fallen. Aber viel wichtiger als die Menge des Gegebenen ist das Zeugniss sorgsamen und verständigen Fleisses, welches jedes Blatt darlegt. Alles ist von dem Herausgeber selbst und zumeist nach der Natur auf den Stein gezeichnet und colorirt, überall ist mit ausdauernder Gewissenhaftigkeit, Treue in Wiedergabe des Charakters und der wesentlichen Merkmale der Pflanzen erstrebt worden, um, geleitet durch die Erfahrungen einer langjährigen Lehrer- wirksamkeit, nur Brauchbares und überall Bildendes zu bietei. Deragemäss darf diesem Pflanzen-Atlas, neben ganz besonderer Billigkeit, volle Brauchbarkeit für alle Freunde der Pflanzenwelt, namentlich für die Jugend, die in ein näheres Verständniss der reichen und schönen Gebilde derselben ein- treten will, nachgerühmt werden ... So sei der treff'liche Atlas denn Seminarien, Präparanden-Anslalten, allen Lehrern, der reiferen Schuljugend , den Pharma- ceuten , Kaufleuten , Landwirthen und den Freunden der Pflanzenwelt hiermit nocbmals zur Benützung bestens empfohlen." (Vossische Zeitung,) In ähnlicher Weise sprechen sich andere Journale (Schulblatt der Prov. Brandenburg, Berliner Blätter etc.) aus, wie denn auch die Empfehlungen der königl. Regierungen zu Potsdam, Frankfurt etc. für den Werth des Pflanzen-Atlas bürgen. Diesem Hefte Nr. 3 ist mein Verzeichniss über Samen und Pflanzen beigelegt, das ich den verehrlichen Herren Garten- und Blumenfreunden zur geneigten Durchsicht bestens empfehle. Samen: feinste Luiker Aurikel pr. Paket fl. 1 und Samen der edelsten Topfnelken aus einer gewählten Sammlung in Paketen von dOO Körner ä fl. 2. Ebenso Runkelrübsamen von der rühmlichst bekannten echten gelben runden Oberndörfer Art, empfehle ich frische zuverlässige Samen ä fl. 26 pr. 100 Pfd. (50 Kilg.) zur geneigten Abnahme höflich. C. Schickler, Haudelsgärtner in Stuttgart, Marienstrasse 27. Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skotttz. • Verlag von C Gerold. Druck von C. Ueberreiiter. OesteiTcicIüscIlc TANISCHE ZEITSCHRIFT. Gemeinnütziges Organ für i>ie 5»terreiciiisciie Exemplare, botanische Zeitsclii-ifi ßAfnilll« llllfl RAfiiniLr<>I> die frei duicli die Post be- erscheint DOltlUm UHU DUIdUmei, zo^en werden sollen. sind den Ersten jeden Monats. blos bei der llpdaktion Man pränumerirt auf selbe (l;i|-||ie|' OokOIlOIlieil, f Orsllliälllier, AcrZlC, (""'<;''<»; -V--??A. "'^V") mit 9 II. 25 9ir. Oest. W . ' ' ' zu pranumeriren. (S Thlr. IOXqv.) I ,I I 1 rr I 'I Im Wege des sranzj ähri?. uder ApOlllCkei' lUlll leClllllKer. Bucliliandels übernimmt mit « II. «3 kr. Oest. \V. 1 Pränumeration li a 1 b j ä h r i g. C. Cierol«l's Solm Inserate in Wien, die a:anze Petitzeile "Wo. A. ^° ^*'® •''^® übripfen lOkr. Oest.W. jJi =' TCi Bucbliandlungen. . Xlll. Jahrgang. Will. April 1863. ZNHAZiT : Aus dem botanischen Garten in Innsbruck. Von Dr. Kerner. — Neue Pllanzenarlen. Von l)r. Wawra. — Jimeus Czetzii. Von Dr. Schur. — Bemerkungen. Von Jnnka. — Zur Flora Schle- siens. Von ü echtritz. — Reisen ins Wallis. Von Vulpius. — Piiänologischc Notizen. Von Dr. Heldreirh. — Correspondenz. Von Landerer, Monhelm, Keck. — Personalnolizen. — Vereine, Gesellschiil'len, Anstalten. —Literarisches. — Botanischer TauscliviTein. — -Corres|ioiideiiz der Redaktion. — Inserate. Aus dem botanischen Garten in Innsbruck. Von Dr. A. Kerner. In dem Tausclikataloge des Iniisbrucker botanischen Gartens, welcher der heutigen Nummer der österr. bolan. Zeitschrift beiliegt, erscheint auf S. 4 ein Steinbrech aufgeführt, der für die Flora Tirols und sämmllicher anderer österreiciiisclier Provinzen neu ist, und welchen ich nach dem verdienstvollen Verfasser der tirolischen Flora mit dem Namen Saxifraga Haiismanni belegt habe. Seine Diagnose lautet: ^x^ S. Haus mannt (subaizoides -mulata). Radix repens, eaulem annuum floriferum et caudiculos 2-3 perennantes foliatos eoolvens. Caulis ßorifer erectus re/ adsccndens, cymaüco-i'acemosus. foliis alter nis obsitus, sicut pedunculi et cali/ces pilis eglandulosls puhenilus. Folia oblongo-linearia, carnoxa. rigidiuscula, margine subcariilagmeo postice deme ciliato, antice in leger i'inio vel obsolete serrulato cincta, seciindum marginem punctis ö — 8 impressis, primum sguama alba calcarea tectis, serius autem nudis , notata. Calyx semiinferus. laciniis triangularibus subaciitis, patentibus. Pctala citrina vel crocea. lineari-lanceolata, acuta, calycis lacinias duplo superantia. Caulis fiorifer 6—8" alt. Fol. Inf. 8—14'" lg. 2—3'" lat. Petal. S'" lg. i'" lt. Oesterr. botan. Zeitschrift i. Heft lStJ3. 8 106 Die Wurzel ist liriechend, verlängert, bis ftiiif Zoll lang, und entwickelt nebst einem blüthentragenden Stengel meist noch 1 — 3 blüthenlose beblätterte rasig vereinigte Stämmchen. Die untersten Blätter sind zwar genähert, bilden aber doch keine eigentliche Rosette, wie diess bei der Sect. Aizoonia Koch der Fall ist, son- dern erinnern vielmehr an gewisse Hochalpenformen der S. aizoides, bei welchen wegen Verkürzung der Stämmchen die unteren Blätter dichter gedrängt erscheinen. Die Blätter sind lineal-länglich, dick- lich, fleischig und steif, meist kahl, die obersten manchmal von sparsamen kurzen drüsenlosen Härchen etwas flaumig, die untere Seile flach, die ober kaum merklich convex. Knapp am Rande der vorderen Blatthälfte finden sich 5 — 8 gleichweit abstehende punkt- förmige grubige Drüsen, die im Herbste und Frühling eine grössere Menge Kalk absondern und dann mit einem weisslichen Schüppchen bedeckt erscheinen, später aber, wenn das Schüppchen abfällt, nur \venig bemerkbar sind. Der Blattrand ist von einem schwachen knorpeligen Saume eingefasst , welcher an der Basis und unteren Hälfte des Blattes fransig zerschlitzt und in drüsenlose Wimperhaare aufgelöst ist, gegen das obere Ende jedoch ganzrandig oder höchstens mit einigen kleinen Knorpelzähnchen besetzt erscheint und endlich in die knorpelige Blattspitze ausläuft. Der blüthentragende Stengel ist aufrecht oder aufsteigend, in einen lockeren cymatischen pyra- midenförmigen Blüthenstand übergehend, welcher nebst der einzeln stehenden terminalen Blülhe noch 5 — 10 Seitenästchen trägt, die neben 1 — 4 entwickelten Blüthen gewöhnlich noch einige verküm- merte Knospen zeigen und mit zahlreichen Brakteen besetzt erscheinen. — Der Kelchsaum ist halbobersländig ; die freien Zipfel desselben sind länglich dreieckig, ziemlich spitz. Die Blumenblätter sind lineal-lanzettlich, spitz, fast doppelt so lang als die Kelchzipfel, in ihrer Farbe alle Nuancen von Cilrongelb zu Saffrangelb durch- laufend. Die Antheren sind immer etwas dunkler gefärbt als die Blumenblätter. Die obere im Zentrum der Blülhe sichtbare Parthie des Fruchtknotens ist ebenso wie die Griffel schmutzig gelbgrün, wachsarlig glänzend. Die Pflanze stellt ein Mittelglied zwischen den beiden Stein- brecharten: Saxifraga aizoides und S.miitata dar und ist mit grösster Wahrscheinlichkeit als ein aus diesen Arien hervorgegangener Blendling anzusehen. Sie unterscheidet sich von S. mutata durch das kleinere Ausmass des Stengels und der Blätter, durch den Mangel einer ausgesprochenen Blattrosette , durch die drüsenlose Behaarung des Blüthenstandes , durch die an der oberen (nicht unteren) Seite etwas convexen länglich - linealen (n'clit zungen- förmigen und nach vorne verbreiteten) Blätter, die geringere Zahl der längs dem Blattrande eingesenkten punktförmigen Grübchen und durch den halboberständigen Kelchsaum. Von S. aizoides ist sie durch grösseres Ausmass aller Organe , durch die an der oberen Blattseite längs dem Rande eingesenkten Grübchen, durch die knor- i07 l>clii,a' BeraiKiiiiig- der Blältor und durcli die spilztMi Bkiinenblätler verschiodcii. Ich Itind diese Pflanze mit den beiden miilhmasslichen Stannii- ellern an feuchten Erdabrissen, auf llionreicliem Boden des tertiären Mitfelg-ebirgcs am Fusse der Solsteinkettc ober Höfling- nächst Inns- bruck in einer Seehöhe von 3000—4000' Wiener Fuss. Anderseiben Stelle beobachtete ich auch — obschon bei weitem seltener — einen zweiten mulhmasslich aus S. mutata und S. aizoi- des entstandenen Steinbrechblendling, welcher jedoch der S. aizoi- des weil näher steht als S. Hausmanni und der auf nachfolgende Weise charaklerisirt werden kann: X 5. Regeln (supraaizoides-'mitata) Radix repens, caules annuos floriferos et caudiculos pliires perennantes foüatos etolvens. Caules floriferi adscendentes , cymaüco-racemosi. foitis allernis ubsiti, sicut pedunculi et calyces pilis eglandalosis puberuli. Folia oblongo-linearia, mucronnta, carnosa, rigidiuscula. inargine (jion caitiiaginco) setuloso-cUinto , secunduni margivcm pnnvtls 2 — 3 hiipressis priinum squama alba calcarea iectis, serius autein nudis nolata. Cahjx scmiinferus , laclnüs ti iangularibus subacnii^ patenlibus. Petala cltrina rel crocea, oblonga, obtusa, calycis lacinias parum superantia. Caulis florifer 4-8" alt. Fol. inf. A—b" lg. l-l'A'" lat. Petala 2'" lg. Va- 1'" lat. Unterscheidet sich von S. Hausmanni durch die grössere Zahl der rasig gehäuften beblällerten Släniinchen, die kleineren bespitzten Blaller, den filangel des knorpeligen Blatlrandes, die geringere Zaiil .ier eingesenkten punkllörniigen Drüsen und die stumpfen kürzeren ßlumenblälter; von S. mutata durch da^ kleinere Ausmass aller Or- gane, den Mangel der Blallrosetle, die drüsenlose Behaarung des Blütlienstandes, die (d)erseits (und niciit unlerscils) convexen läng- lich-linealen nicht zungenförmigen bespUzlen Blätter, die viel geringere Zahl der punklförmigen Drüsen des Blattrandes, den Mangel des knorpeligen Blatlsaumes, den halhoberständigen Kelch- saum und die slumpfen Blumenbläller; von S. aizoides durch das grössere Ausmass aller Organe und vor allem durch die an der oberen Blattseite längs dem Rande eingesenkten punktförmigen Drüsen. Ich habe zur Benennung dieses Steinbreches den Namen liege Ts aus dem Grunde gewählt, weil dieser scharfsichtige Bota- niker der erste war, welcher die Bastarde zwischen S. mutata und S. aizoides mit besonderer Aufmerksamkeit heobachtete. In der Abhandlung, welche Regel in der Botan. Zeiiung von Mohl und Schlechtendal 9. Jahrg. 1851. Nr. 35 publicirle, werden nämlich sowohl S. Hausmanni wie S. Regelii unter den Namen S. aizoide- mutata und S. mulata-aizoides, und ausserdem auch noch zwei weitere verwandle Formen kurz und treffend beschrieben. Regel hatte die^e Blendlinge in dem Küssnachler Tobel bei Zürich gefun- den und es scheint, dass dieselben ia den wesllichen Alpen über- 108 liaiipt nicht sehr seilen sind. Die älteste diessfällige Angabe finde ich in der Flora 1837, S. 622, wo von Dr. Lagger ein, durch Girfanner bei St. Gallen aufgefundener und als Bastard erkannter Steinbrech unter den Namen S. mutata-aizoides beschrieben wird*). Iin Jahre 1847 wird derselben Pflanze von Wart mann in seiner St. Gallischen Flora S. 99 als einer Mittelform Erwähnung gethan, und im Jahre 1851 fand sie Regel im Küssnachter Tobel am Züricher See. Im Jahre 1855 wurde sie neuerdings bei St. Gallen von Dr. B. Wartmann jun. aufgefunden, und von demselben Bo- taniker in der Flora 1855, p. 302 auch erwähnt, dass Reuter die gleiche Pflanze in '^den Savoyer Alpen unweit Genf beobachtet habe. Auch Wydler gedenkt in der Flora 1860, S. 389 eines Bastardes aus S. mutata und aizoides und in Sendtner's Vegetationsverh. von Südbaiern wird S. 777 S. mutalo-aizoides bei Rothenbuch und am Lautersee bei Mittenwald angegeben. Welche Formen übrigens den hier citirten Botanikern vor- gelegen hatten, ist in der Mehrzahl der Fälle schwer zu ermitteln. Wahrscheinlich kommen an sämmtlichen Standorten beide oben beschriebenen Bastarde vor, und so viel ist gewiss, dass Blendlinge zwischen S. mutata und S. aizoides in dem ganzen westlichen Alpenflügel von Genf bis Innsbruck verbreitet sind. — In den öst- lichen Alpen scheinen diese Bastarde aus dem Grunde zu fehlen, weil dort S. mutata und S aizoides in verschiedenen Regionen ihre Heimat haben und fast niemals gleichzeitig an ein und demselben Standorte vorkommen. S. aizoides, welche in dem westlichen Alpenflügel bis tief herab in die Voralpenregion angetroffen wird und dort an quelligen Stellen in dem Hohengürlel von 2500 — 4500' nicht selten an gleichem Standorte mit S. iniitata vorkommt, zieht sich wie so viele andere Alpenpflanzen in den östlichen Kalkalpen in weit bedeutendere Höhen zurück, und wird dort kaum irgendwo unter 5000 Fuss Seehöhe aufgefunden, während S. mutata in den östlichen gerade sowie in den westlichen Alpen der Region unter 5000 Fuss angehört. Innsbruck, im Jänner 1863. Neue Pflanzenarten, gesammell auf der transatlantischen Expedition Sr. k. Hotieit des durctilauch- tigsten Herrn Erzherzogs Ferdinand Maximilian von Dr. H. Wawra und Franz Maly, beschrieben von Dr. Heinrich Wawra, k. k. Fregaitenarzt. Wilbrandia S. Manso. Char. gen. rest: Monoica; flores masculi spicati, calyce quin- queßdo, petalis quinque faiici ad incisuras calycis insertis, staminibus *) Der Beschreibung nach ist wahrscheinlich S. Regeln gemeint. 109 tribus, supra medium tubi insertis, antheris sessiiibus, medio dorso affixio, duabus completis, tertia dimidiata. Flores foeminei infoliorum axillis gemini-quatcrni sessiles, Calyce supra ovarium valde pro- ducto, quinqiteßdo, petalis qualuor, stijlo bicruri, cniribns bistigma- tosis, stigmatibus linearibus , ovavio quadriloculari. Bacca poly- sperma seminibus compressis oboiatis marginatis. Herbae brasüienses scandenfes, folüs membranaceis pedato quinque-vel septemßdis ser- ratis, radice (fide S. Manso) diffusa ramosa tuberosa pendula. Wilbrandia Silva Manso Calar. Bras. 30; Endl. gen. supl. HL 91: Walp. rep. V. 764. XXII. Witbrandia fluminensis. Momordica certicillata Vell. fl, fl. X. 96. Anguria trilobala Pohl, in herb. vind. (Corcovado 5885.) Folia petiolata pedato-quinqueßda , basi producta bisinuata^ laciniis remole mucronalo-serrulatis, 3 interioribus porrectis sub- aeqiiilongis lanceolatis acuminatis , 2 exterioribus hori^iontalibus Viel reversis ocatis vel securiformibus quam interiores triplo bre- viuribus , supra valde aspera subtus hispidula. Spicae masculae axillares fotio subbreviores; flores subsessiles , bracteati, calyce breve quinquefido petalis calycis laciniis aequilongis acutis, staminum completorum connectivo latissimo extrorsum conduplicato , stamine dimidiato dorso membranula longitudinali aucto. Flores foeminei 2 — 4 in foliorum axillo sessiles , masculis homomorphi, staminum rudimentis minutis^ duobus petalis 1 et 2 oppositis bilocularibus. tertio inter petala 3 et 4 silo unilociilari; ovulis in loculo qninis; Baccae ovoideae cuspidatae , calyce obliterato coronatae , semini- bus glabris. Corcovado in viciniis fontis Caryoca. Caulis scandens pennae anserinae tenuior angulatus, glaber. Fulia 4 poll. ab invicem remota petiolis pollicaribus striatis, supra canaliculatis et praesertim margine hispidulis falta, pedato-quin- quefida, basi producta bisinuata, 3 — 4 poll. longa membranacea. supra saturate viridia et setulis brevissimis tuberculis albidis ini- positis valde asperata, subtus pallidiora et praeprimis in nerris venu/isque hispidula, sinubus inter lacinias rolundatis , laciniis remote mucroriato-serrulatis ac minute ciliolatis , 3 interioribus porrectis, pollicem circiter latis , lanceolatis ac producte acumi- natis medio 3 — 4 poll longo basi angustato, lateral ibus inaequi- lateris mediana y^ brevioribus, laciniis 2 exterioribus horizontalibus vel reversis , ocatis vel securiformibus inferne lobulo vtd dente validiore auctis; trinervia , nervis supra planis subtus prominen- tibus, 2 lateralibus sinus folii basilares marginantibus, secundariis in laciniis interioribus utrinque 4 — 6, renularum rete subtilissimo, la:vo, supra inconspicuo. Cirrhi simplices 6—8 poll- longi glabri. Flores masculi spicati, spicae axillares, solitariae vel nonnunquam rudimento spiculae basi auctae, 3 — 4 polHcares, striafae, ghibrae. dimidio supcriore ßoriferae, rhaclii (in sicco?) compressa. (loribus liO densis. brevlssimc pedicdlatis, hracteis lanceolalis. aciifis hispidulis floribus aequilongis. Calycis tubus cylindricus 2 Un. longns , 10 nervi ii s , nonnisi in nervis patentissime hirtelhiS', Ihnbi laciniia patenlibiis , tiibo quadruplo brei'ioribus , otatis acutis extus sub lente paroe pubcriilis. Peiala calycis laciniis aequilonga ac confor- viia, valde papillosa. ficiDida; anfherae basi connatae calycis tubo dimidio breiiores, flacae. connectivo lameUueformi tenerrimo hyalinn. loculis connectivo triplo aifgustioribus basi 'et apice coirniventibus ast non contiguis, anfherae dtmidiatae loculo iis antherarum coin- pletaruin ommno siinili, dorso rncmbranula angustissima (conneclivo diniidiato?) aiicto. Orarium sterile Qdiscus?) in fundo calycis cupnlaefornie, liberum. Flores foeminei 3 — 4 axillares, sessiles; calycis tnbus basi subinflatas sensim angustior , supra medium cylindricus, SVa Un. longus, decemstriatus, sub lente parce puberulus, laciniae ^/% lineares ovatae acutae. apice carinulatae. Pttala summo calycis tubo inserta, late orata. acutata . vakle papillosa; Stylus filiformis teres lineam longus, cruribus stylo triplo brevioribus, stigmatibus linearibus, porrectis papillosi:^. Ocariuni calycis parte constricta cuspidalum et glandula epigyna profunde retusa stylt basi/i cingente terminaium, 4 loculare , placentis binis parietalibns bilamellatis, lamellis incolutis, inaequilatis margine omiliferis, ovalis in loculo quinis septis horiz-ontalibus interjectis, obonatis, compressis, jvniciilis subnuUis. Baccae ceraso majores late ocoideae, cuspi- datae, calyce obliterato onustae,in sicco olivaceae, glabrae. Semina obocata, compressa margine tuniidula, albida glabra (in spec nostri rix matura). | Ich halte unsere Pflanze für identisch mit der Momordica verti- I cillata Veli. (^Wilbrandia drastica?-i!iüud. cucurb. 58) obgleich Römer (Pepon. 55) dieselbe nach der sehr mangelhaften Abbildung: „tota planta glabra" besohreibi; der Speciesnan'en rerticillata ist jedenfalls unpassend. XXlIl. Pussiflora Jileki ■ )• FoUa cordata cel siibcordata , acuta , inlegerrima, peliolo 4 glanduloso ; stipulae subreniformes, postice in glandulam lange stipi- tatani productae. Pedunculi gemini axillares, petiolo duplo longiorcs. Involncri triphylli foliola suborbicularia . reticulata. Perigonium decaphyllum folioUs biseriaUbus oblongis\ rotundatis . candidis. exterioribus extus infra apicem rostellaiis: ßlamentis 4 serialibus extimis perigonii phylli.'t aequilongis rectis, interioribus iis triplo brevioribus inrolutis. Bacca oroideo-globosa seminibus cordalis. truncatis, torulosis, margine longitudinaliter su^ato tumidulis. Corcovado in sylcis lucidis. Caulis parum ramosus pennae corrinae circiter crassitie. tercs. *) Meinem hochgeehrt eii Freund Herrn Jlarinestabsarzt Dr. August Jilek gewidmel, in Anerkennung seiner Verdienste um die besondere Berück- sichtigung der Botanik auf dieser Expedition. 111 fflaber, cinereo-mrescens. Folia V/^ — 2V2 poll. ab invicem re/nota, petiolis polUcaribiis (in sicco) slriaiis glabris i glandulosiSy glandulis slipitatis, binis plentmque approximatls; Lamina super petiolum vix producta 3 —S^/^poll. longa ac medium circiter\lata e basi leviter sinnata cordato-orata, acuta vel subacuminata, margine integerrimo hyalina, subcoriacea, utrinque nitida et reticulala, supra laete viridis, subtus praescrtim in nervis venidisque-pallidescens , penninerma sub- quintuplinervia. Cirrhi intrapeüolares, simplices, purpurei. Pednn- culi gemini cum cirrJio oriundi, bipollicares, filiformes, rigiduli-, purpurei. Stipulne '/^ — 1 poll. longi '/^ — '/^ poll. latae, subsessiles, subreniformes, foliorum compagis et coloris, postice in glandulam longiuscule stipitatam productae. Involucri phylla suborbicularia nel late cordata 4 — 6 lin. longa angulata, interdum undulata, nervo mediana excurrente apiculata , tenera , reticulata. Perigonium 10 phyllum candidum,_foliolis biseriatis 10 lin. longis, oblongis, obtusis, patentibus demum reflexis, exterioribus exlus rubescentibus et infra apicem rostellatis, interioribus subbrecioribus. Filamcnta quadri- serialia, extima petalis subaequilonga recta, reliqua ipsis triplo bre- viora et superne involuta. Torus e basi dilatata cylindricus subsemi- poUicaris teres. Stamina reflexa, ßlamentis cotnpressis, toro dimidio bretioribns , apice dilatato mucronulatis antheris didymis, loculis divaricatis, transverse latioribus. Slyli patenti-reflcxi 3 lin. longi apicem versus sensim incrassati. Orarium ovoideum, stylis dimidio brevius. Bacca basi staminum et apice stylorum rudumentis ornata pollicaris, ovato-globosa , acuta, olivacea. Semina 2 lin. longa cordata, apice subtruncata, plana, torulosa, albida, margine tumi- dulo longitudinaliter sulcata. Unterscheidet sich von der ihr nächst ? verwandten P. mediier- ranea Vell. fl. fl. IX. 72. durch die mit 4 Drüsen versehenen Blatt- stiele, durch die eine gestielte Drüse tragenden freien Nebenblätter, durch das regelmässige Vorkoninien zweier Blütenstiele in einer Blalt- achse, und durch ein ganz verschiedenes Verhalten der Kronladen, Wien, den 14. März 1863. Juncus Czetzii Schur. (Eine neue Form des Juncus castaneus Sm.) Von Dr. Ferd. Schur. J. rhizomate fibroso et stolonifero, culmo supra basin monophyllo, foliis subulatis supra canaliculatis, glomerulis A — 6 ßoris inferiore pedicellato, phyllis perianthiis lanceolafis acutis aequalibus longitudine staminum, filamentis anthera duplo Ion- gioribus, Capsula matura obtusiuscula subito in stylum exeunte perianthium duplo super ante. 112 In Siebenbürgen auf den Rodnaer Alpen, auf dem Dsemenye fKuhhorn) 7000' (?) ab-oluter Höhe, Glinimerscliiefersubstrat. Juli 1862 von Herrn Czelz gesammelt. — Für die Flora von Sieben- bürgen eine neue Pflanze. Die slebenbürgischen Exemplare sind durchgehends 9" hoch und in allen Theilen seinuächtiger als die mir vorliegenden deutschen und norweoischen Exemplare. Der Halm ist 1 — 2" über der Basis mit einem Blatte versehen , und auch dieses fehlt bei manchen Exemplaren, so dass hier ein Blülhenschaft sich darstellt. Die Blatter gind 2—3" lang , y^'" dick und im getrockneten Zustande pfrimen- iörmig mit einer schwachen Kinne an der oberen Seite, die Spitze ist stumpf. An der Basis des Halmes bemerkt man meist 4 Blätter von verschiedener Form, von denen das äusscrsle als Blatlscheide vorhanden ist. Der Blülhenstand besteht aus enlferntstehendeu Blülhenknäulen, von denen der unterste etwas gestielt und grösser als der endständige ist und aus der Axilie eines Deckblattes hervor- tritt, welches den Blülhenstand üi)erragl. Die Blüllicnknäule sind 3_6[)Uithig. Die Ivapscln kaum 2'" lang, verkehrt eilauzettlich, von der Basis bis fast zur Mille l)leich dann bis zur Spitze kastanien- braun. Das Rliizom ist faserig und treibt mehrere schwache 1" lange Stolonen, welche mit blassen Schuppen dicht bedeckt sind. Der Unterschied zwischen der siebenbürgischen und der deutschen Pflanze besteht hauptsächlich in der Zartheit der ersteren und in der Kleinheit aller Theile, ferner darin, dass der Halm nur ein Blatt besitzt, wahrend bei den deutschen Exemplaren stets zwei mitunter auch drei Blätter vorhanden sind. Auch sind die Früchte bei der siebenbürgischen Pflanze um mehr als '/j kleiner und etwas mehr zugespitzt; denn während der deutsche Junciis castdneus Früchte von 3'" Länge besitzt, zeigt unser Juncus Cz-etzii Früchte, v.elche kaum 2'" Länge haben. Endlich sind die Blätter bei unserem in Rede stehenden Juncus sehr zart und pfriemenförmig, während die deutsche und norwegische Pflanze doppelt so lange, flache bis 1'/,'" breite von der Basis allmalig verschmälerte Blätter hat. Nach Ledebour, fl. Boss. HL p. 232, sollen die Blätter des (uropäischcn J. casfaneus im Allgemeinen kleiner, schmäler und rinnenförmig, die des asiatischen aber mehr flach und stärker sein, was sich jedoch bei den mir vorliegenden deutschen und norwegi- schen Exemplaren nicht bewährt, indem diese, wie schon oben angedeutet, sehr breite und flache Blätter besitzen und somit dem Typus des asiatischen J. castaneus entsprechen , während unser siebenbürgischer J. Cz-etzii dem Typus mit schmalen mehr rinnen- förmigen Blättern entspricht. AYien. am 1. März 1863. 113 Bemerkungen über das Yorkommeu für Ungarn interessanter oder neuer Pflanzenarten. Von Victor von Janka. Lepturus patmonicus liiinlh. Sehr luiufig- in feuchten Niederungen der Ebene bei Szekelyliid im Nord-Biharer Comilat; um Püspök Ladäny, Karezag und Kis-Uj-Szälläs ebenfalls häufig. Hordeum maritimum With. Gemein in Sandsteppen um Derecske etc. Trificnm acutum DC. ? In der Ebene bei Szekclyhid iiie und da zerstreut, kleine Rasen bildend. — repens L. Bei Grosswardein kommt eine Form sehr häufig vor, welche Kelchspeizen von der Länge der ganzen Aehr- chen hat. Melica altissima L. An Weingärlenrändern, an Zäunen zwischen Gebüsch bei Grosswardein. Scsleria Heufleriana Schur =:: S. coerulea Sadler flor. comitat. Pesthiensis. — Ich sah auch ein am Plattensee von Bilimek gesammeltes Exemplar im Herbar des Hrn. D. Stur. Crypsis alopecuroides Sehr ad. Sehr häufig im nordwestlichen Tlieile des Nord-Biharer Comitates. Bei Kis-Uj-Szälläs von meinem Freunde Jenny in einer Form mit khünen sehr kurzen Aehren gesammelt, die ganz das Aussehen von C. nigricans Guss. hat. A/opecurus fuivus S m. In der Ebene bei Szekelyhid. Bcckmannia erucaeformis Host. In unter Wasser stehenden fluiden auf Wiesen bei Diöszegh im Comitate Nord-Bihar, aber bloss an Einer Stelle, sehr häufig; erreicht hier Mannshöhe; um Kis-Uj-Szälläs sah ich viel niedrigere, kaum 1' hohe Exem- plare. Colchicum autumnale L. Bei Grosswardein sehr häufig. Muscari botryoides Mi 11. In Waldungen bei Szekelyhid. Ovnithogaium umbellatuni L. ist eine um Szekelyhid im 3Iai sehr verbreitete Pflanze und kömmt in üppigerer grösserer Form in Obstgärten, in schmächligerLMi kleinen Exemplaren mit fädlichen Blällern in den Steppen der Ebene vor. Auf salzhaltigem Boden fand ich sogar Exemplare, die kaum zollhoch und deren Blut he n nur so gross, wie jene einer Gagea pusilla waren! — Von einem Ritte am 11. Mai 18G1 heimkehrend, bemerkte ich vom Pferde aus auf einer Grassteppe ein von 0. i^/«6e//a^M/w dem Habitus nach ganz verschiedenes Ornithogalum, so dass ich selbes augenblicklich für 0. comosum L. hielt. Ich kehrte am folgenden Tage mit den zum Sammeln nöthigen Botanisir-Requisiten an die Stelle zurück und sah, dass das Ornithogalum nicht 0. comosum sein könne. Es hatte fädliche Blatter, in der Mitte mit einem weissen Längsslreifen versehen, 114 und nur sehr wenige Blüthen , die im Verhältniss zu den von 0. umbellatum sehr kurz gestielt waren; denn die Blüthenstiele waren kaum so lang, als die Perigone selbst und mit den Bracteen entweder gleich lang oder wurden von diesen sogar überragt, was mir bei noch so armseligen Formen von 0. umbellatum nie unterkam. Beim Ausgraben fand ich jede blüthentragende Zwiebel von einer Masse (han^voU) grösserer und kleinerer Zwiebelchen umgeben; auch unter der Zwiebelhülle waren Zwiebelchen verborgen. Fruchtexemplare konnte ich nicht mehr finden , da die Pflanze von i\Q\\ später dort weidenden Gänsen gefressen wird; aber an vollkommen abgeblühten Indi- viduen waren die Fruchtstiele wagrecht abstehend. — Neil- reich hält diese Pflanze für 0. praetexlum Stev. in Kunth Enum. Ruscus (tculeatus L. In Buchenwäldern beim Dorfe Hegyköz Szent Miklös nächst Szekelyhid massenhaft. Iris Reichenbachii Heu ff. ist jedenfalls nach dem Exemplare, das ich vom sei. Heuffel habe, eine von /. pumila Jacq. total verschiedene Pflanze. Ob sie aber von einer der andern früher gleichfalls mit /. pumila verwechselten Arten, wie z. B. I. italica Pari, oder /. olbiensis Hon. specifisch zu trennen sei, konnte ich noch nicht eruiren. Crocus bannticus He uff. In Waldungen beim BischofFsbad (wo das Dorf Haju liegt) nächst Grosswardein. — Hier die erste Früh- lingspflanze, und wird dann sammt Galanthus und Scilla in Bouquets geflochten, massenhaft zu Markt gebracht. — iridißonis H Clin, im Schwarzwald bei Elesd, nordöstlich von Grosswardein im September 1862 von F. Hasli nger entdeckt. Spirantlies aestivalis Rieh. Aufwiesen im sogenannten Wolfswalde bei Grosswardein in der Richtung -gegen das BischolTsbad im Juli 1861 gleichfalls aufgefunden von Herrn F. Hasli nger. Ist für Ungarn eine neue, sehr schöne Entdeckung und dürfte der östlichste Standort für Europa sein! Arum Orientale M. aB — Bei Szekelyhid in Waldungen. Was ich bisher aus Siebenbürgen und Ungarn als A. maculatum sah, gehört Alles hielier. Camphorosma annua Pol!. = C. ovata W. K. In der Ebene bei Szekelyhid, dann im westlichen Comitate Nord-Bihar sehr ver- breitet; ebenso um Püspök-Ladäny etc. Pkmtago maxima Ait. Bei Kis-Uj-Szällas von Jermy gefunden. Aster canus W. et K. fand ich im September 1861 auf Steppen südlich von Karezag ziemlich häufig-. Cirsium cilialum M. aB. Auf Steppen westlich ganz nahe bei Karezag sehr häufig. Crupina vulgaris Cass. Auf einem Berge in der Nähe des Bischoffs- bades bei Grosswardein gefunden von F. Haslinger. Tanacetum Parthenium Schultz Bip. — Zwischen Elesd und dem 115 Scinvarzwalde bei Grosswardein wirklicl» wild gefunden im August 1862 von F. Haslinger. Ajuga Laxinanni Bentli. Bei Kis-lj-Szällas seifen: Jcrmy. Vcrbena supina L. Sehr gemein bei Kis-Uj-Szälläs zwischen dem Orte und dem Eisenbahndamme. Heliotropium siipinum L. Gemein in der südlichen Umgebung von Kis-Uj-Szälläs, ganz naiie beim Orte. PiiUnonaria sacharata Mill. In Wäldern beiui Felix- und BischoiTs- bad nächst Grosswardein. Oenanthe bnnatica He uff. fand ich Ende Mai 1862 in nächster Äähe von Grosswardein zwischen Gebüsch der Auen am rechten Ufer des Kürös-Flusses, am Fusse des Weingebirges stellen- weise sehr zahlreich. Unterscheidet sich von Oe. pcucedanifolia und Oe. rirgata durch die nicht linealen , sondern lineal- lanzetllichen Blattsegmenfe, vou-Oe. crocata durch die an der Basis eiförmig geschmälerten Früchte; von Oe. Lachen alii Am i:\\ die an der Basis abgerundeten bis zur Mitte gespaltenen äusseren strahlenden Blüthen, durch die unter dem Kelchsaume zusam- mengeschnürten Früchte und vor Allem _durch die (\e\\ Wurzel- blätfcrn ganz ähnlich gestalteten Siengelblätter. — Oe. globulosa, media., silaifolia, pinipinelloides und angulosa haben die Basis der Früchte mit einem schv.ieligen Ringe umgeben und stehen daher entfernter. Peucedanum ofßcinaleL. In den Steppen südliidi von Karezag häufig. Smyrnium perfoliatum L. Im Reday-Garten von Gross\\ ardein. Eine der ersten Frühlingspllanzen. Sedum Cepaea L. In Wäldern bei Grosswardein gegen das BischofTs- bad zu an Baumwurzeln, entdeckt von F. Haslinger. Ranunculus illyricus L. Aul Wiesen im Weingebirge bei Szekelyhid. Cochlearia macrocarpa W. et K. Auf Puszten bei Karezag; bei Kis- Uj-Szälläs von Jermy gefunden *). — Armoracia L. Sehr gemein in den Strassen von Szekelyhid, jedoch nie fructificirend. Genista Mayeri 5ka. Vielleicht doch auch kahlfrüchtige Varietät der G. ovata W. et K. — Auch in Waldungen bei Sz. Jobb. Wer G. ovata W. et K. nur einmal in der Natur beobachtet hat, dem kann es nie einfallen, sie für irgend eine Varietät von 6r. tinctoria L. zu halten. Trifolium pallidum W . et K. Ich sammelte diesen Klee am Kitaibel'- schen Standorten bei Sz. Jobb. — Wahrlich unbegreiflich ist es, wie Heuffel T.procerum Rochel als synonym zu dieser Pflanze ziehen konnte. Trifolium pallidum kommt nie mit so schmalen Biältchen vor und hat nie so lang gestielte Blüthenköpfchen. — laemgatumDes.f. ( T. strictumAY. et K.) wächst in Gesellschaft *) Findet sicli oft in Hausgärten und wird so wie folgende genossen, hat alic-r einen angenehmeren, süssliclien viel milderen Gesclimaclv. 116 von T. angulaturn W. et K. T. striatum L., T. patens Schrb. und T. campestre L. auf salzhaltigen Wiesen um Szekelyhid gegen Nagy-Kagya zu. Gross war dein, am 1. Jänner 1863. Zur Flora Schlesiens. Von Uechtritz. Anthriscus ahortitus Jordan. Unter einigen Exemplaren von Chaerophyllwn hirsutim, welche mir mein verehrter Freund, der um die genaue Erforschung der Vegetation der Siriegauer Gegend sehr verdiente Herr Thierarzt Schwarzer vor Kurzem mitlheilte, fand ich auch einen Anthriscus, auf welchen die Beschreibung, welche Jordan von seiner oben erwähnte Art gibt (in den „Observalions sur pliisieurs plantes nouvelles rares ou critiqiies" , septieme fragment, Decembre 1848, p. 28 und 29),' in allen Stücken so genau zutrifft , dass ich ihn nur für jene vonr Autor zuerst in den subalpinen Wäldern der Dauphine beobachtete Species halten kann. Von» A. sylvestris Hoffm. unterscheidet sich, die Pflanze durch folgende Merkmale. Der Stengel ist weniger holzig und zahlreicher, gleichmässiger und feiner gefurcht, dabei ^ wie die ganze Pflanze mit Ausnahme der am Rande gewimperten Blattscheiden, fast stets kahl. Blätter nur doppelt gefiedert, mit weniger zahlreichen und breiteren Fiedern. Die Blüthenstielchen an der Spilze nicht borstlich-gewimperf. Die Blümchen kleiner, die der centralen , kürzeren Doldenslielchen stets unfruchtbar. Die Früchte weniger zahlreich (etwa 4 , höchstens 5 im Döldchen),. kleiner und fast gleichmässig dünn, kürzer als ihr Stiel. Der Griffel bedeutend länger , als das Stempelpolster. — Von A. alpestris Wimmer et Grab., welchem er durch die nun doppelt gefiederten Blätter, die an der Spitze* nackten Blüthenstielchen, die längeren Griffel und durch die Unfruchtbarkeit der centralen Doldenstielchen weit näher steht, unterscheidet sich der A. abortinus Jordan deut- lich durch die breiteren und kürzeren Fiedern und durch die Form und geringe Anzahl der Früchte , dagegen dürfte der A. dubius Kabath, von welchem ich Originalexemplare aus Freund Kabath's eigener Hand besitze vielleicht nicht specifisch verschieden sein, da derselbe in allen Stücken, auch in der Frucht dem A. abortivus völlig gleicht und nur durch die sehr grossen Randblümchen sowie durch die noch grösseren und breiteren unterseits stark glänzenden Fiedern des Blattes abweicht. Dass diese Unterschiede nicht constant sind, beweist ein von Ducommun auf der Dole im Genfer Jura gesammeltes Exemplar des A. aboriicus , welches die grösseren Randblümchen der Gleiwitzer Pflanze besitzt, aber in dem geringen 117 Glänze der Unlerseile der Blätter, so wie in deren Fonn der Strie- gaiier gleicht. Sollten, was ich nicht bezweifle, nochmals an den lebenden Pflanzen angestellte genaue Untersuchungen in Zukunft die Zusaniiiiengehürigkeit beider Arten bestimmt darlhun. so muss der Kabath'sche Xame als der ältere, wenngleich weniger bezeich- nende vorangestellt werden, da die JFl^mra von Gleiwitz bereits J_846, also drei Jahre früher als das Jordari'sche oben citiiteWerk erschienen ist. Odontites sevotina Lam. Diese Pflanze, welche man. durch die Mehrzahl der deutschen Floristen verleitet, in den Lokalfloren der nördlicheren Gegenden nicht aufzusuchen scheint , ist nichtsdesto- weniger, wie es scheint, auch hier ziemlich verbreitet; wenigstens gilt dies bei uns in Schlesien. In der Breslauer Gegend fand ich sie im verflossenen Herbste auf Brachfeldern bei Schmolz und Lissa und besitze im Herbarium Exemplare, welche ich früher als 0. rubra um Oswitz bei Breslau und um Trzinitz bei Teschen gesammelt habe. Von Freund Schwarzer erhielt ich sie auch aus der Strie- gauer Gegend. Von 0. rubra Pers. ist die 0. serotina L'An\. bei genauerer Betrachtung nicht scliwierig zu unterscheiden . obwohl ein Theil der von den Floristen gewöhnlich zur Trennung benutzten 3Ierkmale gewiss nicht sticlihaltig ist. Namentlich gilt diess von dem Längenverhältniss der Blüthen zu den Deckblättern. Bei 0. rubra sollen erstere stets kürzer, bei 0. serotina aber länger sein. Ich fand jedoch Exemplare, die ihren übrigen Merkmalen nach ent- schieden zur 0. serotina gehörten . bei denen jedoch die Deck- blätter bemerivlich länger als die Blüthen waren. Ebenso finden sich von beiden Arten Individuen häufig genug vor, bei welchen beide Theile fast genau von gleicher Länge sind. Auch Visiani (in der Flora dalmafica voll. II. p. 175) erwähnt bereits die Ver- änderlichkeit dieses Merkmals, auch Neilreich sagt (in der Flora von Unterösterreich, p. 564) bei 0. rubra: „Gewöhnlich gibt man die Deckblätter länger als die Blumenkrone an , diess ist aber keineswegs immer der Fall." — Die Staubgefässe sind auch bei 0. rubra häufig länger als die Blumenkrone, auch ist die spätere Blüthezeit für die 0. serotina keineswegs charakteristisch, indem ich die 0. rubra ebenfalls noch gegen Ende des Septembers in schönster Blüthe antraf. Dagegen scheint sich die 0. serotina durch folgende grösstentheils bereilsln DöITs trefflicher Flora des Grossherzogthums Baden erwähnte Merkmale sicher zu unterscheiden: 1) durch den etwas weniger tief (nicht bis zur 3Iitte) gespaltenen Kelch, welcher 2) die Kapsel bei der Fruchtreife nicht überragt, 3) durch die schmälere Kapsel, 4) durch die Kleinheit der Früchte und 5) durch die nach der Basis stets verschmälerten Blätter. Bei dieser Gelegenheit will ich noch erwähnen, dass die 0. rubra an einer Stelle der Breslauer Gegend (auf den Lohewiesen bei Jackschenau) konstant nur w^issblüthig gefunden wird. OrobaficheKochiiY. W. S chultz in Flora Bd. XXX. S. 65-67. Neben' vielen anderen für die schlesische Flora werthvoUen Funden, 118 welche mein lieber Freinid, der Cand. pliilos. Paul, im vergangenen Sommer in der Gegend von Myslowitz machte, von denen ich bei- läufig nur Potamogeton macronalus a!,s neu für Schlesien, Passerina ann.ia ( in Preussisch-Schlesien früher noch nicht beobachtet), Droseni rotundifolia X longifolia und intertnecUa, Henüaria hirsula, Eüomj- mus verrucosus etc. erwähne, entdeckle derselbe auch eine Oro- bnnche, die ich nach Yerglcichnng der lebenden Pflanze mit der Abbildung und Beschreibung F. Schultz's an der citirlen Stelle der Flora, sowie des Aufsatzes von Dr. Maly in Nr. 42 des ersten Jahrganges des österreichischen botanischen Wochenblatles nur für die obenerwähnte Art hallen kann. Durch die Gefälligkeit meines Freundes hatte ich Gelegenheit, die Pflanze am 15. und 17. August an ihrem Standorte, dem Phiteau der Grabina, eines dicht beim Dorfe Dzieckowilz gelegenen Kalkberges, selbst in ziemlicher Anzahl zu sammeln. Leider war die Mehrzahl der Exemplare eben verblüht, doch wurden noch einige in schönster Blüthe befindliche gefunden, welche zur Untersuchung völlig brauchbar waren. Der 0. major L. CO. stigmalodesWiwwnev Fl. v. Schlesien ed. II) am nächsten stehend untersclieidet sich die O.Kochu gleichwohl leicht durch den schlanken Wuchs, die auffallend späte Blüthezeit, durch die schmutzig-röthliche Färbung der ganzen Pflanze, durch die Aiel kleinere am Rücken nur wenig gebogene Krone und durch die nur bis zur Mitte (vom Grunde an) behaarten Slaubträger. Die Nährpflanze konnten ^\i^ leider des zu harten und trockenen Bodens halber nicht genau ermitteln; wahrscheinlich ist es in 6en meisten Fällen die dort häufige Centaurea Scahiosa. Ein Exemplar schien indessen auf Medicago lupulhia zu schmarotzen , was mit der Beobachtung Dr. Maly's, dass diese Art zu den nicht ausschliesslich an eine bestimmte Nährpflanze gebundene gehört , übereinstimmen würde. Äleines Wissens ist die 0. Kocliii bisher nur an einer Stelle, am Grazer Schlossberge beobachtet w^orden, vim w^o ich zwei Exemplare durch Herrn Pittoni erhalfen habe, die übrigens der schlesischcn völlig gleichen. Von meinen Lieblingen, den Brojni, habe ich im vergangenen Sommer wieder manches Interessante gesammelt. So beobachtete ich den B. commntatus Sehr ad., den ich früher um Breslau nur an einem Oderdamme gefnnden halte, wo derselbe aber offenbar nur ausgesät war, nun auch wirklich wildwachsend, unter dem Getreide und auf Ackerrainen bei Oltaschin, Schmolz und Obernigk zahlreich. Den bei Breslau wieder verschwundenen ß. patulus M. et Ji. habe ich in Menge in Gesellschaft des B. arvensis in überreifem Zustande auf der Grabina bei Dzieckowitz bei Mislowitz wieder- gefunden; somit ist diese schöne Art also unserer Flora erhallen. Von B. mollis L. tjind ich um Pepelwitz und Obernigk bei Breslau eine schöne Spielart mit ganz kahlen Aehrchen, welche dem B.race- mosus auf den ersten Blick ähnelt, von demselben aber leicht durch die dichter zusammengedrängten Deckspelzen und die kurzen Rispenäste zu unterscheiden ist. B. serotlnus Beneken ist nun 119 auch von Freund Schwarzer in einem nuch in tler Ebene gelegenen Wäldchen, unweit Striegau, dem sogenannten Rodeland bei Konigs- zelt und zwar in ziemlicher Menge mit B. asper aufgefunden worden. Breslau, Weihnachten 1862. s^rOö'Vo Reisen ins Wallis im Sommer 1852. Von Vulpius. I. Es ist nicht mehr als billig, dass ich beim Erzählen meiner Alpenreisen nun das Walliser Land an die Reihe kommen lasse. Es ist unstreitig für den Naturforscher der interessanteste Tlieil und Canlon der Schweiz. Die Physiognomie des Landes ist so eine eigenthümliche, dass, kommt man von Norden oder Westen her, gleich beim Ueberschreiten seiner Grenzen schon fast glauben möchte, man betrete da einen andern Weltlheil. An der Urner Grenze beginnend, wo die 2 höchsten Alpenjoche, die das ganze Land um- schliessen, im Gallenstock und der Furka sich vereinigen , ist das V/allis ein 36 Stunden langes Thal, das in seiner ganzen Länge von der Rhone durchströmmt , von Osten nach Westen streicht und unten am Genfer See seine Grenzen findet. Zwischen dem Gallen- stock und der Griinsel senkt sich der mächtige Rhonegletscher bis in die Thalsohle herab und lässt da aus eisigem Tlior die Rhone heraus treten und das Licht der Welt erblicken. Hier steht das Wirthshaus zum „Gletsch", an dem vorüber ein Pfad aus Uri und über die Furka herüber an der Maienwand hinauf nach der Grimsel, ein anderer gerade aus durchs Thal hinableitet. Eine Menge Seiten- thäler, von denen die meisten hinten von Gletschern geschlossen, kommen aus der nördlichen und südlichen Alpenkette hervor und münden in das nirgends breite Haupltlial aus. Die nördlichen sind die kürzeren und die bedeutendem derselben das Lötschenihal und das Thal der Dala, in dessen Hintergrund am Fuss der Gemmi die berühmten Lenker Bäder liegen. Die meisten der Südtliäler sind grösser , so das Binnenthal , das Einfischthal , das bei Sitten sich öffnende 12 St. lange Val d'Herens, das Bagnesthal; djis bedeu- tendste von allen aber ist das Viesperthal. Die hauptsächlichsten Pässe, die über die nördliche Alpenkelte aus Bern nach Waliis führen, sind die über die Grimsel, die Gemmi, den Sanetsch und den Rawyl, von denen der letztere der wildeste und gefährlichste. Im Süden wird das Land durch die höchste Kette der Alpen mit ihren berühmten Häuptern, wie Monte aioro , Monte Rosa, Matterhorn, Mont Velan, Col Fenetre und zahllosen andern von Italien geschieden. Verbin- dungswege dahin gibt es mehrere, jedoch ist der Pass über den L 120 Simplon die einzige Fahrslrasso. Die Strasse über den gr. Bernhard ist von der italienischen Seile heranf zwar auch falirbar bis zum Hospilz, allein auf der Schweizerseile ist es nur noch ein- Sauni- wey. Sonst gii)t es noch Pässe über das Gries ins Val Formazza und hinab nach Domo d'Ossola , durch das Binnenihal über den Albrun, von Saas im Viesperthal über den Monte 31oro nach Ma- cugnaga, von Zermatt über den Theodul-Gletscher (10,200 franz. Fuss hoch), durch Bagnes über den Col Fenetre und noch andere, aber alle diese sind mehr o;ler minder gefährliche Gletscherüber- gänge und nur wenige Wochen im Jahr und unter Leitung kundiger Führer gangbar. So von den höchsten Bergen umzingelt und selbst sehr tief gelegen, erfreut sich das Hmplthal eines fast italienischen Klimas und ist von erstaunlicher Fruchtbarkeit. Die Rebe liefert sogar da wo ihr, was man häufig sehen kann, gar keine besondere Pflege nicht einmal zu Theil wird, einen ganz guten und gesunden Wein. Wo man aber , wie in neuerer Zeit bei Siders. Silten und Martinach, dem Boden angemessene Sorten pflanzt und gehörig baut und behandelt, da gewinnt man einen Wein, rothen und weissen, den nicht bald einer heruntersficbt. Getreide wird bis hoch in die Südthäler hinauf gebaul; ja bei Zermatt, dem höch- sten und hintersten Dorf im Viesperthal am Fuss des Monte Rosa und Matterhorn strecken sich Aecker mit Sonnnerweizen auf steilen rauhen Bergseiten in südlicher Lage bis in eine Höhe von 5500 franz. Fuss. Da kann man unter Felsblöcken im Kornf(dil Höhlen von Murmelthieren sehen und die Thierchen selber, wie sie auf dem Felsen sich sonnen. Die Lage von Sitten, der Hauptstadt des Landes, auf dem rechten Rhoneufer und unmittelbar am Fuss der herrlichen Felsenhügel Tourbillon und Valeria , deren Scheitel noch mit den Ruinen aller Burgen gekrönt sind, ist g-anz eigen unfi fremdarlio-. Nachdem man da Morgens Cactus Opuntia, Punica Granatum, Ephedra diatachy (I, Artenüsia ralesiaca, und andere dergleiclfeii heisse Pflanzen gesammelt hat, kann man Nachmittags in den Alpen nüt Crepis pygmaea, Viola cenisia und deren Genossen verkehren und Abends doch wieder zurück in Sitten sein. — Das Land wird in Ober- und ünter-Wallis getheilt. Die Sprache einzig aber erscheint als die auffallende Grenze. Ober-Wallis spricht deutsch: Unter-Wallis französisch. Bei Sitten scheidet sich's. Die Leute in Wallis sind sehr gutmüthig , ehrlich und gefallig; nur mit der Ordnung und Reinlichkeit in den Häusern darf man's bei ihnen nicht so genau nehmen. Auch wegen seiner Cretinen ist Wallis bekannt; jedoch will es mir scheinen, als seien mir früher solcher Unglücklichen mehr begegnet als in letzter Zeit. Viele Kinder bringt man , um sie gegen die Krankheit zu bewahren im Sommer auf die Alpen. Meine Reisen ins Wallis begannen schon im Sommer 1824. Ich will aber nicht so weit zurück greifen, sondern mich lieber mehr der Neuzeit nähern und nur den Sommer 1852 wählen. Montag Nachmittags, den 21. Juni, reiste ich bei schönem Wetter von Thun ab und ging noch die 7^2 Stunden bis ins Dorf 121 Kaiulersleg am Fnss der Geinmi. Ain 22. brach ich Früh 4 Uhr auf. In den Wiesen im Thalilgrund liliihten Pedicularis verticillata und Gentiana lutea. Beim Aufsteigen auf die Gemmi blühten in ca. 4800' an feuchten schattigen Felswänden: Adenostyles alpina, Astrantia minor, Saxifraga cuneifolia und androsacea, Arabis pumila , dann Saxifraga oppositifolia und Draba tomentosa; der Grasboden war geschmückt mit Viola calcarata, Primula farinosa und Auricnla, Globularia nudicaulisimd cordifolia, Gentiana acaulis etc. Halbwegs zwischen Ivandersteg im Kanton Bern und den Lenker Bädern in Wallis, 3 Stunden von jedem entfernt, kömmt man zum AVirlhshaus „auf dem Schwarenbach" , dass schon auf Walliser Boden steht und in dessen \ähe ich Saxifraga caesia, Arabis bellidifolia und Gagea Liottardi bemerkte. Nach einer weitern iialben Stunde gelangt man zum finstern, traurigen, fast immer mit Eis bedeckten 6800' hohen und ungefähr 1 Stunde langen Dauben- see. Aber noch immer steigt der Weg, bis er auf der Daube seinen höchsten Punkt 7000' erreicht und man plötzlich vom Anblick der 2500' fast senkrecht unter seinen Füssen liegenden Leuker-Bädern üb'^rrasclit wird. Im Schutt und in den Spalten der Ivalkfelswände Idühlen Salix myrsinites, Draba ai^oides, lapponica und tomentosa, Androsace helvetica, Arabis pumila, Cerastium latifolium. Immer im Zikzak führt nun von der Daube an der schmale in die Fels- wand eingehauene Weg , ohne Gefahr , wenn nuin seine 5 Sinne beisammenhält, hinab ins grüne Alpenthal. Ist man unten angelangt und schaut zurück, so kann man nicht begreifen, wie und wo man da herabgekommen. Am Fuss der Gemmi blühten im Schutt Thlaspi rotundifoliiim und Ononis rotundifolia . auf der halben Höhe des Berges: Viola cenisia. Die Gemmi ist einer der schönsten Berge in der nördlichen Alpenkette und als ein Kalkgebirg reichlich gesegnet mit darauf bezüglichen Pflanzen. Die grosse Einsattelung auf der Höhe, deren tiefster Theil dem Daubensee zum Bett dient, besteht aus grossen, glatten zerklüfteten Kalksteinplalten, die wahrscheinlich früher einem Gletscher zur Unterlage dienten. Daher kommt es, dass der Daubensee, dessen Wasser das Schmelzwasser des nahen Lammergletschers ist, sobald dieser im Spätjahr zu schmelzen auf- hört, \ersiecht und trocken wird. Ein Bach, der im Gasternthai aus der Felswand bricht, wird für das Wasser des Daubensees irehalfen. — In den Wiesen gegen „Baden- hinein, wie man im AV'allis kurzweg die Leuker-Bäder nennt, stand Geranium lividuni in schönster Blüthe. Ich besuchte nun gleich meinen Freund, den Apotheker Jaggi, der eigentlich in Siders wohnt, aber während der Badezeit sein Geschäft nach „Baden-* verlegt. Wir verabredeten auf den folgenden Tag eine gemeinsame Excursion ins Dalathal. Den 23. Juni. Weil Jaggi um 6 Uhr Früh jedenfalls wieder zurück in seiner Apotheke sein musste , so gingen wir diesen Morgen um 3 Uhr von „Baden" aus durchs Thal aufwärts , bis wir uns in der Maingalp, dann rechts nach den Felswänden hinaufzogen. Ranunculus pyrenaeus, Arabis bellidifolia, Salix hastata, retusa, Oesterr. Botan. Zeitschrift. 4. Heft. 1S63. J 122 hehetica, myrsinites , Linaria alpina hatten wir gefunden, als die Zeit da war, da Jaggi zurücivkein-en mussle. Ich setzte nun allein meine Untersuchungen fort, indem ich mich nach dem Mainghorn selbst wandte. Bald erschien Lloydia serotina, Androsace Chamae- jasnie und obtusifolia , Saxifraga androsacea, opposiüfolia und Seguieri, Draba aizoides, fvigida und Joannis. Zunächst am Schnee, der meinem Weitersteigen ein Ende machte , blühten Anemone sulphurea und vermalis, Gagea Liottardi und in einer Schiefer- schutthalde Saxifraga biflora. Beim Herabsteigen fand ich im Grasboden ziemlich häufig ein Pflänzchen , eine weissblühende Crucifere, nur 2" hoch , das mir ganz neu vorkam. Ich hielt die Pflanze stark im Verdacht die Draba ciliata zu sein, was etwas Neues für die Schweiz gewesen wäre und bei meiner Rück- kunft in „Baden" suchte ich sie gleich in Koch auf. Alles passte, auch die linealen Schöttchen deren ich an einigen vorjährigen Sten- geln noch gefunden hatte, und so hielt ich die Sache für ziemlich sicher und gewiss. Auf dem Rückweg waren mir noch im Wald häufige Adenostyles alpina und in den Wiesen Limim montanum Schi, begegnet. Den 24. Juni hatten wir Regen. Nachmittags machte ich daher nur einen kurzen Gang bis zu den Leitern, die über die Felswände hinauf nach dem Dorf Albinen führen. Ausser Rosa alpina, Thalictrum foetidum und Saxifraga cuneifolia, die zur Seite des Weges stehen , waren die Felsen mit Buschen von Ononis rotiindifolia besetzt, wie ich sie nie schöner gesehen habe. Am 25. Juni war das Wetter wieder gut und nun machte ich mich auf den Weg gegen Sitten. In den Bergwiesen, rechts von der Strasse zwischen Baden und luden , in einer Höhe von nicht mehr als 4000' steht Paradisia Liliastrum reichlich verbreitet. Gleicli jenseits der Felsengalerie, wo der Weg um die Ecke herum sich nach Varen wendet, blühte in Menge Ononis Natrix und Coronilla minima. An der Strasse zwischen Siders und Sitten blühten Astragalus Onobrychis, Colli tea arborescens, Telephium Imperati, Avena Cava- nillesii und in den Reben Lathyrus tuberosus. Vor Sitten, am Fuss vor Tourbillon fand ich die Ephedra distachya schon dürr; was mir übrigens nichts schadete, da ich mich letztes Jahr im Mai schon damit versehen hatte. Hingegen fand ich in einer Hecke nicht weit davon 5 ausgezeichnet schöne Exemplare von Hieracium cymosi- forme Fr öl. Im Hineingehen in die Stadt nahm ich hinter der Mühle noch Genista radiata. Im goldenen Löwen nahm ich Logis und legte ein. Nach dem Nachtessen besuchte ich meinen Freund und Apotheker Tavernier. Am Morgen des 26. Juni machte ich Herrn Rion einen Besuch. Aus der Walliser Flora erhielt ich von ihm Buffonia tenui- folia, Ranimculus Rionii, Saxifraga cernua und diapensoides, Gen- tiana alpina Vi 11. und Gentiana Thomasii. Zum Behufe eines Prodromus der Walliser Flora, den er in Arbeit hatte, ersuchte er mich, ihn nach Beendigung der Reise wieder zu besuchen, was ich l'>3 gern ^eI•^prach. Auf Tuurbillon, wo ich nacliher hinging, fand ich Alles dürr und kahl und nichts ausser Orobanche coerulea. Aach- uiillags fand ich Gelegenheit , ein von Marfinach nach 3Iiinster in Oher-Wallis zurückkehrendes Gefährt benützen zu können und ent- schlossen mich unausgesetzt in Ober-AYallis herunizulreiben, fuhr ich mit. In Turtmann wurde übernachtet. Am 27. Juni fuhren uir 3Iorg:ens 7 Uhr wieder ab. In Glys verliess ich aber das Fuhrwerk, weil der Fuhrmann, da heule Sonn- tag war, um kein Geld die Messe oder Predigt versäumen Avollte. In Brieg kündigte ich uiich bei Metzger und Wirth Lauretan für nächstens auf lungere Zeit als Gast an; weil ich aber gerne zuerst noch auf das Gries gegangen wäre, so ging ich für jetzt noch >\eiler und blieb in .Münster über Xacht um morgen die Gries- Exkursion auszuführen. Von Viesch weg bis Münster folgten sich: Saxifraga aspera. Sisijmbrium pyrenaicum , Potenülla rnpestris, Thalictrum iiiajus und nur noch '/^ Stunde aou Münster blühte in Masse beisammen das schöne Polygonum alpinuvi. Den 28. Juni Morgens 3 Uhr streckte ich den Kopf zum Fenster hinaus. Alles war in Nebel und Wolken gehüllt. Bald fing der Regen an vernehmUch an die Fenster zu schlagen. So musste ich noihgedrungen das Gries aufgeben. Als es ein wenig nachgelassen, machte ich einen Spaziergang die Strasse aufwärts bis Gesehenen und am Bergabhang wieder nach Münster zurück, v.obei ich Anthericnin Liliagu. Laserpitium hirsutum, Campanula harbata und spicata. L'ilmm biilbifernm, Cirsium hcteropityllnm und Spevgula saginoides bekam. Nachmittags verliess ich Münster um statt auf Gries jetzt ins Binnenihal zu gehen. In Ernen erhielt ich, weil kein Wirthshaus im Dorf ist, in einem Privathaus ein Nachtquartier, wozu mir ein gefälliger junger 3Iann behilflich war. Den 29. Juni Morgens 4 Uhr lenkte ich nun ins ßinnenthal ein dessen Berge mich z\Aar schon oft, doch nie so früh noch im Somuier gesehen hatten. Bis zum Dorf Binnen, das 3 Stunden von Ernen und im Mittelpunkt des Thaies liegt , fand ich in sonnigen Lügen Campanula spicata, Ächillea tomentosa , Lu:iiila nicea,Hie- raciinn staticifoUum und lanatum, Ononis 7'olundifolia, Astragalus monspesstilaniis und Cicer, Thalictrum tnajus und in zerklüftetem Glimmerschiefer Matthiola varia. Nach genonimenem Frldistück im V/irIhsliaus bei einfachen braven Leuten setzte ich mich gleich wieder in Marsch den Alpen im Hintergrund des Thaies zu. Bei den Sennhütten „auf dem Platt" angelangt, stieg ich links in die Höhe, dem Grat zu. Von Ranunculus pyrenaeus war der Berg weiss, \Me übersciiueit. Ausserdem erbeutete ich: Anemone vernalis nnd sul- phurea, Gagea Liottardi, Primula longifloia und viscosa, Pinguicula grandiflora, Cardamine resedifoUa , Phaca asträgalina, Saxifraga caespitosa und exarata, Gnaphalium carpatictun , Ophrys alpina und Rodiola rosea. Abends ins Dorf zurückgekehrt wurde noch eingelegt. Asperugo procumbens trof ich in Masse mitten im Dorf bei der Brücke. Das Binnenthal, eines der Südthuler, folglich in 9* 124 der Urgebirgsformalion, theilt sich beim Dorf Binnen. Ein Arm, der kürzere, streckt sich gegen Süden in die Alpen hinauf, der andere grössere gegen Südosten endigt sich auf den Alpen des Albrun, über den ein nur für Menschen während der Sommermonate prakti- kabler 7500' hoher Pass nach Piemont führt. Auf den hiesigen Alpen wird ein ganz vorzüglicher Käs, der beste des Wallis, bereitet: er nimmt grösstentheils seinen Weg nach Italien. Nirgends habe ich die Menschen unverdorbener, gutmüthiger und uneigennütziger gefunden, als im Binnenthal, was ohne Zweifel darin seinen Grund hat, weil ausser den wenigen Piemontesen, die im Sommer über den Albrun, nur selten Fremde da hinein kommen. Den 30. Juni, Morgens 4 Uhr, ging ich von Binnen in die Grengiolfer Alpen um mich zu erfreuen am Reichthum ihrer Pflanzen. Die erste schöne am Weg dahin war Matthiola varia ; dann kamen im Lärchenwald: Astragalus leontinus und exscapus , Thalictrtim rt/pesf/'eGaud.; an einer steinigen Halde: Phacaaustralis', höheroben im Gruss: Herniaria alpina. Zwischen Wachholder hielt sich häufig das schöne Gernnium aconitifolium auf. Auf dem Rückweg fand ich am Ufer des Baches, der von der Binncr Furgge herunterkommt, eine glatte Form von Erigeron alpinus (nicht der wahre glabratusT) und Erigeron iiniflorus. Häufig war auf freien sonnigen Stellen die kleine Alpen- form von Erysimum helveticiini. Auch kam es hier zu einer Ent- hüllung. Ich fand in ähnlicher Lokalität , wie am 23. Juni in der Maingalp , hinter Baden die gleiche weisse Crucifere, in der ich damals die Draba ciliata vermuthefe, nur war sie jetzt weiter vor- gerückt in Alfer und Grösse. Ich erkannte sie nun als die Arabis ciliata R. Br. var. glabrata Koch. Auf den Mittag kam ich nach Binnen zurück und Nachmittags ging ich mit voller Büchse und Mappe nach Brieg. Dabei sah ich in der Nähe von Grengels Linum lenuifolium, Silene Otites, Potentüla rupestris , Onanis Natrix und rotundifolia, Gypsophylla Saxifraga und Sempervivurn arachnoideum. Zwischen Möril und Naters blühte „an der Hochfluh" Stipa pennata und Silene Ärmeria; dann weiter hin gegen Brieg zur Seite des Weges Astragalus Onobrychis. Den 1. Juli. Im Städtchen Brieg an der Simplonstrasse nahm ich nun mein Standquartier beim Wirth und'Metzger Loretan. Man ist da ungestört, hat hinlänglich Raum zum Einlegen und logirt da billig bei guten Leuten. — Als mich heute Nacht das Heulen und Brüllen des Föhns erweckte, der gerade vom Simplon herab an mein Fenster klopfte — wie war ich da so froh, gestern noch aus Binnen hieher gegangen zu sein und im guten Bett ruhig den Tag erwarten zu können. Diesen Morgen machte ich nun gleich An- stalten zum kunstgerechten Trocknen, wozu ich mir in der Papier- mühle zu Naters, nur V^ Stunde von Brieg, das nöthige Papier kaufte und eine Buchbinderpresse entlehnte. Ausserdem erlaubte mir ein in der Nachbarschaft wohnender gefälliger Bäcker die Be- nutzung einer immer warmen Kammer. Jetzt, da Alles gehörig vorbereitet war, gings ans Einlegen, während es draussen regnete. 125 Am 2. Juli besorgte ich das Trocknen. Am 3. Juli trat ich Nachmittags eine Exkursion in die Naters'er Alpen an, auf dem rechten Rhoneufer, nördlich von Brieg. Va Stunde ob Naters blühten an Felsen sehr schöne Silene Armeria und Sempervivum arachnoideum. Die Bergwiesen ob den Hütten „Platten" waren reichlich versehen mit Lychnis viscaria. Ohngefähr 6000' hoch liegen die Hütten „auf Lusgen" in einer sehr schönen Lage, in deren einer ich ein Obdach für die Nacht erhielt. Naters stellt im Ruf in Wallis zu excelliren in Schmutz und Unreinlichkeit und fast Jedennann hat die Kratze, ölein Wirlh und Beherberger auf Lusgen wollte mir einen alten Strohsack abtreten für die Nacht; aber sein unaufhörliches Kratzen und Schaben am ganzen Körper versetzte mich in keine kleine Besorgniss. Jede Berührung mit ihm zu vermeiden suchend, nahm ich lieber nur eine Handvoll Heu unter den Kopf und legte mich gerade auf den blossen Boden. Rein und klar schien der Vollmond durchs Fensterchen herein auf mein Lager und machte mir die Nacht zu einer wahrhaft erhabenen und genussreichen. Natürlich war ich am Morgen des 4. Juli bei Zeiten auf den Beinen und stieg aufwärts gegen die Hörner und Gräte, die dieNaterser Alpen von denen des Lötschenthals scheiden. Und welche Aussicht fhat sich da mir auf! Gerade vor mir wand sich gleich einem gewalligen Eisstrom der reine prachtvolle Aletschgletscher zwischen den Berg- ketten hervor, die sich südlich von der Jungfrau abzweigen, die ganze Länge, Breite und Tiefe des Thaies mit seiner Ungeheuern Masse erfüllend. Senkrecht unter mir lag ein anderes Hochthal eben- falls mit einem reinen prächtigen Gletscher, dem Jäggi-Gletscher, der am über 12000' hohen, gegen Himmel ragenden Nesthorn seinen Anfang nimmt und sich am Endeseines Bettes mitdem Aletschgletscher vereinigt. DieRieder Alpen die den Aletschgletscher südlich eindämmen, das Egischhorn, die Märjelen Alpen und deren See lagen vor mir nach Süden und Südosten, Im Norden die Ungeheuern Berge und Gletscher des Lötschenthales bis zur Jungfrau. Den Horizont im Süden begrenzte ie sie jetzt sind. Durch die Hebung, welche dieses jüngste Sediment des Meeresbodens ins Trockene brachte und der Insel ihr gegenwär- tiges Relief gab, muss eine Verbindung mit Syrien hergestellt worden sein. Nur dadurch wird es erklärlich, wie die Insel Cypern in dem Charakter ihrer organischen Wesen so vielUebcreinstimmung mit dem nahen Kontinent zeigt, ein Gegenstand, der später noch auslührlicher behandelt werden soll. Erst in der vorhistorischen Zeit mag diese Verbindung durch die Versenkung der Kommunikationsbrücke wieder aufgehoben worden sein. Die sowohl im Alterthume als in unseren Tagen häufigen Erdbeben, die mehrere Städte der Insel in Schult ver- wandelten , mögen wohl die letzteren Aeusserungen eines Processes sein, der die Geschicke der Insel in früheren Perioden ungleich impo- santer massregelte. Prof. C. Ritter von Ettingshausen hielt einen V^ortrag über neuere Fortschritte in der Erfindung des Nafurselbstdruckes und über die Anwendung desselben alsi\liltel der Darstellung und Untersuchung des Flächenskelets der Pflanze. Bekanntlich besteht das gewöhnliche Verfahren des Naturselbstdruckes darin, dass von der Bleiplatte, in welche das abzubildende Präparat eingepresst wurde, zuerst eine Hochplatle und von dieser die druckfähige Tiefplatte auf galvano- plaslischem Wege erzeugt wird. Obgleich die mittelst der Kupfer- druckpresse angefertigten Abdrücke nichts zu wünschen übrig lassen, so stellte sich w egen der Kostspieligkeit dieser Druckweise doch das Bedürfniss heraus, ein Verfahren zu besitzen, nach welchem möglichst genaue Abdrücke mit Umgehung der Galvanoplastik und des Kupfer- druckes erhalten werden können. Diess führte zu dem Gedanken, unmittelbar von der Bliiplatte, nach der Stcreolypmanier Drucktypen zu erzeugen, welche mittelst der gewöhnlichen Buchdruckerpresse Abdrücke Oveiss auf schwarzem Grunde) geben, die ungleich billiger sind als die Kupferabdrücke. Diese Slereotyp-Drucktypen erfordern 130 jedoch, um das Verdecken des feinen Blallnetzes zu verhüten, einige Vorsicht beim Auftragen der Schwärze und desshalb einen zweima- licren Druck. Es erübrigte somit nur noch die Lösung der Aufgabe, den Tiefdruck in einen Hochdruck zu verwandeln und auf diese Weise das Verfahren zu vereinfachen. Dank der unermüdlichen Fürsorge von Seite des Hofrathes von Au er gelang es nun, vollkommen entspre- chende Hochdrucktypen durch Aetzung der Naturselbslabdrücke her- zustellen. Es wird von der Bleiplatte oder von der galvanoplastisch erzeugten Tiefplatte mittelst der Kupferdruckpresse ein Abdruck auf eine rein polirle Zinkplatte übertragen und diese so lange geätzt, bis der durch den Fettstotf der Farbe geschützte Abdruck erhaben hervor- tritt. Hierdurch wurden Drucktypen erhalten, welche sich für die Buchdruckpresse sehr gut eignen und Abdrücke liefern , die den besten des Kupferdruckes ausserordentlich nahe kommen. Die erwähnte Hochätzung führte weiters zu einer Art der Darstellung von Pflanzenabdrücken. Es ist bisher nicht gelungen, die Photographie, welche für die Wissenschaft und das Leben eine immer grössere Be- deutung gewinntauch zur Erzeugung ^on Pflanzenabbildungen auf eine befriedigende Weise zur Anwendung zu bringen, da mau hier wegen der vorherrschend grünen Farbe der Objekte nur schwarze Schatten- umrisse und fast gar keine Detailzeichnung erhält. Durch die Erfin- dung des Naturseli)stdruckes war nun zwar das Mittel geboten, schöne Photographien von Pflanzen zu erhalten, indem das auf weissem Grunde in greller Farbe hervortretende Bild der Abdrücke sich zur photographischen Aufnahme in massiger Verkleinerung xortrelFlicIi eignet. Allein die Vervielfältigung war wegen der Kostspieligkeit des Verfahrens nicht ausführbar. Die in der k. k.Hof- und Staatsdruckerei auf lithographische Steine geätzten Photographien erweckten den Gedanken, dieses V^erfahren mit der Zinkätzung zu kombiniren und so die Vervielfältigung der Photographien von Pflanzen mit der Buch- druckpresse möglich zu machen. Es ist diess vollkommen gelungen. Schliesslich theilte Prof. von Ettingshausen noch einige Erfahrun- gen mit, die sich auf die Manipulation des Präparirens der Pflanzen und des Einpressens der Präparate beziehen, ohne deren Berücksich- tigung niemals vollkonnnen gute Abdrücke erhalten werden können. — In einer Sitzung der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur zu Breslau, ajn 4. December theilte Dr. Cohn mit, dass das Herbarium des verstorbenen Schulrector Köhler in Schmiedeberg, welches besonders an authentischen Formen von Rubus, aber auch an anderen, theils von ihm selbst theils von seinen botanischen Correspondenten gesammelten Plianerogamen und Kryp- togamen reich sei, bei seiner Witwe zum V^erkauf stehe, und dass Hr. Fiedler in Schmiedeberg zu näherer Auskunft bereit sei. Dr. Stenzel theilte ^einige von ihm in den letzten Jahren gemachte Beobachtungen zur Systematik schlesischer Pflanzen mit: L Unter den 3 Arten von Kletten ist Lappa tomentosa ausser den in der Flora von Schlesien angegebenen Merkmalen auch dadurch von den beiden anderen Arten verschieden, dass die Kronröhre 3mal so lauff 131 ist, als der Pappiis und ditss der Saum, niunenüicli zur Blüliiezeit, «lockig- aufgetrieben und dadurch scharf von der dünnen Röhre abgesetzt ist. Von L. minor unterscheidet sie sich ausserdem noch durch doldentraubigen Blüfhenstand. In den Runzeln und Rippen der Frucht dagegen konnte weder bei dieser noch bei den anderen beiden Arten ein scharfes Unlerscheidungsmerkmal gefunden werden. — L. major und L. minor sind schwer durch ])eslimmte Kennzeichen zu unterscheiden , indem die in verschiedenen Floren angeführten fast alle nicht ganz bestandig sind. Selbst die rothe Färbung der innersten Kelchschuppen, die an der L. minor fast stets erkennbar ist, fehlt bisweilen. Ge^^■(dlnlicll ist der Blüthenstaiid bei L. minor Iraubig, beiL. 7«flyor düldenlraubig; der Kronsaum verengert sich hc'i L. minor ganz allmälich in die Röhre und ist in der unteren Hälfte weiss, oben rosafarben; bei L. major ist der Saum gegen die Röhre schwach, aber deutlich abgesetzt und bis an die Röhre purpurroth. II. Von Circaea werden in der Flora von Schlesien drei Arten untersciiTeden. An zahlreichen vorgelegten Exemplaren von ver- schiedenen Standorten des Heuscheuer- and Riesengebirges, sowie von Riemberg wurde nachgewiesen, dass zwischen C. intermedia und C. alpina keine Grcnz(; sich ziehen lässt, dass daher auch die schlesischen Formen dafür sprechen, die erste Art nach dem Vor- gange ^ on Garckc und Doli einzuziehen und mit C. alpina zu vereinigen. III. Cjinanrhnm Vincetoxiaum bietet bei grosser Ueber- einstimmung sowohl Trrdei' Tracht als auch in fast allen einzelnen Theilen grosse Verschiedenheiten, besonders in der Gestaltung der um den Narbenkörper befindlichen Nebenkrone (corona slaminca). Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob eine dieser Formen mit dem zuweilen beobachtenden Winden des Stengels beständig zu- sammen vorkomme, in welchem Falle man die windende Form als besondere Art betrachten könnte. Zahlreiche, namentlich im Os- witzer Walde und in den Eichengebüschen hinter Rosenthal beob- achtete windende Stengel, von denen mehrere um .einander, um Eichen, Hartriegel u. s. w. windende vorgelegt wurden, zeigten die verschiedensten Formen der Nebenkrone und sprachen somit gegen die Arttrennung dieser Formen. Windend ist stets nur der obere Thcil des Stengels oberhalb der untersten Blüthen — es erreicht dieser seilartig auslaufende Theil bis 8 Fuss Länge — ; mit einer Ausnahme war ( r stets links windend (der Sonne entgegen). Der Sekretär Colin legte eine Alge vor, welche Sanitätsralh Dr. Lang- ner zu Landeck aus den cnjiTigcn Georgenbassin eingesendet: sie überzieht spinnwebenartig den ganzen Felsgrund, und wird fort und fort von dem Boden des Bassins durch die Gewalt des Wassers nach der Oberfläche gelrieben. Die Flasche, in welcher diese Alge war, entwickelte beim OelFnen einen starken Geruch nach Schwefel- wasserstolF; das Was.^er darin erschien trübe, weisslich; es schlug sich daraus ein starker schleimig faseriger, kreideweisser Absatz nieder, Avelcher unter dem Mikroskop zwei verschiedene Arten erkennen Hess; die eine besteht aus ganz blassen, parallel neben 132 einander gelagerten, in einer schleimigen Flüssigkeit eingebetteten Hygrocrocis-Yaden, ohne alle Körnchen und von der grössten Feinheit, kaum y2ooo"' dick; die zweite Art besteht aus dickeren (V1200'")' kraus und weitläufig durch einander gewirrten Fäden, die durch zahllose kleine stark (wie Fett) lichtbrechende, aber sich in Aether nicht lösende Kügelchen , dunkel fein gekörnt, an die farblosen Oscillarien (^Beggiatoa) erinnern, jedoch keine Bewegung zeigen. Eine Identifizirung dieser beiden Arten mit den von Kützing auf- gestellten ist darum schwierig, weil eine solche nur die Dicke der Fäden zur Grundlage haben kann , deren frühere Messungen aber unzuverlässig sind; indess möchte die erstere für Hygrocrocis nivea Kg. (in thermis calidis Italiae et Germaniae) zu halten sein; die zweite stimmt in ihren äusseren Charakteren mit der Oscillaria QBeggiatoa^, leptonütiformis (in limo thermarum Calidarum Italia) wesentlich überein; da ich dieselbe aber nur unbewegt fand, so müsste sie eine neue Species von Hygrocrocis abgeben; inzwi- schen könnten die Fäden zu anderer Jahreszeit vielleicht Bewegung zeigen ■"■). Zwischen de» Algenfäden fanden sich häufig Kalkkon- kremente; dagegen hat sich eine Vegetation am Abfluss der Ouelle, wie in Karlsbad, bei keiner der Landecker Quellen finden lassen. Hierauf begann der Secretär einen Vortrag über pflanzengeo- graphische Verhältnisse bei den Algen, weicher jedoch erst in einer späteren Sitzung zu Ende gebracht und dann referirt werden soll. F. Cohn, z. Z. Sekretär der botan. Section. — Ueber die Versammlung von Freunden der Flora Preussens in Elbing am 2. Juni 1862 ist von Dr. Klinggräff ein Bericht erschienen, dem wir Nachfolgendes entnehmen: Auch die diesjährige Zusammenkunft der Botaniker unserer Provinz in Elbing erfreute sich einer verhältnissmässig zahlreichen Beiheiligung. Nachdem Prof. Caspary die Leitung übernommen, gab Prof. Körnicke einen Bericht über einige von ihm für unsere Provinz neu entdeckte, sowie über neue Fundorte seltenere Pflanzen. Seminar-Inspektor Seydler legte eine neue Bürgerin unserer Flora Neuerdings ist mir durch Hrn. Dr. Na wr ocki, der sich als Begleiter des Hrn. Privatdoceulen Dr. L. iMeyer zum Zweck einer chemischen Analyse der Be- decker QueWe Anfangs Februar 1863 daselbst aufhielt, auch eine gemeine -Le/jfof/iria; av\s den Georgen Bassin mitgebracht worden, deren sehr dünne Reuse, sehr fein und kurz gegliederte Fäden etwa mit Leptothrix cyanea (Abano) übereinstimmen mögen. Nach meiner Ansicht gehören übrigens JSeg- giatoa^ Leptothrix und Hygrocrocis unmittelbar nebe» einander, wenn nicht in eine Gattung. Eine Bewegung der Beggiatoa? leptomitiformis wurde nicht beobachtet. Auflallend ist, dass der Schwefelwasserstoffgeruch, den das Wasser beim Oeffnen der Flasche in unerträgliche Weise ausströmmte, sich alsbald verlor, nachdem das Wasser Behufs Untersuchung der Algen in eine offene Schüssel gegossen wurde , als sich nach einigen Stunden ein neuer erzeugte, nachdem die Algen wieder in die Flasche zurückgebracht worden waren. Es scheint das darauf hinzuweisen , dass der freie Schwefelwasserstoff des Wassers seinen Ursprung dem Einfluss der Algen verdankt, welche durch ihren Vegetationsprocess gelöste SchwefelalkaJien zersetzen. Cohn. 133 vor: die dem nördlicheren Enropa ungehörige Carex lu liacea L. Sie u urde von Dr. H e i d e n r e i c h , nahe der polnlsclien Grenze bei Wischwili, östlich von Ragnit, in einem sumpfigen Walde ent- deckt. Sodann vortheilte derselbe unter anderen Elsholtzia cristata. die an immer mehr Punkten in unserer Provinz verwildert und eingebürgert gefunden uird. Dr. Klinsmann brachte die echte Crataegus oxyacantha, die in den Weichselgegenden nicht selten i^st, während ueiter östlich die entschiedene Cr. monogyna durch- aus vorherrscht, gemischt mit Formen, die sich der Cr. oxyacantha nahern, ferner Geaster 7'ufescens, einen für Preussen neuen seltenen Fungus, von Heia. Prof Caspary hatte von seinen vorjährigen Excursionen im südlichen Ostpreussen eine bedeutende Anzald seltener Pflanzen zur Vertheilung mitgebracht, von denen ^iaias minor aus dem Mauersee bisher in den Floren Preussens sich nicht findet. Die bemerkenswerthesten der übrigen Arten waren : Cimici- fuga foetida, Lilium Martagon, Eronymus verrucotus, Äquilegia vulgaris und Adenophora liliifolia aus dem ramucker Forst bei Alienstein, welche Localität Prof Caspary als vorzüglich pflanzcn- reichf schilderte; Geum Mspidum, Stellaria Frieseana und Oryza clandestina A. B r. (Leersia oryzoides Sw^) von Drengfurl; Salix depressa von Gerdauen. Auch im Dorfe Moltairien bei Gerdauen und bei Alienstein auf einem Holzhofe wurde Elsholtzia cristata bemerkt und, als eine auffallende Erscheinung, Nymphaea alba var. semiaperta im reissenden Fluss der Alle. Dr. H. E. v. Kling- gr äff brachte mehrere seltenere oder kritische Moose unserer Provinz z.B. Bryum caespiticiu-ji var. badium (B. badium Bm eh.). B. caes- pificium var. intricatum. dem Bryum Ku/izei Hoppe nahestehend; B. atropurpureum W. el M., B. pendulum an feuchten Mauern häufig, früher für seifen in Europa gehalten. B. erythrocarpum var, tor- faceum Schimp., welches Schimper anfangs für eine eigene Art hielt und Bryum K/inggräfßi nannte, nach Saut er schon früher >on ihm bei Salzburg gefunden und B. pumilum genannt. Ferner Barbnla papillosa, die bis unlängst auch als selten in Deuschland galt; Hypnum chrysophyllum und Sommer feltii. zwei sehr ähnliche, früher zusammengeworfene Moose und H. Mildeanum. ein noch selten gefundenes Moos. Der Berichterstatter verlheilte Artemisia scoparia von den Weichselufern bei Culm, und von Alarienwerder. ' "Die Pflanze wächst daselbst in grosser Anzahl und wurde später auch am Weichselufer bei Neuenburg, auf der montaner Spitze und bei Marienburg bemerkt, so dass sie offenbar dem ganzen Verlauf der Weichsel folgt und so lange nur mit der ähnlichen A. campestris, in deren Gemeinschaft sie wächst, vermengt und übersehen wurde. Nach Beendigung der Mittheilungen wiederholte Prof. Caspary seinen schon im vorigen Jahre gemachten Antrag eines für unsere Provinz zu begründenden botanischen Vereins unter Vorlegung des von ihm entworfenen Statuts. Die Versammlung beschliesst dann zu einem „preussischen botanischen Verein" zusammenzutreten und einigte sich nach kurzer Besprechung über die Statuten. Sie wählte 134 dann Prof, Caspary zum 1. Vorsitzenden, Pfarrer Kahler zuni2., Inspektor Seydler zum Schriftführer und Stadtrath Dr. Hans che zum Schatzmeister. Danzig wurde als der Ort der nächsten Zu- sammenkunft bestimmt und Dr. Klinsmann übernahm als Geschäfts- führer die Vorbereitung der nächsten Versammlung. Von L. Kühling und Apotheker Menzel in Bromberg ging der Versammlung, als sie beim Mittagstisch war, folgendes Telegramm zu : „Freundschaft- licher Gruss ! Alisma natans wächst Gross -Byslaw bei Tuchel". Alisina natans ist neu für die Provinz. Am folgenden Tage machten einige der botanischen Freunde noch eine Excursion nach dem schönen und pflanzenreichen Thale von Vogelsang-Damerau, woselbst sie auch eine neue Bürgerin für die Elbinger Flora : die bei uns seltene Melica uniflora fanden und verschiedene Formen von Ulmus beobachteten, von denen die eine, mit grossen, auffallend verlängerten, langgespitzten Blättern und länger gestielten Früchten, als Ulmus montana Sm. , welche Fries für eine gute Art hält, erkannt wurde. Literarisches. — Vegetationsverhältnisse von Kremsmünster und Umge- bung von P. Gotth. Hofstäd t er. Linz 1862. —In Nr. il des letzten Jahrganges dieser Zeitschrift wurde diese im Programme des Kremsmünster-Gymnasiums enthaltene Abhandlung bereits angezeigt. Die 33 Ouartseiten umfassende Arbeit zerfällt in> 6 Abschnitte, der erste bespricht die Grenzen und die natürliche Beschaffenheit des Florengebietes , das der Verfasser durch einen A^/2 Meilen langen Kreis, in dessen Centrum die Kremsmünsler Sternwarte liegt, be- grenzt. Hierauf schildert der Autor die geognostischen Verhält- nisse des Gebietes, und liefert in einem nächstfolgenden Kapitel tabellarisch zusammengestellte Daten über Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit und Regenmenge, ferner andere höchst schätzens- werthe aus vieljährigen Beobachtungen resultirende meteorologische Aufzeichnungen. Nach dieser physikalischen Einleitung folgt ein systematisch geordnetes Verzeichniss der wildwachsenden Gefäss- pflanzen des Florengebietes, in welcher 20 Gefäss - Kryptogamen und 715 Phanerogamen mit Angabe der Blüthenperiode (resp. der Vegetationszeit) und des Fundortes aufgezählt werden. In einem nächsten Abschnitte werden die aufgezählten Gewächse in die netten Gruppen von „Vegetationsformen" (Veg.-Form der Wälder etc.) gebracht. Den Schluss dieser sehr fleissigen Arbeit macht eine nach der bekannten Schablone angefertigte Tabelle phyto- phänologischer Aufzeichnungen (Mittel und Grenzen der Phasen aus mehrjährigen Beobachtungen), in der man jedoch eine vv'ichtige Sache , nämlich die specielle Angabe der Jahre , in denen die Beobachtungen angestellt wurden, vermissf. Uebrigens hat dies wenig zu bedeuten , indem man die fehlenden Daten den Jahr- büchern der mcteorolgischen Centralanstalt cnlnehmen kann; aber 135 in einer botanischen Abhandlung," an deren Spilze die Resultate exacler Forschung gestellt Averden, was man heut zu Tage nicht hoch genug anschlagen kann, möchte man gerne eine solche Lücke vermissen. Dr. J. W. — Das Supplcm Hfl. der Gartenflora von 1862 enthält für Freunde von Orchideen eine von Claussen gegebene Anleitung zur Kultur der exotischen Orchideen, woraus zu ersehen, dass nicht alle Arten eine feuchte, warme, geschlossene Temperatur ein besonderes Gewächshaus benöthigen , dass man mehrere Genera vollkommen gut in einem gewöhnlichen Warmhausc cultiviren kann, wie z. B. Stanhopea, Peristeria, Acineta, Caltleja, Laelia u. s. w. Sr. — „Ueber die feinere Verästelung der Pflanzenwurzel." Eine Vegetationsstudie von Dr. Friedrich Nobbe ist in Dresden erschienen. Botanischer Tauschverein in Wien. Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Knebel in Breslau, mit Pflanzen aus Schlesien. — Aon Herrn HofraUi Ritter v. Tonimas in! in Triest, mit Pflanzen vom Litorale. Sendungen sind abgegangen an die Herren: Freiherr v. Schlichtin g in Gurschen, Reuss in Prag, Vietz und Freiherr v. Leonhardi in Prag, Pfarrer Grund! in Dorogh , Dr. Lagger in Freiburg und S pr e i tz e n h o f er in Wien. Professor Bilimek hat eine Anzahl seiner Ptiotographien deponirt und können solche von Naturforschern gegen deren eigene umgewechselt werden. Correspondenz der Redaction. Herr B. in E. „An die zool.-botan. Gesellsch. 4 fl. gezahlt." — Herrn Dr. H. in B. : „Alle Anträge höchst willkommen." — Herrn C. B. in S. „Verbind- lichsten Dank." Inserate. 4ü 99- Die botanische Zeitschrift „Flora", das älteste derartige Journal, erscliieii von 1802 bis 1807, dann von 1816 bis auf den heutigen Tag, redigirt von Hoppe, Esch weiler, Fürnrohr und seit des letzteren Tod von dem unter- zeichneten. Sie gewährt dempach ein Bild des Entwicklungsganges der Botanik während dieses langen Zeitraumes und schloss sich der jedesmaligen Richtung desselben bald schneller, bald langsamer an. Nach Fürnrohr's Tod zwangen die Verhältnisse der Regensburger botanischen Gesellschaft, welche das Forterscheinen der „Flora" sichern, den Unterzeichneten zur Uebernahme der Redaktion, zugleich aber auch zur Beiziehung notorischer, der dermaligen Richtung der Wissenschaft huldi- gender Kräfte. Dadurch soll die „Flora" unter successiver Zurückweisung blosser Floren- verzeichnisse, einfacher Inhaltsangaben getrockneter Pflanzensammlungen , ohne Unterschied lobender Anzeigen jener Werke, welche der Gesellschaft geschenkt 136 werden u. dgl. mehr — eine Sammlung gediegener Originalaufsälze werden, in welchen die wichtigsten Fragen der Neuzeit besprochen sind. Wenn sie in letzter Zeit an Tagesneuigkeiten und sogenannten Zeitungsartikeln wenig brachte, S'j möge diess mit dem Sitze der Redaktion in einer l'rovinzialstadt und dem nur niangelhaften und unregelmassigen Einlaufe der Novitäten, entschuldiget VN erden. Es war bisher nicht möglich, einen Mitarbeiter zu finden, welcher iliesem Fache vollkommen gewachsen wäre und es scheint angemessener, einen solchen abzuwarten, als "blosses Stückwerk oder Plagiate aus anderen Zeit- schriften zu liefern. Da die dermaligen Aufsätze nur selten ohne entsprechendes Honorar erlangt werden können, so musste bei dem ohnehin, im Verhältnisse der in den letzten Decennien bedeutend gestiegenen Dücherpreise der Umfang der „Flora" etwas vermindert werden, was aber hoffentlich durch den Gehalt reichlich ■ aufgewogen wird. Die wichtigeren Aufsätze der letzteren Jahrgänge sind von Alefeld, Arnold, de Bary, Eiehler, Hassk arl, Ho fmei ster, v. Krempel huber, Landerer, Nägeli, Nylander, Sachs, Schultz, Schultz-Sch ul tzen- stein, Seh wenden er, Stizen berger, Trevisan, Zwackk, Es erscheinen jährlich 40 Bogen (die Beilagen an Lithographien oder Tabellen nach den Herstellungskosten mitberechnel) , monatlich drei bis vier und sind durch die Buchhandlungen von G. J. Älanz und Fr. Pustet in Regens- liurg, Friedrich Hofmeister in Leipzig, durch alle Postämter und von der Redaktion gegen Pränumeration von 4 Thir. zu beziehen. Die Redaktion ver- sendet sie im Postverein frei und unter Streifband unmittelbar nach Erscheinen einer jeden Nummer. Es sind noch einige fast vollständige Exemplare der ganzen Reihenfolge vorhanden, nemlich 6 Jahrgänge von 1802 bis 1807, dann 4o Jahrgänge von 1818 bis 1862 (in den Jahrgängen 1818, 1819, 1820, 1853, 1858 fehlen einzelne Nummern oder Tafeln) und können von der Redaktion gegen Voraus- bezahlung von 20 Thlr. pr. C. bezogen werden. Nur die in Mehrzahl vorräthigen Jahrgänge können einzeln, jeder zu 1 Tlhr., die drei neuesten jeder zu 2 Thlr. abgelassen werden. Auch von den Denkschriften der königl. botanischen Gesell- schaft in Regensburg, in Quart, 1815—1861, Band I— IV mit 36 Tafeln sind noch Exemplare vorräthig, in welchen höchstens einige Tafeln fehlen und können zusammen zu 8 Thlr. gegeben w'erden. Regensburg, im März 1863. ' Redaktion der „Flora". Dr. Herrich-Schäffer. Verkäufliches Herbarium. Dasselbe umfasst, mit nur geringer Ausnahme, alle Phanerogamen-Gat- tungen der Flora von Deutschland und der angrenzenden Länder, insbesondere auch voi Ungarn und dessen Nebenländern; dabei sind die einzelnen Arten durchschnittlich von acht bis zehn, jene der Flora der österreichischen Monarchie aber meist von noch viel mehr Fundorten vertreten. Die gut erhaltenen Exem- plare, zum grossen Theile von berühmten Botanikern stammend , befinden sich systematisch geordnet in starkem schönen Schreibpapier vom grössten Formal. Der Pflanzen-Sammlung werden auch einige botanische Werke beigegeben und unter diesen Reich en bac h's „Icones plantarum", Preis 250 fl. ö. W. Aus- kunft durch die Redakiion dieser Zeilschrift. Dem Aprilhefte hegt bei: Nerzeichniss von Tiroler Pflanzen zum Tausche angeboten vom botanischen Garten der Universität Innsbruck, durch Professor Dr. Ke r n e r. Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. Verlag von C. Gerold. Druck von C. Ueberreuter. OesteiTeichiscIie BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. Gemeinnütziges Organ für itie 5»terreiciii»ciie Exemplare, botuiilsche Zeltgchrift Rnfailllf llllil Rnf 51111 Lpr die frei durch diePost be- erscheint DUldUlü UHU DUiaUlUer, zogen werde« soHen, sind den Ersten jeden Monats. blos bei der ne«i«k«l^-i Neue Fflanzenarten, gesammelt auf der transatlantischen Expedition Sr. k. Hoheit des durchlauch- tigsten Herrn Erzherzogs Ferdinand Maximilian von Dr. H. Wawra und Franz Maly, beschrieben von Dr. Heinrich Wawra, k. k. Fregattenarzt. XXIV, Bessieria fasciculata. Caulis Simplex, quadrangulari-compressus cum petiolis pedi- cellis calycibusque hispidus. Folia elongato - obovata , iitrinque acuminata, supra glabrata, subtus praesertim in nercis hirta. Flores quini vel plnres in foliorum axlllls fasciculati , pedi- cellis calyce sublongioribus fulti; calycis laciniae rotundatae; corollae puberulae tubus calyce aeqiiilongus , basi postice inßatus, limbus subbilabiatus laciniis semiorbicularibus, patentibus ; stamina didynama cum rudimentario quinto postico reliquis dimidio bremore, filamentis imo tubo adnatis , basin versus valde dilatatis; discus hypogynus cupulaeformis, obliquus; ovarium glabrum, Stylus stami- nibus aeqiiilongus; Stigma bilobum. Corcovado in locis saxosis humidisque. Caulis 1 — i^/i pedalis erectus , simplex, basi torulosa sub- lignosus , pennae anserinae crassitie , quadrangulari-compressus, hispidus, in ferne glabratus. Folia opposita , pollicem ab invicem remota, superiora remotiora, 3—4 poll. longa, paullulum supra medium l^ — fere 2 poll. lata, oblonga vel elongato obovata, acuminata, in petiolum 12 — 15 lin. longum supra canaliculatum longe producta, integra, supra saturate viridia et glabrata, subtus ochracea sparse hirta et in nervis hirsuta , nervo mediano supra impresso subtus valido , secundariis utrinque 5—7 alternantibus arcuatis; folia novella villosa. Flores axillares 5 — 7 in pedunculo minimo aut omnino obliterato, pedicellis Va ~1 pollicaribus ßlifor- m'ibus hispidis fulti, ut plurimum nutantes. Calyx campanulatus 143 5 lin. longiis, usque ad basin fere ßsstis, laciniis siibaegitalibus iVij lin. latis rotundatis, extus striatis el praesertim basi hispidis. sordide ßavis. Corolla pallide rosea , tubo calyce aequilongo et 2 lin. circiter lato, basi postice inflato , medio constricto , superne extus cum laciniis puberulo , limbi subbilobi laciniis subae- qualibus , patentibus lineam longis , seniiorbicularibus integer- rimis. Stamina didynama, antlwrarum orbiculariiim connectivo crasso, localis basi sejunctis apice confliientibiis , filanientisimo tubo insertis et basin versus valde dilatatis, stanien rudimentarium posticum reliquis duplo brevius, anlhera hebetata, papillosa. Ova- rium disco hypogyno cupulaeformi oblique ac postice elevatiore, integro, in fricctu undulato eglanduloso cinctum, ovatum, glaberri- mum, in styluni teretem staminibus aequilongum productum, unilo- culare, placentis 2 parietalibus bipartitis, crassis, ovulis confertissimis, Stigma incrassatum bilobum, supra papillosum. Capsula calyce persistente vestita styloque persistente mucronata^ latissime ovoidea, compressiuscula ac media leviter sulcata. Semina minuta, fusca. Unterscheidet sich von der ihr nächstverwandten B. itmbrosa Marl. (nov. gen. III. 44) durch die haarige Bekleidung, besonders der Blüthenstiele und Kelche, durch die fasciculirten Blüthen, und durch die abgerundeten Kelchlappen, XXV. Polystichutn laocum, Frons ampla^ bipinnata, longe stipitata, pinnis remotiusculis lanceolatis, pinnulis ovato-lanceolatis acutis,inaequilateris, maryine inferiore sensim, — superiore abrupte in stipitem bretissimum con- tractis, argute serratis, dente inßnto marginis superioris in lobu- lum serrulatum umpliato. Sori in pinulis et in lobulo biseriales, singuli medio dorso vennlae anticae insessiles ; indusiutn sessile (?^ concavum et z-ona aurea pictum. Sporangia stipitata, annulo 12 — 14 articulato. Corcovado in silvis. Caulis repens . . . . Frondes — i pedales, pedem circiter latae, ovato-lanceolatae bipinnalae; stipite 12 — 14 poll. longo basi pen- nam cygneam crassitie aequanle, dorso convexo et praesertim basi squamis fuscis irregularibus obtecto , antice profunde sulcato et 4 striato, rhachi dorso convexa et irregulariter squamulosa, antice sulcata; pinnae breviter stipitatae, erecto - patentes , lanceolatae, inferiores oppositae, ^i poll. ab invicem remotae, pedales, stiperiores alternantes, sensim approximatae et abbreviatae ; rhachibus partia- libus subglabris antice canaliculatis.Pinnulae alternantes 8 — 4 lin. ab invicem remotae , breviter stipitatae, IV2 — 1 poll. longae ac 5 — 4 lin. latae, decrescentes , superiores sessiles demumqne basi confluentes ; e basi valde inaequali ovato-lanceolatae rel ovatae, acu- tae, inaequilaterae, margine inferiore sensim, — superiore sub angulo fere recto in atipitem vix linearem confractae, basi integra excepta serratae, dentibus incurvis, e basi ovata spinoso mucronatis, iis mar- ginis inferioris simplicibus, marginis superioris saltem inferioribus 144 denüculo interstitiali auctis infimo (rarius 2 — 3 inßmis) in lobuhm pinnulam superiorem attingentem serrulatum ampiiato, subnitentes, subtus pallidiores, cum lobiilo pinnatinervia, nervo mediano basi ramum validiorem in lobidum emitte/ite, secundariis confertissimis, subtilibus, in veniilas 3 — 4 divisls. Sori niedio dorso venulae anticae simulqiie infimae nunquam (?) divisae insessiles , oppositi, in pinnulis et in lobnlis biseriales, lineam clrciter a nemo mediano et V/i lin. {in pinnulis^ — 'A li^- G^ lobulis) ab invicem remoti, papaneris somniferi granum superantes^ brunei. Indusiutn sessile? orbiculare, concav>um, ^/^ lin. diametro, integrum, glabn/m, hyali- nuin , non procul centro zona simplici vel duplici aurea pictum. Rereptaculum semiglobosum, apice vix conspicue umbonatum ; spo- rangia stipite üs aequilongo fulta, compresso globosa , sporis compresso-globosis, echinulatis. Das ihm zunächst? stehende P. platyphyllum ?re s\. unter- scheidet sich von unsrer Art durch die bei weitem kleineren, gedräng- ten, abgerundeten und fast zahnlosen Fiederchen. XXVI. Lastrea odorata, Cy stopf eris odorata Presl. tent. pter. 93. Aspidium odoratum Bory in WiW d. spec. pl. F. 286. Hypodematium (?) Kunze annal. pter. 45. Frons triangularis stipite longo glabro, basi fasclculo squa- marum pollicariutn, aureo-nitentium praedilo fulta, ternata; rami tripinnati ; pinnis paucis; pinnulis subsessilibus lanceolatis obtusis, segmentis aessilibtis alternantibus , ovatis , obtusis , dense hispido- pubescentibus, pinnntipartitis, lobis rotundatis, crenulatis. Sori in segmento biseriales, singuli in loborum basi ; indusium laterale, cor- dalo-reniforme, supra ei margine pilosum ; receptaculum capitatum; sporangia lange stipitata, annulo 16 — 18 articulato ; sporae ovoideae, muriculatae. Ins. St. Vincentii in saxetis. Caulis repens, digito subaequicrassus , densissime rufo-squa- mosus. Frondes basi fasciculo squnmarutn densissimo ornatae. squamis polHcaribus, basi lineam latis subulatis, pellucidis, aureo- nitentibus ; pedales longe stipitatae, lattissime ovatae rel trian- guläres, ternatae; stipite seinipedali \.^/i lin. lato, compresso sub~ flexuoso, glaberrimo ; ramis subaequilongis tripinnatis ; pinnae'l — 6, alternae, rhachibus subttis convexis et subglabratis, supra canali- culatis et fulvo-puberidis; pinnulae stipite vix lineari compresso fultae, alternantes, 3 — 6 lin. ab invicem remotae IV2 — 1 pollicares, ovatae vel lanceolatae, obtiisae, rhachibus partialibus compressius- culis, undique rufo-tomentelHs; segmenta alternantia, 2 — 1 lin. ab invicem remota, subsessilia, 3 — 5 linearia, ovata vel elongato-ovata, obtusa, dense hispido-pubescentia, sordide glauca, pinnatipartita, lobis ooatis vel obovatis rotundatis, apice minute crenulatis. Sori in segmento biseriales, singuli in loborum basi venulae inßmae in- 145 sessiles papaveris somniferi grano majores fusci. Indmium per- sistetis laterale , brevissime stipilatum , cordalo-reniforme, albidum supra et margine integro longe pilosum. Receptaculum capitatum. Sporangia stipite iis aequilongo fulta, compresso - globosa, annulo 16 — 18 articulato. Sporae ovoideae, briineae, suhtiliter muriculatae. Die Galtung Lastraea unterscheidet sich von Cystopteris und Aspidium vorzüglich durch das seitenständige, nierenförmige am Rande nicht gefranste Schleierchen; zu er&terer niuss also unsere Art gezogen werden, wo sie in L. eriocarpa Presl. CHypodematium onustum Kze. 1. c.j ihren nächsten Verwandten findet. Presl's Auto- rität verbiethet, beide Arten zu confundiren, in der That lassen sich aber kaum haltbare Unterschiede zwischen beiden auffinden , wenn man nicht die an unserer Pflanze längeren Basilarschuppen , die weichere Behaarung der Wedel, und den wenigergliedrigen? Sporan- gienring als solche hinnehmen will; mir scheint die Zahl der Ring- glieder (29— 30) in der citirten Beschreibung von Kunze zu hoch angegeben zu sein. Wien, den 13. April 1863. Versuch einer analytischen Bestimmung der europäischen Moose. Von Albert Grafen Benzel-Sternau. III. TabeUe VIZ. €rimmiaceae. Systematische Uebersicht der Tribus, Familien und Geschlechter. Tri b. VIII. Grimmiaceae. Genus. Coscinodon. Ptychomi- Fam. 1. Cinclidoteae. triiim. Glyphomitrium. Genus. Cinclidotus. ^^m. ö. Zygodonteae. Farn. 2. Grimmieae. G e nn s. Amphoridium. Zigodon. Genus. Grimmia. Racomitrium. Farn. 6. Orthotricheae, Fam. 3. Hedwigieae. Genus. Ulota. Orthotrichum. G e n u s. Hedwigia. Hedwigidina. F a m. 7. Tetraphideae. Braunia. Genus. Tetraphis. Tetrodontium. Fam. 4. Ptychomitrieae. Fam. 8. Encalypteae. Genus. Encalypta. 1. Im Wasser lebende Moose oder, bei einzelnen etwa auf dem Lande vorkommenden Formen das Peristom unten unregelmässig- gitterförmig vorhanden, oben vielspaltig in Fäden ausgehend . (^Cinclidoteae) 2 „ Nicht im Wasser lebende Moose. Peristom fehlend oder aus 14G regelmässig gestellten Zähnen bestehend, unten weder gitter- förmig noch nach oben vielspallig 4 2. Büchsenstiel über die obersten Blätter sich erhebend .... 3 „ Büchsenstiel zwischen den obern Blättern versteckt Cinclidotus fonfinaloides Pal. ßeau. 3. Blätter lineal-lanzettlich zugespitzt, einerseitswendig, Frucht seitenständig Cinclidotus aquaticus Br. eur. „ Blätter zungenförmig - länglich, stumpflich, feucht etwas ab- stehend, Frucht endständig und seitenständig Cinclidotus riparius B r. eur. 4. Peristom fehlt oder vorhanden, dessen Zähne flach, mehr als vier 5 „ Peristom aus vier dreiseitigen pyramidalen Zähnen bestehend {Tetraphideae) 113 5. Haube mützenförmig oder kapuzenförmig-ungestaltet, nicht die ganze Büchse einhüllend 6 „ Haube meist glockenförmig, stets der Länge nach gefaltet . 63 „ Haube cylindrisch-löschhornförmig, die ganze Büchse einhüllend (Encalypteae) 103 6. Blattrippe vorhanden 7 „ Blattrippe fehlt (üedwigieae) 61 7. Büchsenhals fehlend, Büchse streifenlos, oder, wenn sie gestreift ist, auf gebogenem Stiele sich neigend (^Grimmieae) ... 8 „ Büchsenhals deutlich, Büchse aufrecht achtstreifig {^Zygodon- teae) 57 8- Büchse eingesenkt 9 „ Büchse emporgehobeu 17 9. Haube gelappt, bloss dem Scheitel des sehr verbreiterten Deckel- chens aufsitzend und dasselbe nicht ganz deckend. Stielchen gerad-aufrecht, Deckelchen fällt mit dem Süulchen zugleich ab, die offene Büchse gestutzt (G/mmiae Subg. Schistidiutn) . 10 „ Haube gelappt oder kapuzenförmig, das Deckelchen ganz oder auch noch einen Theil der Büchse einhüllend, Deckelchen nicht verbreitert, bleibt beim Abfallen nicht mit dem Säulchen ver- bunden, Slielchen entweder abwärts gekrümmt oder die geöff- nete Büchse nicht gestützt ... 13 10. Peristomzähne sehr kurz, Büchse daher scheinbar nacktmündig Grimmia sphaerica S chpr. „ Peristomzähne verlängert lanzettlich 11 11. Lockerrasig, kaum polsterförmig, Peristomzähne purpurn, ganz oder wenig durchbrochen, Zellen des Blattgrundes dick- wandig Grimmia apocarpa Hedw. y, D ich tpols terförmig, Peristomzähne orangefarbig oder blass, meist siebartig durchbrochen, Zellen der Blattbase nicht dickwandig 12 12. Blätter länglich-lanzettlich, Deckel kurzgeschnäbelt, Büchse eiförmig Grimmia conferta Funk. 147 „ Blätter aus eiförmiger Basis schmal-Ianzettlieh, Deckel lang- geschnäbelt, Büchse verkehrt-eiförmig Grimmia maritima Turn. 13. Büchse auf gekrümmten Stielchen geneigt, am Grunde stark- und ungleichseitig -bauchig, Deckel zitzenförmig QGrimmiae Subg. Gast er o grimmia) 14 „ Büchse aufrecht am Grunde nicht bauchig, Deckel kegelförmig oder gespitzt (^Grimmiae Subg. Gümbelia) 16 14. Peristom fehlt, die entdeckelte Büchse sehr weitmündig Grimmia anodon Br. et Seh. „ Peristom vorhanden 15 15. Polsterförmig, Büchse eingesenkt, trocken, rippenlos, deutlich bauchig, Ring schmal, Peristomzähne, breit-lanzettlich, orang- farbig Grimmia plagiopodia H e d w. „ Rasenförmig, Büchse etwas auftauchend, trocken gerippt, un- deutlich bauchig, Ring sehr breit, Peristomzähne lanzettlich, rauh, tief purpurfarbig Grimmia er inita Brid. 16. Polsterförmig, Blätter schmal-lanzettlich, obere meist in ein Haar auslaufend, alle Zellen am Blallgrunde stark in die Länge gezogen, Perichaetialblätter grün, nicht häutig, Büchse reif bleich Grimmia Donniana S m. „ Rasenförmig, Blätter länglich lanzettlicli, obere in ein Haar aus- laufend, die äusseren Zellen am Blattgrunde quadratisch, die inneren, längs der Rippe länglich, Perichaetialblätter an der Spitze häutig und farblos Grimmia tergestina Tom. „ Polsterförmig, obere Blätter verlängerl-lauzettlich, in ein Haar auslaufend, Perichaetialblätter an der Spitze weder häutig, noch farblos, reife Büchse braun QGrimmiae ovatae var.) .... 38 17. Büchse auf gekrümmten Stielchen geneigt, nickend oder hän- gend 18 „ Büchsenstiel grad aufrecht 34 18. Alle Blätter fast stumpf (Robust mit verlängerten Stengel, Blatt- zellen stark-buchtig-gezackt) . Racomitrium patens Seh. Syn. „ Alle oder wenigstens die oberen Blätter spitz QGrimmiae Subg. Grimmia) 19 19. Die oberen Blätter (nicht diePerichätialblätter) ohne Einrechung der Haarspilze lanzettlich 20 „ Dieselben verlängert-lanzettlich 26 20. Haarspitze entweder sehr lang oder doch wenigstens Va von der Länge des Blattes betragend 21 „ Haarspitze der oberen Blätter kurz 23 21. Obere Blätter schmal-lanzettlich, Zellen am Blattgrunde dünn- wandig, verlängert-rechteckig, Haarspitzen der obersten Blätter viel länger als der seitwärts aus ihnen vortauchende Büchsen- stiel Grimmia curvula Bruch. „ Polster locker, obere Blätter lanzettlich, breiter. Zellen am Blatt- grund kurz-rechteckig bis quadratisch, ziemlich dickwandig, Büchsenstiel nicht oder kaum kürzer als die Haarspitzen der 148 obersten Blätter und nicht seitwärts aus ihnen hervortauchend (6rr. trichophylla) . 32 Polster dicht, Blätter lanzettlich 22 22. Büchse fast rund , Stielchen bei der Reife gelblich , Haube kapuzenförmig Grimmia orhicularis Br. et Seh. Büchse oval bis länglich, Stielchen bei der Reife braun, Haube gelappt Grimmia pulvinata S in. 23. Die unteren Blätter stumpf, Rasen oben schön grün, unten tief- schwarz oder rothbraun (bis jetzt nur steril) Grimmia torquata G r e v. „ Alle Blätter spitz 24 24. Zellen am Blattgrund meist linealisch und sehr dickwandig, qua- dratische fehlend, Büchse glatt . Grimmia upiculaia Hörn seh. „ Zellen am Blattgrunde rechteckig und quadratisch , trockene Büchse gerippt 25 25. Lockere gelblichgrüne Rasen QGrimmia trichophylla') i ... 32 „ Dichte bläulichgrüne Polster (^Grimmia pulrinata) 22 26. Die Zellen am Blattgrunde mit Ausnahme der alleruntersten sehr kurz, stark ausgebuchtet (bisher nur steril) Grimmia Hartmanii Seh. Syn. „ Die Zellen am Blattgrunde entweder alle oder wenigstens die in der Mitte längs der Rippe liegenden verlängert 27 27. Haarspitze der oberen Blätter wenigstens Ya so lang als das Blatt . . . • 28 „ Haarspitze der oberen Blätter kurz . . • 32 28. Büchse trocken gestreift 29 „ Büchse glatt Grimmia Mühlenbeckii Sch^r. 29. Deckelchen stumpf, Büchse verhältnissmässig sehr klein Grimmia funalis S c hpr. Syn. „ Deckelchen spitz 30 30. Büchse verhältnissmässig gross 31 „ Büchse klein ^Grimmia trichophylla') 32 31. Zellen in den Blaltflügeln deutlich rechteckig bis quadratisch, Büchse elliptisch oder verkehrt-eiförmig Grimmia Schultzii W i 1 1 s. „ Die rechteckigen oder quadratischen Zellen in den Blattflügeln fehlen, Büchse eiförmig Grimmia elatior Br. et Seh. 32. Büchse trocken regelmässig achtrippig Grimmia li'ichophylla G r e v. „ Büchse glatt oder trocken unregelmässig gefaltet 33 33. Blätter lanzettlich-linealisch, Büchse länglich, Peristomzähne aufrecht Grimmia in cur va Sc\vvf^Y. „ Blätter aus lanzettlicher Basis linealisch-pfriemlich, Büchse oval, Peristomzähne trocken zurückgeschlagen Grimmia contorta S chprs. Syn. 34. Zellen am Blattgrunde nicht oder sehr undeutlich gebuchtet- zackig (^Grimmiae Subg. Gümbelia) -35 5, Dieselben deutlich und stark gebuchtet-zackig (ßaco/»e7nwm) 47 149 35. Büchsenstiel kurz, kürzer als die Haarspitze der oberen Blätter oder nur wenig länger 36 ,, Derselbe bedeutend länger 41 36. Haube mützenförmig 37 „ Haube halbirt 39 37. Büchse zarlhäutig, bleich, Peristomzähne fast ganz, an der Spitze nur hie und da durchbohrt . . Grimmia Donniana Sni. „ Büchse derbhäutig, braun, Zähne an der Spitze und oft bis zur Mitte mehr oder weniger regelmässig gespalten 38 38. Die oberen Blätter schmal-lanzettlich . Grimmia ovata W. et M. „ Dieselben länglich oder eiförmig-lanzetilich Grimmia leucophaea Gr ex. 39. Blätter an der Spitze haartragend engzellig 40 „ Blätter stumpf oder mit einem kurzen Spilzchen, Zellnetz lax Grimmia mollis Br. et Seh. 40. Deckelchen langgeschnabelt . . Grimmia monlana B r. et S c h. „ Deckelchen stumpf, konvex-kegelig Grimmia alpestris Schleich. 41. Blätter von drei tiefen Furchen durchzogen Grimmia sulcata Saut. „ Blätter nicht gefurcht 42 42. Deckelchen geschnäbelt 43 „ Deckelchen konvex, stumpf 46 43. Blätter haarspitzig Grimmia cotnmutata Hüh. „ Blätter stumpf, ohne Haarspilze 44 44. Blätter abstehend oder aufrechtabstehend 45 „ Blätter feucht zurückgekrümmt - abstehend, trocken gedreht (3 — 8" hohe, bis jetzt bloss steril gefundene Pflanze, Zellen am Blattgrunde linealisch, gebuchtet, nach oben sehr klein, dick- wandig und fast sternförmig) . . Grimmia gigantea Seh. Syn. 45. Blätter trocken nicht gekrümmt, Peristomzähne aufrecht Grimmia unicolor Grev. „ Blätter trocken gekrümmt, Peristomzähne abstehend oder zurückgebogen Grimmia atrata Wie\\c\i\\. 46. Polsterförmig, niedrig (^Grimmia Donniana') „ Rasig mit verlängerten Stengel . . Grimmia elongata Kaulf. 47. Blätter einfarbig, stumpf, weder ein farbloses Spilzchen noch eine solche Haarspitze tragend 48 „ Blätter mit einer durchsichtigen farblosen Spitze in ein längeres Haar endigend 53 48. Blätter an der Spitze breit-zungenförmig, fast abgerundet, da- selbst oft mit groben Zähnen versehen Racomitrium aciculare B r i d. „ Blätter gegen die Spitze zu verschmälert, nicht zungcnfürmig 49 49. Blätter feucht zurückgekrümmt 'abstehend, obere Blattzellen stets sehr klein, dickwandig und punktförmig (steril) (Grimmia gigantea) 44 150 „ Biälter aufrecht-abstehend oder, wo sie rückwärts gekrümmt sind, stets die oberen Blattzellen in die Länge gezogen . . 50 50. Rasen geschwärzt, Büchse eiförmig-kugelig, Peristomzähne bis zur iMitte gespalten . . . Racomitrium elliplicum Br. et Seh. „ Büchse länglich, Peristomzähne bis gegen den Grund gespalten 5 i 51. Blattzellen auch im oberenTheile des Blattes in dieLänge gezogen Racomitrium fasciculare B r i d. „ Dieselben daselbst kurz oder nicht viel länger als breit . . 52 52. Blätter breit-lanzettlich, stets alle stumpf Racomitrium protensum A. B r. „ Dieselben schmal-lanzettlich (häufig ausser den stumpfen auch Btätter mit farbloser Spitze vorhanden QRacom. heterosl^ . . 55 53. Blatfspitze nicht ausgefressen gezähnelt, höchstens mit ein- zelnen Zähnchen versehen, Peristomzähne von massiger Länge 54 „ Blattspitze ausgefressen - gezähnelt oder dicht-klein-gekerbt, Peristomzähne sehr lang, fadenförmig 56 54. Zellen im oberen Theil des Blattes kaum länger als breit . . 55 „ Dieselben in die Länge gezogen, sehr zackig Racomitrium microcarpum Brid. 55. Blätter nicht gefurcht, Büchse kurzstielig, oval bis länglich Racomitrium sudeticum Br. et Seh. „ Blätter gefurcht, die länglich-cylindrische Büchse auf langem Stiele Racomitrium heterostichum Brid. 56. Blätter nicht rauh, Blattrand nur in der Mitte des Blattes zurück- gekrümmt, unter der Haarspitze breit -häutig- gerandet und daselbst ausgefressen- fastwimperig- gezähnt, Büchse gegen das Stengelende in Mehrzahl vorhanden Racomitrium lanuginosum Brid. „ Blätter kleinhöckerig-rauh, der ganzen Länge nach am Rande zurückgeschlagen , unter der Haarspitze nicht breithäutig- gerandet, die Haarspitze kerbig-ausgefressen-gezähnelt, Büchse vereinzelt Racomitrium canescens Brid. 57. Peristom fehlt 58 y, Peristom vorhanden 60 58. Blätter lineal-lanzettlich, feucht nicht zurückgekrümmt-sparig 59 „ Blätter länglich-lanzettlich, feucht zurückgekrümmt-sparrig Zygodon viridissimus Brid. 59. Blätter am Rande nicht zurückgekrümmt, Büchsenstiel sehr kurz, nicht länger als die Hüllblätter, Deckelchen kurz Amphoridium lapponicum Schpr. Syn. „ Rand der unteren Blatthälfte zum Theil zurückgekrümmt, Büchsenstiel länger als die Hüllblätter, Deckelchen pfriemlich- geschnäbelt Amphoridium Mongeotii Schpr. Syn. 60. Lockerrasig, freudiggrün, Blätter schmallanzettlich mit engem Zellnetz, Büchsenstiel dülnin, Peristom wegen Unvollkommenheit der innern Wimpern scheinbar einfach, mit aufrechten gestutzten Zähnen Zigodon conoideus Schpr. Syn. - Dichte dunkelgrüne Pölsterchen, obere Blätter lanzettlich-spatel- 151 förmig, mit laxem Zellnetz, Büchsenstiel dicklich und fast flei- schig; Peristom doppelt, aus breillanzettlichen, trocken zurück- geschlagenen äusseren Zähnen und pfriemlichen eingekrümmten Innern Wimpern bestehend Zygodon Forsten Wils. Blätter rauh, meist mit glasheller Spitze Hedwigia cüiata H e d w. Blätter fast glatt, glashelle Spitze stets fehlend 62 Blätter fast gefurcht, Büchse fast kugelig, eingesenkt oder her- vorragend Hedwigidium imberbe Bt. ei Seh. Blätter sehr deutlich gefurcht , Büchse verlängert elliptisch, langgeslielt Braunia sciuroides Br. et Seh. Die 16 Perislomzähne entweder siebartig durchbrochen oder in zwei fadenförmige Schenkel sich theilend oder ganz, rothbrauu und durchsichtig gerandet (^Pty chomitrieae) 64 Die 16 äusseren Peristomzähne anders beschaffen (^Ortho- tricheae) 67 Peristomzähne siebartig durchbrochen, die obern Blätter an der Spitze meist haarlragend .... Coscinodon pulcinatus Spgl. Blätter nicht haartragend, Peristomzähne nicht siebartig durch- brochen 65 Peristomzähne lanzettlich, ganz, Glyphomitrium DamesiiBriA. Peristomzähne in zwei fädliche gleiche oder ungleiche Schenkel getheilt (^Ptychomitriuni) . . , 66 Blätter spitz, gegen -die Spitze scharf gesägt Ptychomitriuni polyphyllum B r. et S c h. Blätter stumpf, ganzrandig, Ptychoniitrium pusillumBr. et Seh. Peristom fehlt, Blätter sehr stumpf Orthotrichum gymnostomum Bruch, Peristom vorhanden 68 Peristom einfach, aus einer Reihe von Zähnen bestehend . 69 „ Peristom doppelt, das äussere aus Zähnen, das innere aus freien oder an ihren Enden im Mittelpunkte verbundenen Wimpern bestehend 74 39. Büchse auf verlängertem Stiel weit über die Hüllblätter empor- ragend 70 „ Büchse eingesenkt oder nur wenig über die Hüllblätter ge- hoben 73 rO. Blätter lineal-lanzettlich, Büchse verkehrt-eiförmig-keulig, oder birnförmig 71 „ Blätter eiförmig-lanzettiich, Büchse länglich 72 '\. Büchse bis zur Basis achtfurchig, entleert spindelförmig Ulota Drutnmondil Br id. „ Büchse dünnhäutig, bloss an der Mündung gestreift oder gefaltet, entleert nicht spindelförmig Ulota Jyudwign Brid. '2. Haube behaart Orthotrichum anoinalwn U e dw\ „ Haube kahl Orthotrichum cupulatum Hoffm. y. riparium Br. eur. "3. Büchse mit 16 abwechselnd längeren Streifen gezeichnet (die \5i Streifen sieht man am besten bei durchfallendem Licht unter der Linse) Orthotrichum cupulatum Uofim. „ Büchse verloren-achtslreifig Orthotrichum Sturmii R\)iß. et Hsch. 74. Blätter deutlich gedreht oder gekräuselt 75 „ V nicht „ „ „ 80 75. Blattrippe an der Spitze häufig mit einem Knoten aus verlän- gerten, gegliederten Zellenkörperchen gekrönt, ßlüthe und Frucht unbekannt Uiota phyllantha Brid. „ Blattrippe ohne solche Zellenkörperchen 76 76. Bliithe zweihäusig Ulota cwvifolia Brid. „ Blüthe einhäusig 77 77. Die trockene und entleerte Büchse spindelförmig mit sehr ver- engerter Mündung Ulofa Brnchii Brid. „ Die Büchse unter der 3Iündung mehr oder weniger zusammen- gezogen, und daher nicht spindelförmig, Mündung erweitert . 78 78. Zellen des Blattgrundes verschieden gestalfig , d. h. die am äussern Rande nur fast quadratisch, die in der Mitte gegen die Rippe hin linealisch 79 „ Alle Zellen des Blattgrundes ziemlich gleichgestaltet, länglich Orthotrichum pulchellum 11 o o k. et Tay 1. 79. Büchse derbhäutig, breitsireifig, unter der Mündung stark zu- sammengeschnürt, keulenförmig .... Ulota crispa Brid. „ Büchse zarthäutig, engslreifig, trocken eiförmig-aufgetrieben, unter der Mündung wenig, am Halse stark zusammengeschnürt Ulota crispula B ru c li. 80. Die Wimpern des innern Peristoms an der Spitze nicht verbun- den, frei, an ihren Seitenrändern glatt 81 „ Die Wimpern des innern Peristoms sind entweder an den Spitzen unverbunden und frei, dann aber an den Rändern rauh und ausgefressen-gezähnelt oder sie sind an der Spitze schei- benförmig verbunden 101 81. Blätter in ein wasserhelles gezähntes Haar auslaufend Orthotrichum diaphanum S c h r a d. „ Blätter an der Spitze haarlos 82 82. Zellenlumina im oberen Theile des Blattes verhältnissmässig weit, so dass die von den verwachsenen Wänden gebildeten Zwischenräume schmäler sind als die Zellenräume .... 83 „ Zcllenlumina im oberen Theile des Blattes eng, Zwischen- räume so gross oder grösser als die Lumina 95 83. Blätter stumpf oder stumpf mit abgesetztem Spitzchen . . 84 „ Blätter spitz 86 84. Die oberen Stengelblätter mit aufgesetztem Spilzchen Orthotrichum Sprucei Mont. „ Blätter stumpf 85 85. Rasen blassgrün, Büchse dünnhäutig, unter der Mündung nicht zusammengeschnürt Orthotrichum Rogeri Brid. 153 ^ Rasen schsvärzlich, Büchse derl) , unler der Miuidiing' zusam- mengeschnürt Ortholrickum rimtlare Turn. 86. Inneres Peristom aus acht Wimpern 87 „ Dasselbe aus sechzehn ^yimpern 94 87. ßliilter von kleinen Papillen sehr rauh, am Rande klein gekerbt Orlhotrichnm alpestre Hornsch. ^ Blätter wenig rauh, am Rande nicht klein gekerbt .... 88 88. Blätter gestreckt-lanzettlich 89 „ Blätter breit-lanzettlich 91 89. Büchse im trockenen Zustand am Grunde glatt und bauchig- Orthotrichum Braunü B r. et Seh. „ Büchse auch am Grunde gerippt und wenn auch unter der Mündung eingeschnürt, doch am Grunde nicht bauchig . . 90 90. Niedrige gedrängte Polster, Büchse länglich, Haube nackt Orthotrichum pumilum S w. „ Höherer und lockererer Wuchs, Büchse gestreckt, Haube behaart Orthotrichum affine S c h r a d. 91. Büchse kurzhalsig 92 „ Büchse langhalsig 93 92. Büchse derb, mit breiten Streifen, Wimpern des inneren Peri- stoms kurz, die halbe Länge der äusseren Zähne w'enig überragend Orthotrichum fallax Seh. Syn. „ Büchse dünnhäutig mit schmalen Streifen, Wimpern des innern Peristoms die halbe Länge der äusseren Zähne w^eit überragend Orthotrichum patens B r u c h. 93. Büchse gestreckt mit kegeliger Haube und kurz geschnäbeltem Deckel Orthotrichum tenellum Bruch. „ Büchse birnförmig-länglich , mit glockiger Haube und länger geschnäbeltem Deckel . . . Orthotrichum fastigiatum Bruch. 94. Büchse derbgerippt, Deckel flach gewölbt, länger geschnäbelt, Wimpern des inneren Peristoms abwechselnd kürzer (kommt auch zuweilen nur mit acht Wimpern vor) Orthotrichum pallens Bruch. „ Büchse feingerippt, Deckel hochgewölbt, kurzgespitzt, Wimpern gleich lang Orthotrichum leucomitrium Bruch. 95. Blätter stumpf Orthotrichum obtusifolium S chv^A. „ Blätter spitz 96 96. Büchse dünnhäutig, leer am Grunde sehr erweitert und da- durch krugförmig Orthotrichum urnigerum MyTin. „ Büchse entweder derbhäutig oder am Grunde nicht krugförmig erweitert ... • 97 97. Blattrippe bis in die Spitze auslaufend Ulota Hutchinsiae Schpr. Cor. y, Blattrippe vor der Spitze verschwindend 98 98. Die entleerte Büchse cylindrisch oder der Büchsenstiel über die Hüllblätter verlängert 90 „ Die Büchse entw^eder eingesenkt oder vorragend, ohne ver- längerten Stiel, entleert nicht cylindrisch 100 Oesterr. Botan. Zeitschrift 5. Heft. 18(io. 1 1 154 99. Inneres Perislon» aus acht Wimpern bestehend Orthotrichum speciosum N. v. E. „ Dasselbe aus sechzehn Wimpern bestehend Orthotrichum pulchellum Hook et Tay 1. 100. Haube zottig Orthotrichum rupestre Schleich, „ Haube schwachbehaart . Orthotrichum strainineum Hornsch. 101. Die Wimpern des inneren Peristoms an der Spitze frei, am Rande ausgefressen gezähnelt 102 „ Die Wimpern des inneren Peristoms breit, derb, an der Spitze in eine in der Mitte durchbohrte Scheibe zusammenfliessend Orthotrichum callistomum Fischer-Ooster. 102. Blätter aufrecht oder abstehend, am Rande zurückg-erollt, Büchse eingesenkt, glatt. . . . Orthotrichum leiocarpum Br. et S c\i. „ Blatter trocken etwas gedreht, am Rande flach, mit gegliederten Auswüchsen besetzt, Büchse vorragend gefurcht Orthotrichum Liellii Hook, et T a y I. 103. Peristom fehlt 104 -, Peristom Aorhanden 105 104. Blätter von der auslaufenden Rippe gespitzt, die weit unter die Büchse herabgehende Haube gekerbt-gewimpert, bräunlich Encalypta commutata Nees. et Hornsch. „ Blattrippe unter der Spitze verschwindend, Haube bis oder etwas unter den Büchsenhals herabgehend, ungewimpert, bleichgrün Encalypta vulgaris Hedw. 105. Büchse glatt oder wenigstens nicht regelmässig gestreift . 106 „ Büchse regelmässig gestreift HO 106. Haube am Saume deutlich gelappt oder gewimpert .... 107 „ Haube ganzrandig oder etwas gekerbt . . • 108 107. Randlappen der Haube regelmässig, oft dunkler gefärbt, Büchse ohne auffallenden Hals Encalypta ciliataUedw. y, Haube unregelmässig gewimpert, Wimpern fallen frühzeitig ab, Büchse mit deutlichem Hals Encalypta apophysata jVees. et Hornsch. 108. Haube die Büchse kaum deckend, Peristom sehr vergänglich, unregelmässig, kurz, Zähne einfach mit Divisuriallinie Encalypta vulgaris Hedw. „ Haube meist über die Büchse verlängert, Peristom bleibend, lang, Zähne aus theilweise verbundenen Fäden bestehend 109 109. Büchse oval oder länglich, mit langem Halse Encalypta lonyicolla Bruch. „ Büchse walzlich mit kurzem Halse Encalypta brevicolla B r u c h. 110. Peristom einfach, Büchse nicht gewunden 111 ., Peristom doppelt, Büchse nach links gewunden 112 111. Peristomzähne aus theils verbundenen, theils getrennten Fäden bestehend Encalypta brevicolla Bruch. „ Peristomzähne nicht aus Fäden bestehend Encalypta chabdocarpa Schwgr. 155 112. Aeussere Perisfomzähne linealiscli, querffegliedert Encalypta procera Bruch. „ Aeussere Peristomzähne fadenförmig, knotig-gegliedert Encalypta streptocarpa Hedw. 113. Blatlrippe unter der Spitze verschwindend, Büchse fast cylin- drisch Tetraphis pellucida Hedw. „ Blaltrippe fehlend, Büchse eiförmig bis o\&\ (J'etrodontium) 114 114. Stengel mit Ausläufern, Deckelchen kurz, gerade und kegel- förmig, Büchsenmündung zwischen den Zähnen ausgerandet Tetrodonlium repandum S c h w g r. „ Statt der Ausläufer blattartige, lange, unten stielrunde, lang- keilförmige oder zwei-dreifach eingeschnittene Auswüchse an der Stengelbase treibend , Deckelchen kurz-schief-geschnäbelt, Mündung kaum ausgerandet Tetrodontium Brownianum Schwgr. Bemerkungen über X JSailjß affinis (rubra x frugiUs) Schur. Von J, Kerner. In der österreichischen botanischen Zeitschrift JVr. 3. vom März 1863 pag. 80 hat Dr. Ferdinand Schur in seinen „Beiträgen zur Flora von Wien" unter Nummer 115 auch eine bei Wien gefun- dene Weide aufgeführt , welche er Salix affinis nennt und für einen Bastart aus X Salix rubra (Huds.) und Salix fragilis (L.) hält; — er füiirt diese Weide zuerst dXsSalix — anincana Schrank? an und «agt, dass dieselbe die ^Salix incana der hiesigen Flori- sten sein dürfte" — sich aber nach seiner Ansicht von Salix incana Schrank „verschieden" darstelle'.-;, Schur gibt eine ausführliche Beschreibung seiner Sa/w «yfm«* und da wir voraussetzen, dass die Beschreibung , welche ein Bota- niker, wie Schur, von einer Pflanze gÜJt, der Pflanze selbst ent- nommen und vollständig sei, so können wir auch ohne „Schur's Originalexemplare gesehen zu haben" einen Ausspruch über die von Schur als neu aufgestellte Pflanze uns erlauben. Schur sagt, dass die Salix affinis (die vermeintliche Salix incana^ „schon a priori nicht in die Abtheilung ^^Capreae"- gehöre" und hebt als Unterscheidungs- Merkmale seiner Salix affinis von Salix mcana Schrank hervor, dass Salix affinis keine zweifarbigen, sondern einfarbige Schuppen, welche selbst nach der Reife der Frucht bemerkbar sind, habe, — dass die Stamina nicht frei, sondern ^/^ — Vj verwachsen, an den Antheren immer gelb , daher die Kätzchen in jedem Stadium der EntwickUuig gesättigt gelb seien. 11 '' 156 Ich weiss nicht, woher Schur die Dingnose der Salix incana Schrank genommen, dass er diese L'nferscheidungs-Merkmale her- vorheben konnte, ich weiss auch nicht, von wem die Ahtheilung ^Capreae". zu welcher die von Schur Salix ajftnis genannte Weide _schon a priori- nicht gehören soll — aufgestellt sei. denn Schur iässt uns darüber im Dunklen. Die von Schrank selbst im Jahre irS9 in der Bairisc he n Flora I. paff. 230 o-egehene Diagnose kann es unmöglich gewesen sein, denn Schrank beschreibt nur die Blätter und sagt -die Blüthen- und Fruchtkätzchen sah ich nicht- ; — ebensowenig kann Schur unter der Abtheilung ^Capreae' die von Koch in seiner .de salioibus europaeis commentatis. Erlangae 1828" — der Grundlage europäischer Weiden Kenntniss — auf pag. 31 und 32 aufgestellte Cohors .Capreae' gemeint haben, da Koch angibt: _stamina 2 libera vel parum connata. aniheris defloratis luteis. — squamae apice atratae vel rufescentes" — aber zugleich auch das Abweichende in der Farbe der Schuppen bei Sa//x e/^ca/m Schrank bespricht *) Vergleichen wir aber einige Diagnosen und Beschreibungen der Salix incana Schrank, wie sie uns die Floristen nach Schrank, insbesonders aber Monographen des Genus Salix gegeben, so finden wir unter Anderen Folgendes: Seringe sagt in -Essai d'une monographie des saules de la Suisse. Berne 1815- auf pag. 70 bei Salix larandulae- folia Lap.. zu welcher er ganz richtig die Salix incana Schrank als synonym aufluhrt. bei der Beschreibung der weiblichen Kätzchen: -Perigone membraneux. glabriuscule. ridele. obtus. jaunätre- — und bei der Beschreibung der männlichen Kätzchen: _2 etamines. filets reunis et poilus ä leur base; antheres jaunes: perigones rideles, quelquefois serrules . rougeätres au sommet. jaunätres inferieure- ment legerement cilies." Koch reiht die Salix incana Schrank unter die Cohors _Ca- preae" und nach der früher erwähnten Charakteristik, die Koch von seiner Cohors .Capreae' gibU .Wat er wohl berechtigt hiezu. Host führt sowohl in der Monographie ^Salix. — Yindobonae 1828" pag. 17. als in der -Flora austriaca. Viennae 1827 — 1831" tom. n.pag.644 hei Salix riparia Willd. (der Sal. incana Schrank) an: -filamento bipartito: laciniis antheriferis." Grenier und Go- dron sagen in der -Flore de France 1855 III. pag. 128beiSa/ix incana Schrank: etamines 2. ä filets ordinairement soudes dans leur moitie inferieure.- Aehnlich drückt sich Mathieu aus. Xeilreich erwähnt in seiner -Flora von Xiederöster *) Dass Schur auch die von Wimmer zu'.etzt wieder in seiner -Flora von Schlesien.- lU. Bearbeitung. Breslau 1837 aufgeführte Ab- theilung ^Capreae" nicht im Sinne haben konnte, braucht wohl keiner ErwähnuDg, weil Wimmer in diese Abtheilungdie -S'o^iarinc'ajia Schrank gar Dicht stellt. I I 137 reicli. Wien 1859'^ pag. ?60 Itei SaUx üuaaa Schränk: Eüiiz- chenschoppen bald ein&rbig-, gelb oder gränlicb, bald zw)äfiiib% an der Spitze brann bis sdkwärdich.* Hein Bmder, Dr. A. Kern er sagt in seinen ^^iederoster- reichischen Weiden.' WienJ^eO^Tabandlnngen der k. k.zooL- botan. Gesellschaft in Wien, Jahigang 1860, L Quaiiai) bei SmUx mcama Schrank: ^Sqnaaae oboratae, tmncalae t^ enm^gnatne, margine ciliatae Tel glabariBae, floscnkwnm sta nü n igqni laTae nnicolores rel apice mbescentes, loscnkirui pislüligamn- e itridi flarae nnicolores. — Staaüna dno, flanientis infra aedinni connatts et pilosis, antheiis ante et post anthesin flaiis.^ Xach diesen ans den Diagnosen nnd Beschrabni^li^ der SaUx imcama Schrank (ß. riparia Willd., & laramämlmefmßm Lap.) CTit- nommenen Stellen allein schon zcsigt «ch, datss die Ton Schnr seiner Salix afimis xnm unterschiede ron Aex SaUx memma S chran k Tindicirlen Jferkniale gerade der SSolix imcama Schrank nnd zwar nicht bloss von den hiesigen CW>^*^ Fkmsieä, s^idemi Ton flo- risien ans der Schweiz, Frankreich nnd D^itscUand, d^nnach wüt Rücksicht aof den Yeibreitnngsbezirk der SaBx mcama Schrank ans allen Weltrichtnngen der Heia^alh diesa- Weide b^ < d e g t wer- den: — bei eiaer näheren Tergleichnng- der Ton diese» ud anderes Autoren gegebenen Diagnos^i ni^ Beschrdbu^gen d«r Saäx wmeama Schrank CS- riparia Willd., S. laxumdaiaefolia Lap.) ait der Ton Schur g^ebenen Beschreibnng soner SaBx a§büs «igibt smA weiters zweifellos, dass die Solu; agtMÜs S chnr d»« nichts anderes, als die Saüx imcama Schrank der Anloren so. Allerdings schrieben einige Antoren, so «ndi Wimnier *), >'eilreich**>, Döll***3, — der SaBx memmm Schrank zwei freie (jetrennte^ Staubten zn; — dDon wie die Tora^cfiünten Diagnosen nnd Beschreibnngen, scheinen an^ die gerade in den letzten Jahren seit PobUkalion der Monognyhie nMänes Rraders: ^Xiederösterreichische Weiden^ insbesonders Ton den öster- reichischen Botanikern in dieser Bichtnng ginnaehten BeeAnchtnng« nnd das Resultat derselb^i, dass C^"^ ^® firther «ätirte» FliMisten Seringe etc. bereits sagten) die Stanbfiiden nicht Uoss dnrch üa- eLnandergTeiTende Haare znsaMmenhingen (wie ang^HwnMen wnrde>, sondern Terwachsen seien, Schnr unbekannt geUid»^ zn sein. Was endlich die Ansicht SchnrXdie SaBx meamm Sehrank Cseine SaUx agimis) wäre ein Bastart ans >< SaBx rmbrm (Hnds.3 nnd SaBx fra^Bs (JL), betrifft, so erianbe ich wür nur eine ganz kurze Bemerkung. Bei den .gegenwärtigen Ansichtra über Art nond Art- rechte steht es allenfings Jedcivann firdi, jedwdlche Pfanze als einen Bastart ans andern Pflanzen zn eakUren, aber eine solche *} ZnietitMidi in seiMT,,|1ara voaSehl(sieB.*']ILBeariMilM&ll«sfan 1^7. *^l Zoletit Bodi in der ^TVnvaa Kiederöslnräck.« Wien tK9u ***} .Fldta des GrogshenoetfaiiiBe Hadkn.'' Kailsnbe Itsai 158 Erklärung, insbesonders aber ein Ausspruch über die muthmasslichen Stammeltern muss begründet werden und sich begründen lassen. Schur hat seinen Ausspruch bezüglich der Bastartnatur und der Abstammung der Salix incana Schrank nicht begründet und mir wenigstens gelingt es nicht, nur dßn mindesten Anhaltspunkt für Schur's Ansicht zu finden; — ich kann mir wenigstens nicht erklären, von welcher der angeblichen beiden Stammarten die Salix incana Schrank, abgesehen von anderen Merkmalen und Eigen- thümlichkeiten, den eigenthümlichen Wuchs, die Art der Behaarung der Blätter, die Form ihrer Torusdrüse entnommen habe, da bei keiner der angeblichen Stammarten sich diese Merkmale und Eigen- thümlichkeiten selbst nur annäherungsweise vorfinden und insbeson- ders bezüglich der Behaarung der Blätter es geradezu unbe- greiflich ist, wie die Haare der Blätter des Bastartes verlängert, vielfach gekrümmt, regellos ineinander verschlungen sein und einen weisslichen glanzlosen Filz bilden können (wie auch Schur seine Salix affinis — „foliis subtus incano-albo-tomentosis" — beschreibt), während doch die eine angebliche Stammart Salix fragilis (L.') ganz kahle Blätter zeigt und bei der andern angeblichen Stammart der X Salix rubra Huds. (jciminalis X purpurea *) die Behaarung der Blätter aus unendlich kleinen und zarten Haaren, die parallel mit den Fiedernerven erster Ordnung dicht auf der Blattfläche aufliegen und wie bei Salix viminalis L. das eigenthümliche Schimmern, wenn auch im geringeren Masse zeigen, gebildet wird. Wien, im März 1863. Bemerkungen über eine neue Flora von Deutschland. Seitdem Koch's zweite Auflage der Synopsis der deutschen und schweizer Flora 1S46 erschienen ist, sind schon wieder viele neue Pflanzen in Deutschland entdeckt worden , und es wäre nach 17 Jahren an der Zeit, dass eine neue vollständige Flora des Ge- bietes verfasst werden möchte. i „In Deutschland zweifelt kein Kenner der Weiden heutigen Tages an der Bastartnatur der X Salix rubra Huds." (Wimmer in der Denkschrift der schles. Gesellschaft für vaterl. CulLur 1853) und durch die ebenso sorgfälligen als mühevollen Experimente, welche Wichura (siehe 31. Jahresbericht der schles. Gesellschaft für vaterl. Kultur, pag. 160 et seq.) angestellt hat, ist für Salix rubra Huds. . . . der Beweis ihrer hybriden Natur geführt , indem dieselbe durch die Vermischung ihrer Staram- arten künstlich erzeugt worden ist." (Wi ramer in der Yorrede zur Flora von Schlesien, HI. Bearbeitung 1857); — siehe ebendaselbst auch pag. 205. 159 Es entsteht hiebei die Frage, wer diese grosse Arbeit unter- nehmen und nach welchem von den verschiedenen Formen natür- licher Systeme bearbeiten möchte. Fast jedes Werk, das bisher über die ganze Flora von Deutsch- land oder einzelner Provinzen handelt, ist nach einem andern Sy- stem ausgearbeitet. Von ganz Deutschland besitzen wir nur drei Floren : 1. K c h's Synopsis der deutschen und schweizer Flora, 2. Auflage, Leipzig 1846; 2. Kittel's Taschenbuch der Flora Deutschlands, 3. Auflage, Nürnberg 1853; und 3. Maly's Flora von Deutschland nach der analytischen Me- thode, Wien 1860. Alle die vielen andern Floren beziehen sich auf einzelne Län- der, und Garcke's Flora, Berlin 1860, 5. Auflage, so wie Curie's Anleitung, 9. Auflage von August Lüben, Ritflitz in der Oberlau- silz 1856, umfassen das nördliche und mittlere Deutschland. Von den Floren über ganz Deutschland ist Koch's Synopsis nach dem De Can d olle'schen Systeme ausgearbeitet, mit den Ranunculaceis anfangend und mit den Filices endigend. Kittel's Taschenbuch, nach Richard's Grundriss der Botanik, Nürnberg 1840 geordnet, fangt mit den Monocotyledoneen, Najadeen, Aroideen, Typhaceen an, worauf die Cyperaceen, Gramineen und die übrigen Monocotyledoneen, dann die blumenlosen, röhrenblütigen und fiei- blumigen folgen, welche letztere mit den Staphyleaceen endigen. Maly's analytische Flora ist mit einigen Abänderungen nach End- licher's System verfast, fängt mit den Filices an und endigt mit den Papilionaceen. Von den ausgezeichneten Floren einzelner Länder, ist Neil- reich's Flora von Xiederösterreich ganz nach Endlicher's System ausgearbeitet, nur sind die Ampelideen (Vitis}, welche Endlicher zwischen die Araliaceen (Hedera) und Corneen (Cornus) stellte, wegen dem freien Fruchtknoten zwischen die Celastrineen (Evony- mus) und die Ilicineen CHex) gestellt. Döll's Flora des Erzherzogthums Baden, Karlsruhe 1862, ist nach De Candolle's Prodromus geordnet, aber in umgekehrter Richtung, indem er mit den Kryptogamen anfängt und mit den Ranunculaceen endigt, mit denen De Candolle anfängt. Garcke's Flora ist ganz nach Koch verfasst, nur hat er, so wie auch Doli, die Coniferen gleich nach den Kryptogamen vor den Monocotyledoneen gestellt; indem aber die Samen der Coniferen mit zwei und auch mehreren Cotyledonen versehen sind, so müssen sie, obwohl nacktsamig, den Anfang der bedeckt s a migen machen, wie sie auch Endlicher und Neilreich gestellt haben, denn die zwei Cotyledonen sind doch charakteristischer als das sie bedeckende Häutchen. Die Eintheilung der Dicotyledonen nach De Candolle und Koch in drei Klassen, Thalamifloren, Calycifloren und 160 Corollif loren ist nicht praktisch , denn die Thalamifloreil und Caiycifloren sind meistens sehr schwer, besonders für Anfanger zu unterscheiden, und es ist daher die Eintheilung derselben in Ape- talen, Monopetalen oder Synpetalen und Polypetaleu oder Dialypetalen eben so natürlicher als zweckmässiger. In den Floren von Doli und Garcke sind schon gegen 30 neue Arten beschrieben, die im Koch nicht enthalten sind, es wäre daher sehr wünschenswerth, dass alle die übrigen neuen Arten in der Wiener botanischen Zeitschrift bekannt gemacht würden, damit endlich eine neue vollständige Flora von Deutschland ausgearbeitet w^erden könnte. Auch wäre noch bei einer neuen Auflage zu wünschen, dass bei solchen Gattungen, die nur eine Art enthalten, dieselbe auch mit einer Diagnose versehen würde, da man in Koch's Synopsis die einzelnen Arten der Gattungen: Lobularia, Petrocallis, Subularia, Teesdalia, Neslia, Calepina, Cucubalus, Drypis, Radiola und vieler anderer, nur dem Namen nach ohne alle weiteren Kenn- zeichen der Art angeführt findet , wobei man bei der Bestimmung von der Aechlheil der Pflanze nicht immer vollständig überzeugt wird. Correspondenz. Innsbruck, den 6. April 1863. Das Staatsministerium hat in dem abgelaufenen Winter dem hiesigen botanischen Garten eine nicht unbedeutende Summe zum Ankaufe von Pflanzen bewilliget, welche sich bisher in den Glas- häusern eines Privaten befanden und die nun in jüngster Zeit in • den botanischen Universitätsgarten übertragen wurden. Es befinden sich unter denselben mehrere Cycadeen, Palmen, Aroideen, Musaceen, Pandaneen, Araliaceen und Koniferen, die jetzt eine wahre Zierde des Gartens sind und an Kraft und üeppigkeit des Wachsthums nichts zu wünschen übrig lassen. Besonders hervorhebenswerth sind eine Ceratozamia 7nexicana Brongn. mit klafterlangen Wedeln, eine Cycas revoluta Thunb. mit über fussdicken Stamme, und einem Blätterschopf von mehr als 50 Wedeln, ein zierlicher Encephalartos horridush ehm., ein Astrocaryum Airi, das bereits einen Blüthenstand .hervorschiebt und in diesem Jahre zur Blülhe kommen wird, eine prächtige Phönix pusilla, ferner Latania rotundifolia und Commer- sonii Mart., Carludomca nigra, Caryota propinqua, Chamaedorea elegansM.2iV\., Rhapis flabeliiformis Ait, und mehrere andere Palmen. Unter den Koniferen sind vorzüglich eine prächtige Araucaria excelsa R. Br. \xn& A. Bidwillii^ook., eine WelUngtonia giganteahiwAX. und ein Dacrydium elatwn Wall, erwähnenswerth und schliesslich ist noch ein herrlicher Pandanus utilis Bory hervorzuheben, der eine kolossale die halbe Breite des Hauses ausfüllende Krone besitzt. Diese Pflanzen mit den bereits früher vorhandenen vereint, reprä- sentiren jetzt die wichtigsten physiognomischen Typen fremder 161 Länder und wurden auch nach ihrer physiognomischen Aehnlichkeit gruppirt. Insbesondere wurden die Gewächse des Warmhauses in 6 Gruppen aufgestellt, welche die Pisangform, die Form der Aroi- deen, jene der Palmen und Cycadeen, der Pandaneen und Dracaenen und endlich die der Araliaceen und Büttneriaceen repräsentiren. Dr. A. Kern er. Triest, im März 1863. Unser Dianthus glumaceus Sibth. gehört nicht zur spontanen Flora des Küstenlandes und wurde wahrscheinlich mit SchifFsballast aus Griechenland auf die Anschüttung des Campo Margo einge- schleppt, gleich andern Pflanzen, die vor Jahren dort in Menge zu finden waren, dermalen aber wieder verschwunden sind. Von Sei— leria coeriilea sende ich Ihnen zur Vergleichung einige Exemplare, denn unsere Form scheint etwas verschieden zu sein, und etwa eine durch Herabschwemmung an den Fuss der Gebirge riesig gewor- dene Sesl. phaerocephala der Alpen vorzustellen. Jetzt, wo so viele neue Seslerien auftauchen, lohnt es sich wohl, dass man eine etwas abweichende Form näher ins Auge fasse ^"■). Zwei Arten, die ich Ihnen ebenfalls übersende, werden häufig, selbst bei klassischen Autoren, obgleich mit grossem Unrecht, mit ihren nächsten Ver- wandten vermengt, es sind Satureja illyrica Host., die mit S. mon- tana L. und Janiperus macrocarpa Sibth. der mit J. Oxycedrus L. (J. rnfescens Link.) vermengt wird. Die Selbstständigkeit beider, als gute Arten kann jedoch keinem Zweifel unterliegen. Hinsichtlich dier Satureja sind die Unterschiede von Koch in dessen Synospsis sehr gut angegeben : der Blüthenstand , die Form und sattgrüne Färbung der Blätter (bei iS. montana graugrün), die viel spätere Blüthezeit, der Standort auf höheren Gebirgstriften , endlich der ver- schiedene weniger akute Geruch zeichnen sie so aus, dass, wer beide im Leben zu beobachten Gelegenheit hatte, sie nimmermehr ver- wechseln kann. Was Juniperus macrocarpa betrifft, so ist es mög- lich, dass er von der im Oriente vorkommenden, noch grössere Früchte tragenden Form verschieden sei, wie behauptet wird; gewiss ist es aber, da^s er eine von dem gemeinen J. Oxycedrus wohl geschiedene Art darstellt. J. Oxycedrus hat einen sparrigen Wuchs, steife Aeste, die Nadeln daran sind dicht, starr und stechend, ebenso stehen die im Zustande der Reife braunrothen kugeligen Früchte (s. g. Beeren) dicht gedrängt zwischen den Nadeln. An J. macrocarpa sind die Zweige viel weniger starr, eher biegsam , manchmal soger herab- hängend. Die Nadeln sind nicht dicht gedrängt, an der untern Seite nicht rinnenförmig, sondern etwas gewölbt, glänzend, weniger Stechend; die Früchte stehen vereinzelt zwischen denselben , sind schon in der Jugend bedeutend grösser, als jene des J. Oxycedrus, *) Wir lassen diese Exemplare Herrn Victor v. Janka zukommen, welcher sich mit der Gattung Sesleria speciell befasst, und ein umfangreiches^ Material an Seslerien besitzt. Anm. d. Red. 162 mit blaugrauem Reife überzogen, im Zustande der Reife gewöhnlich doppelt so gross als jene, von länglicher Gestalt und von schwärz- lichblauer kaum in's Braune fallender Färbung. Weitere Unter- schiede dürfte die Analyse der Blütentheile , zumal der männlichen Organe darbieten. Im Freien sind beide Arten schon aus der Ferne leicht von einander zu unterscheiden. Tommasini. Freiburg in der Schweiz, den 5. April 1863. Herr Dr. Kern er stellt in ihrer Zeitschrift im 4. Hefte d. J. eine neue Saxifraga Hausmanni auf. Als Beitrag zur Synonymie dieses Blendlings muss ich Ihnen bemerken, dass ich diese hybride Form schon im Jahre 1837 in der botanischen Zeitung von Regens- burg (Seite 622) unter dem Namen von Saxifraga mutata-aizoides aufgestellt habe. Dr. Franz Lagger. Salzburg, den 8. April 1863. Hier ist in diesem Jahre ein Botaniker aufgetaucht, Herr Dr. Joh. N. Woldrich, der in der Salzburger Zeitung monatlich einen Bericht über die meteorologischen Verhältnisse desTergangenen Mo- nats liefert, ein Beginnen das sehr lobenswerth ist, wenn nur der Herr Verfasser sich hinsichtlich unserer Flora besser zu unterrichten suchen würde und keine so argen Verstösse gegen dieselbe sich erlaubte. Ich will nur eine kleine Blumenlese aus den Aufsätzen Hrn. Dr. W. und seinen Entgegnungen auf meine Berichtigungen geben, die zugleich verhüten soll, dass durch obige Berichte Unrich- tigkeiten über unsere Flora verbreitet werden und um zu zeigen, wie empfindlich Hr. Dr. W. gegen jede im gebräuchlichsten Style gehaltene Berichtigung ist. Die Witterungsberichte des Hrn. Dr. W. finden sich in der Salzburger Ztg. in den Nummern 31, 56 und 77. Meine Be- richtigungen in Nr. 58 und 66 und die Entgegnungen Hrn. Dr. W. darauf in Nr. 61 und 68. Im Jännerberichte in Nr. 31 finden wir aufgezählt: y^Lamium rubrumh.^l eine unbekannte Art und offen- bar L. /?Mrj9MreM»i L.; dann Veronica triphyllos L., eine Pflanze, die der Flora Salzburgs fremd ist und auf keinen Fall im Jänner blühte. Hr.Dr.W. meinte eben, weil Ver.agresfrisL., BuxbaumiiTen. u. s. w. fast 31appige Blätter haben, müsse es auch Ver. triphyllos sein. Im Monate Februar (Nr. 56) wird das Blühen der Primula acaiilis Jacq. angezeigt, leider aber wurde noch nie eine solche im Salzburger Lande gefunden. Auf meine einfache Berichtigung in Nr. 58 Hess nun Hr. Dr. W. in Nr. 61 eine sehr lange und geharnischte Antwort folgen, auf die ich alle Herren Botaniker, die sich einen heitern Augenblick ver- schaffen wollen, ganz insbesondere aufmerksam mache. Hochkomisch ist die Entschuldigung wegen dieser Primel, und ich kann mir nicht versagen, einige hieher bezügliche Stellen mit Hrn. Dr. W. eigenen Worten anz^iführen: „Dass Primula acaulis Jacq. nirgends im Salz- burgischen wächst, d, h. dass ihr Vorkommen daselbst bis jetzt nicht nachgewiesen wurde '"'"), habe ich als Neuling in der Salzburger Flora *) Pr. acaulis Jacq. ist, wo sie vorkommt, eine gesellige selir häufige 163 jedenfalls nicht gewusst, besondersda ich überhaupt kein Florist bin (!); ich wäre daher dem Hrn. Zwanz-iger um so mehr für diese Bemer- kung verbunden gewesen, wenn der übrige Inhalt derselben nicht ver- letzend wäre, als das betreffende einzelne Exemplar sehr defect war (eine P. elatior Jacq. habe ich schon im Jänner in Händen gehabt) und ich nicht sicher in derßestimniung (beiP. acaulis!} ^"') dem Namen ein Fragezeichen hinzufügte, dessen Abgang ich leider bei der Kor- rectur übersah (! Bei öffentlichen Blättern gibt es keine Korrektur für den Einsender einiger Notizen}. Diesen Fehler wollte ich im nächsten Berichte jedenfalls andeuten Cgar kein Zweifel}, da ich stets gewohnt bin, nur etwas Positives der Oeffentlichkeit zu übergeben und das Zweifelhafte als solches zu bezeichnen. Leider habe ich dieses Exemplar nicht weiter berücksichtigt u. s. w." Ueber Galanthus niva- lis L., der hier durch Leucojum vernum L. vertreten wird und bei dem ich desshalb ebenfalls zweifelte, dass Hr. Dr. W. einen gesehen habe, weil derselbe um Salzburg sehr selten ist und nur in einem Obstgarten im Nonnthale, dann spärlich an der Glan bei St. Rochus vorkommt und erst in den Auen bei Weitwörth in Menge erscheint, belehrt uns Hr. Dr. W. in Nr. 68, wie folgt: „Im Interesse der Localflora sei noch erwähnt, dass mir von achtbarer Seite her mitgetheilt wurde, dass Galanthus nivalis L. auch am Kapuzinerberge , in der Josefsau, Lie- feringerau , nächst der Brücke bei Maria Piain , ja sogar am Mönchs- berg wachse." Ich bin nun wirklich ganz unschuldig daran, dass der Galanthus an all den vielen angeführten Standorten nicht wächst, sondern nur Leucojum vernumL. Auch vom Galanthus stand Hrn. Dr. W. nur ein Exemplar zur Verfügung und da in den Nr. 56, 61 und 68 mit eiserner Konsequenz 5mal (so oft Hr. Dr. W. das Wort ge- braucht) Galan i US steht, so dürfte diess wohl schwerlich ein Druck- Pflanze, die daher von den RJännern, die das Salzburgerland botaniscli durchforschten, einem v. Braune, Hoppe, Bergratti Mielichhofer, Dr. Anton Saut er u. s. w. kaum übersetien worden sein dürfte, um so mehr als sie ebenfalls im Grenzgebiete aller Nachbarfloren fehlt. Ist in Tirol erst bei Bregrenz. Bozen, u. s. w., sparsam im Drauthal (cf. Baron Hausmann, Flora von Tirol), in Oberbaiern sehr sporadisch, vereinzelt bei Grünwald nächst München, am Frechensee bei Lauterbach, am Kochel- see bei Kleinweil und längs der Strasse von Riöd über Kasselberg bis zum Wallersee (cf. Sendtner, Vegetations- Verhältnisse von Südbaiern), sowie sie in Oberösterreich erst bei Weyer, weit im Osten unseres Florengebietes auftritt (cf. B r i 1 1 i n g e r, Flora von Oberösterreich, Ver- handlungen der zool.-botan. Gesellschaft in Wien , 1862, S. 1069). Es dürfte daher Hrn. Dr. W. etwas schwierig werden, deren Vorkommen nachzuweisen. *) Nach einzelnen, sehr defecten Exemplaren und nicht sicheren Bestim- mungenmacht Hr. Dr. W. nach eigenem Geständnisse seine phänoiogischen Angaben, woraus deren hoher Werth am besten ersichtlich ist. Soviel ich weiss, nimmt man zur Verfassung solcher phänologischer Berichte das Mittel der Blüthezeit einer Pflanzenart, wenn selbe in vollster Entfaltung steht und benützt dazu nicht einzelne Krüppel, wie z, B. Gentiana verna L. schon im Jänner von Hrn. Dr. W. angeführt wird und in den späteren Monaten nicht mehr, während sie doch den ganzen März nur höchst ver- einzelt blühte und erst im April zur ordentlichen Entwicklung gelangt. 164 fehler sein, sondern lediglich von der guten Bekanntschaft Hrn. Dr. W. mit demselben herstammen, sowie dass der arme Galanthus von Hrn. Dr. W. in Nr. 61 gar zu einem Neutrum „das Galanius^ gemacht wird, was ich ebenfalls beim besten Willen dem Setzer in die Schuhe zu schieben mich nicht getraue. Es ist unverkennbar, dass Hr. Dr. W. in seinem letzten Berichte über den Monat März in Nr. 77. sich etwas besser in den vorhandenen Werken über unsere Flora um- gesehen hat, ohne sich desshalb gerade grössere Kenntnisse in der Scientia amabilis erworben zu haben, wie deutlich daraus hervorgeht, dass Salices, Carices-Arten u. s. w. wie Gift vermieden sind. — Zu dem von Herrn Dr. W. gewundenen Frühlingsblüthenkranze lässt sich übrigens noch manches schöne Blümchen und unscheinbare Kräutchen hinzufügen, z. B. um nur einige, durch ihre Menge um Salzburg nicht leicht zu übersehende Pflanzen zu erwähnen, die in der letzten Woche des März blühten: Anemone nemorosa L., Ranunculus montanus Willd. (noch STpArs^m), Arabis arenosa S cop. ganz besonders häufig, Cardamine multicaulisllTß^ e., Dentaria enneaphyllos L., Viola hirta h., collina Be SS., alba Be SS. , tricolorh. ß. arvensis Koch., Stel- laria media Y iU., Potentilla Fragariastrum Ehrh. (Ich glaube mit Bestimmtheit versichern zu dürfen , dass die von Herrn Dr. W. schon im Februar erwähnte Fragaria vesca L. diese Pflanze war.) P. verna L., Petasites officinalis Mönch., albus Gärtn. nnd niveus Baum g., Bellis perennis L., Lamium purpureum L., Ajuga reptans L., Vero- ntca agrestis L. u. s. w., Primula officinalis Jacq. (sehr häufig an den südlichen Abhängen des Kapuzinerberges, Kuhberges u. s. w.), Euphorbia CyparissiasL., Mercurialis perennis L., Salix daphnoides Vill., purpnrea L., grandifolia Ser., Populus tremula L., Gagea lutea S chult.,LwzM/a campestrisT>C, Carex praecox L., montana L., digitata L. und Sesleria coerulea Ard. Obige Pflanzen sind nicht viel- leicht aus Hinterhuber's Prodromus zusammengeschrieben, wie Hr. Dr. W. glauben könnte , sondern von mir selbst beobachtet worden. Hr. Dr. W. verwahrt sich freilich in Nr. 61 dagegen, in seinem Be- richte alle blühenden Pflanzen aufzunehmen, aus einem sehr einfa- chen Grunde, der aus obiger Darstellung leicht ersichtlich ist. Es ist aber gar nicht einzusehen, welchen Zweck die Anführung einiger auf's Gerathewohl ausgesuchter blühender Pflanzen hat, wenn nicht ein annäherungsweise vollständiges Bild irgend einer Vegetationsepoche geliefert werden soll. Etwas ganz anders ist es um genaue phänolo- gische Beobachtungen an einzelnen Pflanzen, was Hr. Dr. W. aber nicht beabsichtigt, schon aus dem Grunde, weil es auch dazu eine Haupt- bedingung ist, doch einige Pflanzen zu kennen. G. A. Zwanziger. Breslau, den 4. April 1863. Bei der ungewöhnlich milden Temperatur des vergangenen Winters ist es mir möglich gewesen, fast ununterbrochen kleine Ex- kursionen in hiesiger Gegend zu machen; ich habe auf denselben besonders die Moose beobachtet und manche seltenere Art gefunden, t 165 darunter die niedliche , für die -hiesige Gegend neue Pyramidula tetragona , welche ich auf einem Brachfelde vor Hartlieb in Gesell- schaft von Enthosthodon fascicularis, doch leider nur sehr spärlich entdeckte. In den ersten Tagen des Februars blühten im hiesigen botanischen Garten bereits Daphne Mezereum, Hellehorus foetidus, Leucoium vernum, Primula elatior, Corylus , Alnus, Tussilago Far- fara und Galanthus nivalis; die vier letzteren auch gleichzeitig im Freien; im Laufe des Monats folgten Eranthis hiemalis ^"0, Anemone Hepatica, Petasites officinalis. Bei Gelegenheit einer Mitte März nach Oberschlesien unternommenen botanischen Reise fand ich bereits blühend Anemone patens, vernalis und den Bastard beider Arten, Dentaria enneaphyllos, Mercurialis perennis, Scilla bifolia, Isopyrum thalictroides, Primula elatior, Corydalis solida und piimila (in der Obora bei Ratibor, neu für die dortige Gegend). — In der Gegend von Rybnik sammelte ich auf einem sandigen Brachfelde in grosser Menge die Herniaria hirsuta überwintert in Gesellschaft von Sphaerangium muticum und Phascum cuspidatum ; diese Art, welche ich im Sommer 1862 bei Myslowitz fand, scheint also in dem am rechten Oderufer gelegenen Theile Oberschlesiens weit verbreiteter zu sein, als man früher glaubte; gewiss fehlt sie auch den angrenzenden Theilen von Russisch-Polen nicht. Uechtritz. 'Bremen, den 15. April 1863. Voii Ornithogalum umbellatum L., welche Pflanze ich in meinem Garten als Einfassung ziehe, habe ich in diesem Frühjahre zahlreiche zusammengewachsene Blätter gesammelt. Die Verwachsungen finden sich in allen Graden. Beim Biossiegen der Erde findet man Blätter, die nur eine kurze Strecke zusammengewachsen sind und daher über der Erde als zwei gesonderte Blätter erscheinen. Andere Blätter sind mehr oder weniger ihrer ganzen Länge nach mit einander verwachsen, so dass bei einigen nur die Spitzen auf 1 — 2'" frei bleiben, ja, bei manchen letztere sogar ganz in einander verschmelzen. Die meisten Blätter sind in einer Ebene mit einander verwachsen , bei andern dagegen deckt der Innenrand des einen Blattes den des andern, jedoch nur in geringer Breite. Ch. Luerssen. Die Gattung Euphorbia. Diese Gattung wurde in der letzterschienenen zweiten Hälfte des XV. Bandes von De CandoUe's Prodromus bearbeitet. Man ersieht aus dieser Abhandlung, dass im Ganzen 692 Arten von Euphorbia bekannt sind. Von diesen wachsen 108 in Europa, doch sind vier der- selben als in Europa bloss eingeschleppt zu betrachten und zwar: Euphorbia Preslii G US s., in Nordamerika einheimisch , nun auch in Blühte im Host'schen Garten in Wien bereits am 12. Jänner. Anm. d. Red. 166 Sicilien, um Rom, Manlua und Verona zu finden; E. humiftisa Wild. (E. Pseudo-ChamaesyceF. etM., E.polygonisperma Gren. etGodr.), in Sibirien , der Mong olei , Japan und China zu Hause, nun auch in Korsika; E. prostrata Ait. (_£•> perfoi-ata Guss.) aus der tropischen und subtropischen Zone Amerika's stammend , in Sicilien und um Tüulon gefunden; E. Cybinensis Boiss. aus Kleinasien, um Marseille vorkommend. — Ausserdem entnehmen wir aus dieser Bearbeitung, dass die echte £. UybernaL, bloss in England, Frankreich und im nördlichen Spanien wachse, die gleichnamige Pflanze der italienischen Botaniker aus Korsika und Sardinien bildet eine neue Art; E.insularis Boiss. — E. verrucosa Gu SS. Syn. fl. sie. ist von E. verrucosa Lam. total verschieden und wird E. Gasparinii Boiss. genannt. — Euphor- bia Ledebourii Bess. aus der Krim ward von Ledebour mit E. pyg- maea confundirt und von Steven für eine Form von E. exigua gehalten E. dalmatica Vis. ist synonym mit E. graeca B. et Sp. und steht der E. taurinensis All. zunächst. — E. tenuifolia der russischen Autoren ist verschieden von der französischen Art und heisst jetzt E. leptocauta Boiss. — E.lucida der Franzosen (E.soli- cetorum Jord.} ist gleich der E. androsaemifoUa Seh. — E. filicina Prtschl. ist nach Boissier mit £. imperfoliata Vis. identisch. — E. Marschalliana Boiss. ist aus dem Gebiete der Flora Europa's zu sireichen. E. Myrsinites aus der Krim ist ganz dieselbe Pflanze mit der Linnt^'schen E. Myrsinites und ward ehedem von Boissier bloss irrigerweise als Synonym zu E. Marschalliana gezogen. — E. rigida M. B. ist einerlei mit E. biglandulosa Desf. v. J. Personalnotizen. — Dr. Josef Franz Krzisch ist als k. k. Kreisarzt von Baden nach Neunkirchen in Niederösterreich übersiedelt. — J. Fr. Müller ist bei dem botanischen Garten in Giessen als Universitätsgärtner angestellt worden. — Emil Bourgeau beabsichtigt in diesem Jahre noch einen Theil Spaniens und zwar jenen, welchen er bei seinen frühern Excur- sionen nicht berührt hat, botanisch zu bereisen. Die von ihm gesam- melten Pflanzen sollen durch Dr. Cosson bestimmt werden. — Prof. Dr. Franz Unger hat mit einem einjährigen Urlaub Wien verlassen und sich vorläufig nach Gralz begeben. — Dr. Martin Martens, Professor an der Universität zu Löwen, starb am 8. Februar in einem Alter von 66 Jahren. — Dr. Josef Lorenz, Privat -Dozent an der Universität Wien, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser anlässlich des von ihm verfassten Werkes: „Physikalische Verhältnisse und Vertheilung der Organismen im quarnerischen Golfe", durch Verleihung der goldenen Medaille für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. 167 Vereine, G-esellschaften, Anstalten. — In der Sitzung der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft am 4. März legte Dr. Vogl einen Aufsatz vor: „Beiträge zur Histologie und Anatomie der unterirdischen Theile von ConvoU'uhis arvensis.^ — J. Kern er legte ein Manuskript seines Bruders Dr. A. Kern er vor, in welchem dieser seine Erfahrungen über den Werth gewisser Arten der Gattung Cytisus, namentlich aus der Rotte Tubocytisus, bekannt gibt, und über Nomenclatur im Allgemeinen, so wie über die bei den hybriden Bildungen gebräuch- lichen Benennungsweisen seine Ansicht ausspricht. — Dr. H. W, Reichard t besprach von Herrn Schulz er von Müggenbursr ein- gesendete mycologische Beiträge. In diesem Aufsatze wird Dothidea Ribesia näher besprochen; namentlich werden der Bau dieses Pilzes, die Entwicklung und der Bau der Spermatien. die Sporenschläuche und die Sporen näher besprochen. Schliesslich fügte v. Schulz er noch einige Bemerkungen über Aecidiuin bei. J. J. — In der Sitzung der k. k. zool.-botanis chen Gesell- schaft am 1. April legte A. Kanitz eine Fortsetzung seines Be- richtes über die Reisen Kitaibel's vor. — Prof. Simony sprach über das Verfahren, noch unentwickelte Pflanzen unter der Glasglocke zur weitern Entwicklung und zur Blüthe zu bringen, — Dr. H. W. R ei- ch ar dt legte weitere von Herrn St. Schulzer von Müggenburg ein- gesendete Beiträge zur Mycologie vor. In denselben wird aj der Bau von Schizophyllum commune Fr. näher erörtert, b) eine neue Art aus der Klasse der Schimmelpilze beschrieben, welche zugleich der Repräsentant einer neuen Gattung und Familie QSporochlsmei^ ist, nämlich Ascospermiim Platani. Dieser Pilz lebt auf abgestorbenen Blättern der Platanen , wo seine Hyphen weisse glänzende Härchen bilden. Die zweifächerigen concatenirten Sporen entstehen in grosser Menge in den einzelnen Schlauchzellen der Hyphen und werden durch die sich öffnende Schlauchspitze allmälig ausgestossen. Sodann legte er einen von Dr. A. Kerner eingesendeten Aufsatz vor, in welchem dieser über die Vegetation eines Hochmoores in der Gegend von See- feld in Tirol berichtet. Dieser Moor beherbergt nebst mehreren anderen selteneren Arten, wieBetula nana, Scheiichzeria, Lycopodiuni compla- natum eine ungewöhnlich grosse Zahl von Carex-Arlen, nämlich 25. Unter diesen befinden sich 2 für Tirol neue, nämlich Carex chordor- rhiz,a und C. turfosa. — R. v. Frauenfeld bespricht das von Dr. J. Lorenz der Gesellschaft geschenkte Werk: -Vertheilung der Organismen im Golfe von Qu^mero.^ Im ersten Abschnitte wird abgehandelt: 1. die geographische Beschaffenheit, 2. die geognosti- sche Unterlage, 3. das Klima, 4. der Salzgehalt und die Farbe des Meeres , 5. das Leuchten desselben , 6. die Brandung , Ebbe und Fluth (welche nur einmal während 24 Stunden wechseln}. Der 2. Abschnitt handelt über die Vertheilung der Organismen selbst. Den Schluss bilden vergleichende Resultate. 1G8 — In der Jahressitzung der k. k. zool.-bo tanisclien Ge- sellschaft am 10. April berichtet J. Juratzka über mehrere für Niederösterreich neue Laub- und Lebermoose, unter welch' ersteren sich Grimmia tergestina, Eurhyrichium androgynum, Hyp- num pratense und Barhula pulmnata inr. n. sp. befinden, welche er einer nähern Besprechung unterzieht. Sodann fügt er eine Be- merkung über den Einfluss des Bodens auf die Moose bei (inso- ferne es sich nur um die Kalkerde und Kieselsäure handelt) , wo- durch er die von Dr. A. Kern er in einer der frühern Sitzungen geltend gemachte Ansicht über den Einfluss des Bodens auf die Gefässpflanzen auch nach den bei Beobachtung der Moose gewon- nenen Resultaten als eine richtige hinstellt. Es werden verschie- dene Moosarten namentlich angeführt, welche sowohl im Schiefer- ais Kalkgebirge vorkommen , und zieht aus den abweichenden Auftreten derselben in letzteren, indem sie daselbst nie mit der blossen Erde oder mit den Felsen in Berührung treten, den Schluss, dass diese Erscheinung nur durch die Annahme erklärt werden könne, dass der Kalk hier als ein diesen Moosen schädlicher Stoff, als ein Gift wirken müsse. — Er bemerkt ferner, dass für diese Moose, indem sie mit Ausschluss des Kalkbodens , sonst auf allen möglichen Unterlagen vorkommen , dann auch die Bezeichnung kieselstelt ohne Bedeutung erscheine. Ueberhaupt dürfte die Kiesel- vSäure als Bedingung für die Existenz der Moose nur eine geringe Rolle spielen; und wenn Moose, wie z.B. manche Grimmien , nur auf kalkfreien Felsen vorkommen , so ist die Ursache dieser Er- scheinung vielleicht nur in der physikalischen Beschaffenheit der Unterlage zu suchen, wie dies ohne Zweifel bei jenen Felsenmoosen der Fall ist, welche sowohl auf Kalk- als auf Schieferfelsen vor- kommen. Statt der bisherigen Bezeichnung kalkstett wird besser kalkliebend, statt kieselstett kalkfeindlich gebraucht werden können. J. J. — In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- schaften, mathem.-naturwissensch. Classe am 27. Februar legte Prof. Unger im Anschlüsse der vor kurzem gemachten Mittheilungen über die geognostische Beschaffenheit der Insel Cypern drei Abhand- lungen vor, von denen die erste Höhenbestimmungen, die zweite Daten für eine Charakteristik der Ouellen und die dritte eine Darstellung des Klima's der Insel enthält. Mit Aus- nahme der Höhenbestimmungen, welche zum Theile auch Angaben des Cap Graves einschliessen, sind sämmlliche Gegenstände die Frucht eigener Beobachtungen. Besonders haben die Quellen über einige interessante Funkte Aufschluss gegeben. An meteorologischen Beob- achtungen hat es bisher so zu sagen fast gänzlich gefehlt. Diesem Mangel ist nun auf eine dauernde Weise dadurch Abbruch gethan, dass der inLarnaka wohnende österreichische Konsul Josef Paskotmi an den ihm zurückgelassenen Instrumenten täglich in der von der Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus vorgeschriebenen Weise Beobachtungen anstellt. Prof. Unger theilte bereits einen 169 Cykliis von Angaben der letztvergang-enen Sommer- und Herhst- nionate mit, und es ist alle Aussicht vorhanden , dass dieselben in gleicherweise fortgesetzt werden. Erst dann wird sich etwas Sicheres über den Gang der Temperatur des Luftdruckes, der Luftfeuchtigkeit und der meteorischen Niederschläge der Insel sagen lassen. Prof. Th. Wert heim sandte eine Abhandlung „über das Piperidin" ein, in welcjier gezeigt wird, dass das Eine Atom vertretbaren Wasser- stoffes, welches die Imidbase noch enthält, durch Sfickoxyd ersetzt werden kann. Prof. Wertheim schlägt für den so gewonnenen Körper, aus welchem durch die Einwirkung von Wasserstoff im Entslehungszustande wieder Piperidin regenerirt werden kann, die Namen Stickoxydpiperidin oder Mitronylpiperidin vor. — In einer weitern Sitzung am 27. März hielt Prof. Wertheim einen Vortrag über das Conydrin. Seinen Versuchen zufolge ist diese Base gleich dem Coniin eine sekundäre Aminbase. Von salpetriger Säure wird jedoch das Conydrin zum Unterschiede vom Coniin weder bei gewöhn- licher Temperatur, noch selbst bei 100 Grad zersetzt. Derselbe theilte ferner ausführlichere Notizen über einige Nikotinverbindungen mit, und bespricht schliesslich den Plan des chemischen Laboratoriums der Grazer Universität. Aus demselben ergibt sich, dass diese Anstalt in der Gestalt, die sie neuestens erhielt, auf einem Flächenraum von 204 Ouadratklaftern, 13 getrennte Räumlichkeiten darbietet. — Mit dem 1. Mai wird der Wiener Thiergarten in seiner neuen Gestaltung eröffnet sein. Das Unternehmen, um das sich dessen Grün- der die grössten Verdienste erworben, ist schon heute als vollkowimen gesichert zu betrachten. Anfangs des Jahres waren bereits 1335 Aktien gezeichnet, welche einen Gesammtwerth von 133,500 fl. reprä- sentiren. Die Grafen Wilczek und Brenner haben jeder 40,000 fl., die Direktoren des Gartens Dr. Ussner und Dr. Jäger 30,000 fl. gezeichnet. Unter den ersten Subskribenten befinden sich Namen aus allen Ständen der Residenz. Jede Aktie kostet 100 fl., wofür der Besitzer freien Eintritt in den Garten erlangt. Jede Aktie gibt ausser- dem Anspruch auf eine von der Generalversammlung auszusprechende Dividende. Ausserdem werden jeder Aktie 100 Eintrittskarten bei- gegeben, welche an den nur für Aktionäre reservirten Tagen Zutritt gewähren. Der Besitz von 10 Aktien verleiht die Würde eines Ver- waltungsrathes, fünf Aktien berechtigen zu einer Stimme, eine Aktie gewährt den Zutritt mit Sitz und Stimme zu der Generalversammlung. In diesem Jahre werden nicht weniger als fünf zoologische Gärten, und zwar in Haag, Wien, Hamburg, Leipzig und Breslau errichtet werden. In Hannover und Stuttgart steht die Gründung von Gärten in Aussicht. — In einer Sitzung der seh lesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur zu Breslau, am 26. Februar hielt Prof. Dr. Körb er einen Vortrag über die Gonidien (Brutzellen) der Flechten, bezugnehmend zunächst auf seine im Jahre 1839 ver- fasste kleine Schrift: „de gonidiis lichenum", in welcher er eine nach dem damaligen Stande der Wissenschaft mögliciist umfassende Dar- Oestcrr. Uotan. Zeitsclirift 5. Heft. 1SG:j. 1* 170 Stellung dieser inferessanten, zuerst von Wallroth näher bekannt gewordenen und mit obigen Namen belegten Pflanzenzellen zu geben bestrebt war. Hat seit jener Zeit die Lichenologie zwar in syste- matischer Beziehung enorme Fortschritte gemacht, so ist gleichwuhl noch die Kennlniss von den morphologischen Stadien des Flechten- lebens und insbesondere von der Entwicklung und Metamorphose jener für das Leben des Flechtenlagers wichtigsten Zellen eine man- gelhafte zu nennen. Selbst Schwenden er, welcher in neuester Zeit sehr schätzenswerthe Untersuchungen über den Bau des Flech- tenlagers veröfl'entlichte , und nach Tulasne den besten Anlauf genommen hat zu dem dankenswerlhesten Resultate, kennt nicht einmal das Vorkommen goldgelber, braunrother und grauschwärz- licher Flechlengonidien. Auch Massalongo, Nylander, Sti- tzenberger u. A. haben in ihren Schriften nirgends eine befriedi- gende Skizze der gonimischen Verhällnisse gegeben. Der Vortragende bedauert, für jetzt keine Zeit zu haben, seine reichhaltigen Erfah- rungen für den Druck vorbereiten zu können, bespricht aber deren Umfang, der si(;h in Nachfolgenden resumiren lässt. Die primäre Entwicklung der Gonidien ist noch keineswegs sicher nachge- wiesen; wenn Einige sie durch Abschnürung aus den Markzellen des Flechtenlagers entstehen lassen, so sei diess wahrscheinlich eine Tauschung. Der Vortragende hat diess nie beobachten können, und glaubt vielmehr, dass sie aus Muttergonidien ihren Ursprung nehmen, zu denen jedes einfache Gonidium durch Fortentwicklung seines Inhaltes werden könne. Die Gestalt der Gonidien ist, ob- wohl im Allgemeinen auf die einer kugeligen Zelle reducirt, im besonderen doch höchst mannigfaltig und insbesondere je nach der weiteren Entwicklungsstadie derselben. Die einfache von Wall- roth gemachte Unterscheidung in „Hologonidium" und „Mesogoni- dium" genügt länger nicht mehr. Namentlich bei den gallertartigen Flechten ist die Formenverschiedenheit der Gonidien eine so ver- schiedene, dass Massalongo eine Reihe Kunstausdrücke für die- selben schuf (z. B. ^Encatogonidia^ , r^Ormogonidia"' u, s. w.), die er nur leider nicht in seinen Schriften näher erläutert und in einen gegenseitigen Zusammenhang gebracht hat. Letzterer ist vorhanden, lässt sich aber, wie alles Morphologische in dem so äusserst zähen Flechtenleben, nur durch Induction ermitteln. Ny lander unter- scheidet die gewöhnlichen thallinischen Gonidien, sodann Hymenial- Gonidien (worunter er die bei Sphaeromphale und Stigmatomma im Innern des paraphysenlosen Nuclus auftretenden zahllosen kleinen gonidien-ähnlichen Körper versteht) und Gonidien-Körner, als welche er zum grössten Theile jene Gonidien der Gallertflechten anspricht. Diese Eintheilung ist indess zu einfach und viel zu oberflächlich. Eine dem gegenwärtigen Bedürfnisse entsprechende Monographie der Flechlengonidien wird vielmehr eine auch alle andern Momente berücksichtigende Eintheilung derselben geben müssen. Hier ist noch auf den bisher fast übersehenen Unterschied aufmerksam zu machen zwischen Gonidien mit anfänglich abgesetztem Zellinhalt (bei 171 welchem sich die Zellmembran, nicht aber dieser Inhalt, bei Anwen- dung von Jod schwach bläut) und Gonidien mit schon anfanglich continuirlich erfüllendem Zellinhall (auf welche Jod anders reagirl). Die Farbe der Gonidien hängt, da die Zellmembran stets ungefärbt ist, lediglich von ihrem Zellinhalte ab. Dieser selbst ist entweder chloro- phyllartig und die Färbung des Gonidium dann gewöhnlich gaerfa/ea quercina und Po/^z/jorMs), welche um eine Feder herumgewachsen, ohne diese irgend zu verletzen etc. Corps- auditor Noack zeigt den Blattstiel einer ß<;^ow«a /•2ci/*i/b/m, welcher im vorigen Frühjahr durch Zufall bis auf ein kleines Stück durch- geschnitten, aber durch einen festen Verband sofort zusammenge- halten, das kolossale Blatt gleichwohl bis zur gewöhnlichen Zeit des Absterbens (November) vollkommen ernährt hatte; bei genauerer Untersuchung zeigten die Schnittflächen sich nicht verwachsen, son- dern durch eine liorklage vernarbt; die Ernährung geschah durch ein undurchschnittenes Gefässbündel. Der Sekretär gibt Mitthei- lungen über den Gesundheitszustand und die wissenschaftliche Thätigkeit des Dr. Milde in Meran, welcher mit einer Monographie der Equiseten beschäftigt ist, zu der ihm u. A. das werthvolle Her- barium De Candolles, sowie durch die k. österreichische Regie- rung sämmtliche Sammlungen des Kaiserstaats zur Benützuug über- lassen sind. Als Resultat seiner bisherigen Untersuchungen hat der- selbe eine Abhandlung liber die geographische Verbreitung der Equiseten übersendet, von denen eine kritische Sichtung statt der 163 bisher benannten nur 26 wirklich verschiedene Arten feststellt; deren besitzt die meisten (21) Amerika, auch die grösste Eigenthüniliclikeit; Europa besitzt 13, darunter 2 ihm eigenthümliche Unterarten (£. Schlticheri und trachyodon) und eine eigenthümliche Bastardform (E. litorale}; Asien besitzt nur 11, darunter 2 ihm eigenthümlich; Afrika nur 2, und keine eigenthümliche Art; aus Australien sind überhaupt keine Equiseten bekannt. F. Cohn, Sekretär der botan. Sektion. — Zu Folge einer Berichtigung von kompetenter Seite unserer Notiz ,,Der botanische Garten der Universität Greifswald" (pag. 101 V. d. J.) ist der 11. Oktober jener Tag, an welchem vor hundert Jahren der erste Spatenstich zur Anlegung eines botanischen Gartens in Greifswald geschah und zwar unter Anleitung des Magister Dr. Sa- muel Gustav Wilcke, des Verfassers der ersten Flora Gryphica und des Horlus Gryphicus. Die Feier des Jubiläums hätte daher am 11. Oclober d. J. statt zu finden, wenn überhaupt die Universität zu einer öffentlichen Festbegehung geneigt sein sollte. 173 — Dem Berichte über die Jahresversammlung des naturfor- schenden Vereins in Brunn am 20. December 1862 entnehmen >vir über den Stand der botanischen Sammlungen des Vereines fol- gende Angaben: das Vereinsherbar besteht aus Phanerogamen 2250 Species in circa 20000 Exemplaren, Gefässkryptogamen 46 Arten, Lebermoose 32 Arten, Laubmoose 290 Arten , Flechten 200 Arten, Algen 300 Arten, Pilze 450 Arten. — Nach dem Muster der k. k. Centra lanslalt für Meteoro- logie und Erdmagnetismus, deren Wirksamkeit sich über den ganzen Kaiserstaat erstreckt, kommen nun ähnliche Anstalten in den Hauptstädten der einzelnen Kronländer als selbstständige Institute zur Ausführung, während noch bis in die neueste Zeit den Sternwarten diese Aufgabe, wenu auch, wie es nach der Bestimmung solcher Institute zu erwarten ist , nicht in der vielfältigen Richtung und daher auch nicht mit dem Erfolge wie an der k. k. Cenlralanstalt, zufiel. Ungarn eröffnet in dieser Hinsicht den Reigen vor den übrigen Kronländern. Der naturwissenschaftliche Ausschuss der ungarischen Akademie der Wissenschaften hat zur Ausrüstung eines magnetisch-meteorologischen Observatoriums in Ofen einen Betrag von 1000 fl. flüssig gemacht, und Dr. Schenzl mit der Verwen- dung betraut. Literarisches. — Die „Linnaeahat, wie die botanische Zeitung berichtet, den Druck ihres 32. Bandes begonnen und fährt fort der systematischen und geografischen Botanik insonderheit zu dienen. — In den Schriften derk. physikalisch ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, (3. Jahrg. 1. Abth.) finden sich an botanischen Bei- trägen: „Nachtrag zur Flora der höheren Kryptogamen Preussens", von Dr. H. v. Klinggräff. "Beitrage zur Kryptogamen- Flora Dan- zigs", von Dr. E. F. Klinsmann. „Ueber stengelumfassende Aeste", von Dr. Caspary. „Ueber die Stammpflanzen einzelner Droguen", i von Caspary. I — Der 1818 in Rom herausgekommene „Florae Romanae Pro- dromus" der Prof. Sebastiani und Mauri, welcher 1200 Pflanzen umfasste, ward nach dem Tode von Sebastiani durch Prof. 3Iauri f und die Gräfin Elisabeth Fiorini um zwei Centurien vermehrt und i im J. 1837 von Pietro Sanguinetti, jetzt Professor der Botanik an der Universität zu Rom, durch 300 Arten vergrössert. Weitere Unter- ' suchungen des Letzteren haben eine 3Ienge Verbesserungen herbei- ' geführt, indem unter Beihilfe der sehr erleichterten Verbindungen die i neuere botanische Literatur zu Rathe gezogen und darnach die Rich- i tigkeit der Bestimmungen von Neuem geprüft w erden konnte. Eine ; dadurch hervorgerufene Aufzählung der römischen Flora hat San- guinetti in den „Atli della Accademia pontif. dei Lincei" gegeben 174 und es erscheint die vollständige Bearbeitung unter dem Titel : „Florae Romanae prodromus alter exhibens plantes phanerogamas circa Romam in Cisapenninis Pontificiae dictionis provinciis et in Piceno sponte venientes." Dieselbe wird 2200 Arten enthalten und einen Band von hundert Bogen umfassen, von denen 80 schon erschienen sind und von 2 — 3 Tafeln begleitet werden. Der Preis jedes Bogens ist auf 4 römi- sche Bajochi für die Subskribenten gestellt. Dem Phanerogamen- Bande sollen später die Kryptogamen ohne weitere Verbindlichkeit der Abnahme für dte Subskribenten nachfolgen, da Prof. Sanguinetti schon eine ansehnliche Sammlung einheimischer Kryptogamen besitzt. Der Verfasser nimmt Subskriptionen an. (Botan. Ztg.) — In einer von Dr. Karsten in Berlin erschienenen Schrift „Histologische Untersuchungen", wird die Bildung, Entwicklung und der Bau der Pflanzenzelle behandelt. — Baron de Zigno gibt in den Atti des k. k. Institutes der Wissenschaften in Venedig (VIII. l.j Beschreibungen der Puccinia graminis Pers., welche im verflossenen Jahrein den venetianischen Provinzen allgemein verbreitet und Ursache einer krankhaften Ent- wicklung des Weizens war. Eine Tafel mit Abbildung des benannten Pilzes ist auch beigegeben. — Vom Pfarrer J. A. Pitra ist in Prag erschienen: „Gedanken über die organische Welt. Unterschied zwischen Thieren und Pflanzen, vorzüglich in Hinsicht auf Fortpflanzung." Nach dem böhmischen JManuskript deutsch bearbeitet vom Verfasser selbst. Sammlungen. — Von den plastischen colorirten Nachbildungen von 64 theils essbaren, theils verdächtigen und giftigen Pilzen, welche Prof. Dr. Büchner in Hildburghausen herausgibt, erscheinen drei in der Ausstattung verschiedene Ausgaben, von deren jede 6 Lieferungen enthält und deren erste 19 Thaler, die zweite 17^2 Thaler und die dritte Ausgabe 14 Thater 15 Sgr. kostet. — Es sind in verschiedenen Zeitschriften, Farnsammlungen, trockene und frische Pflanzen aller Art vom Buchhändler Appuhn in Bunzlau zum Verkauf ausgeboten worden. Man zeigt uns an, dass die Sammlung von trockenen Farnen (72 Arten zu 11 Thlr.) grössten- theils aus schlechlen Exemplaren bestehe, unter welchen manche steril, andere gar keine Farne (3 z. B. nur Aroideen- und Palmen- Blätter) sind. Ferner kommen darin Arten zwei ja dreimal vor (z. B. Asplenium serratum einmal richtig, einmal falsch und einmal gar nicht benannt.) Kurz unter den 72 Arten, welche die Sammlung zählen soll, sind nur öO Filices- Arten, aber keineswegs, wie behauptet wurde, in den meisten Herbarien fehlende, sondern in guten Her- barien gewöhnlich alle und in viel bessern Exemplaren vorhanden. Es ist eine Pflicht, vor solchen Sammlungen, welche für theures Geld I 175 verkauft werden, zu warnen und wir wünschen, dass Jeder, der sich auf diese Weise getäuscht findet, es so zeitig als möglich öfTentlich bekannt macht, damit sich andere hüten können. (Botan. Zeitung.) — Die Centralkongregation des lomhardisch - venetianischen Königreiches hat der Veroneser Municipalität gestattet, die natur- historischen Sammlungen des verstorbenen Professors Älassalongo für den Beirag von 8000 fl. anzukaufen. — Das Herbarium des verstorbenen Hofrath Enderes ist in den Besitz des Dr. Stolz in Wien übergegangen. Botanischer Tauschverein in Wien. Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Sc haut a in Niemes mit Pflanzen aus Böhmen. — Von Herrn von U echt ritz in Breslau, mit Pflanzen aus Schlesien. — Von Herrn v. Ebner in Wien, mit Pflanzen aus Tirol. — Von. Herrn Bochkolz in Trier mit Pflanzen aus Preussen. Sendungen sind abgegangen an die Herren Keck in Aistershaim, Czetz in Gants, Dr. Thielens inTirlemond, Prof. Hofmann in Brixen, Szontagh und S pr e i tz e n h f er in Wien. Eine Sammlung von 125 der Flora von üno;arn und Siebenbürgen eigen- thümlichen Phanerogamen-Arten kann gegen Zusendung von 6 fli (= 4 Tlilr. Pr. Cour.) und eine zvveite Sammlung mit'^iÖO Phaner.-Arten aus derselben Flora gegen Zusendung von 9 fl. (= 6 Thir.) bezogen werden. Herr I. Peyritsch, der sich schon seit längerer Zeit mit dem Studium von Pflanzen-Anomalien beschäftigt, wünscht solche einzeln oder in grösseren Partien zu kaufen. Mittheilung^en. — Man machte dem „Kuryer Wilenski" zufolge in New-Orleans glückliche Proben mit einem Mitlei gegen die ToUwuth nach den Anweisungen des Prof. Ür. Ma röche tti aus Moskau. Als Operateur bei einem Spitale in letzterer Stadt erhielt er den Auftrag, eine nicht unansehnliche Anzahl in der ükn.ine von einem tollen Hunde gebissene Personen in die Kur zu nehmen. Landleule ersuchten ihn, solche einem die Wasserscheu schon seit mehreren Jahren heilenden Bauer anzuvertrauen. Diess geschah. 14 Kranke erhielten tä:-'lich je 750 Gramm Absud aus den ßlüthen des Sarothamnus scoparius; m'ehreremale täglich untersuchte der Bauer die untere Zunge der Patienten, wo sich kleine Giftwarzen nach seiner Aussage bilden würden. In der That zeigten sich solche am dritten und vierten Tag , die der ländliche Arzt immer gleich mit einer rothglühenden Nadel ausbrannte und dann den Mund mit jenem Abeuss spülen hiess. Alle wurden gesund. " — In der Nähe des Chemnitzer Bahnhofes in Sachsen finden sich ver- kieselte Baumstämme massenhaft vor und auf dem Sonnenberge wurde unlängst ein kolossaler Baumstamm blossgelegt. Derselbe ist 12 Ellen lang und hat an dem einen Ende 1'/^, am andern IV4 Ellen Durchmesser. Sammtliche bis jetzt dort gefundene Stammstücke gehören einer Araukarieiiform an. Nur Padowenz und Adersbach in Böhmen haben einen ähnUchen Reichthum an verkieselten Hölzern aulzuweisen. 176 Correspondenz der Redaction. M Herrn H. in S. „In einem der nächsten Hefte." — Herrn R. H. in St. J. „Portsetzungen ganz erwünscht." — Herrn B. „Das im 4. Hefte angezeigte Her- barium ist bereits verkauft." — Herrn C. in L. „Zu spät erhalten zu einer Be- rücksichtigung in diesem Hefte." — Herrn ü. in ß.: „Herr Kolben iieyer ist Anfangs April nach Jena abgereist." Inserate. Im Verlage von C. Gerold's Sohn in Wien, Stefansplatz Nr, 12 erschien und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen: Beiträg^e zur Morphologie und Biologie der Familie der Oichideeu von J. G. Beer. Mit Holzschnitten und 12 chromo-lithograph. Tafeln. Fol. Gart. 15 fl österr. Währ. Rabenhorst's botanische Werke. Bei Eduard Kummer in Leipzig sind erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Raben hör st Dr. L. Kryptogamen- Flora von Sachsen, die Ober-Lausitz, Thüringen und Nordböhmen mit Berücksichtigung der benachbarten Länder. Erste Abtheilung. Algen im weitesten Sinn, Leber- und Laubmoose. Mit über 200 Illustrationen, sämmtliche Algengattungen bildlich darstellend. 8. gh. 1863. Ladenpreis 5 fl. 76 kr. Im vorstehenden Werke sind nicht allein die Algen Deutschlands, sondern fast Europas vertreten und kann daher dasselbe mit vollem Rechte eine Algenflora von Deutschland genannt werden, — Deutschland's Kryptogamen-Flora oder Handbuch zur Bestimmung der kryptogamischen Gewächse Deutschlands, der Schweiz, des Lombardisch- Venetianischen Königreiches und Istriens. 2 Bände und Synonymen-Register dazu. G. 8. gh. 1844 bis 1853. Ladenpreis 15 fl. 18 kr. Inhalt der einzelnen Bände: I. [»ilze. 6 fl. IL 1. Lichenen. 1 fl. 50 kr. IL 2. Algen. 2 fl. 40 kr. IL 3. Leber-, Laubmoose und Faren. 3 fl. 78 kr. S v n o n y m e n-R e g i s t e r 1 fl. 50 kr. — Die Süsswasser-Dlatomaceen (Bacillarien). Für Freunde der Mikros^kopie bearbeitet. Mit 10 lithographirten Tafeln, er. 4. Cart. 1853. Ladenpreis 3 fl. 60 kr. — Populär praktische Botanik oder Anleitung, die in Deutschland häufig wildwachsenden und gezogenen Gewächse kennen zu lernen. 8. Früherer Preis 3 fl. 45 kr., jetziger nur 72 kr. Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. Verlag von C. Gerold. Druck von C. ücberreuter. Oesterreichisclie BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. Gemeinnütziges Organ für uie OctcrreichUche Exemplare, '"'*'""'e?,:hei'nt*'"''"" Botaulk ood BotanJker, ^itlr^'^Jfn'l.''^''^^ erscneinc 7 zögert werden sollen, sind lenErsten jeden Monats. bloa bei der iiednktlon Man pränumerirt auf selbe jJäi'lQei. OeKODOQieD, ForSlllläDner, AerZlC, 0^ie